Kommt die Superflut? - wissenschaft.de
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Kommt die Superflut?

Rhein, Oder, Elbe – immer wieder treten Deutschlands Flüsse über die Ufer. Der Klimawandel bedroht vor allem den Rhein. Anlieger können nicht darauf vertrauen, dass sie hinter den Dämmen sicher sind.

Überschwemmte Straßen, Menschen in hüfthohem Dreckwasser und Katastrophenhelfer, die Sandsäcke schleppen – solche Bilder haben Konjunktur. Immer häufiger treten Flüsse über die Ufer. So stiegen Anfang des Jahres die Pegel fast überall in Deutschland wieder bedenklich, ob am Rhein, an der Mosel, an Main oder Neckar. In Wertheim fluteten Main und Tauber im Januar die historische Altstadt. Sogar die Elbe, weit im Osten, verließ ihr Bett und weckte böse Erinnerungen.

Nicht einmal ein halbes Jahr zuvor, im August 2002, hatte der zweitgrößte Strom Deutschlands die Nation tagelang in Atem gehalten. Damals zeigten die Nachrichten schreckliche Bilder: Eine Familie, die auf einer schmalen Wand ihres zerstörten Hauses über den reißenden Fluten ausharrte, eine Eisenbahnbrücke, von der nur die durchhängenden Schienenstränge geblieben waren, oder den Dresdner Hauptbahnhof, durch den ein mächtiger Fluss rauschte. Aufgerissene Häuser, gebrochene Dämme, verstörte Menschen – das gab es täglich. Allein die Elbe-Flut zerstörte Werte von rund zehn Milliarden Euro, so viel wie keine Naturkatastrophe zuvor. Nur im Krieg hatte es die Deutschen schlimmer getroffen. Und an den Krieg fühlten sich viele Opfer erinnert, die vor den Trümmern ihrer Existenz standen.

In Dresden stieg das Wasser drei Stockwerke – 7,50 Meter – über Normal. Noch nie in der Hochwassergeschichte der Stadt, die Historiker bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen können, war die Elbe so dreist über die Ufer getreten. Und das zu einer Jahreszeit, in der sonst mit dem niedrigsten Wasserstand zu rechnen ist. Die bisherige Rekordmarke vom März 1845 lag 63 Zentimeter tiefer. Damals stieg das Wasser so hoch, weil Treibeis den Abfluss verstopft und die Wassermassen aufgestaut hatte.

Die „Jahrhundertflut“ und ihre kleinen Schwestern schüren Ängste: Steckt die globale Erwärmung dahinter? Seit einem Jahrzehnt reißen die Katastrophen an deutschen Flüssen nicht ab: erst der Rhein, später die Oder und dann die Elbe. Während Forscher das Schlagwort vom „Jahrhunderthochwasser“ kontrovers diskutieren (bild der wissenschaft 2/2003, „Verblasste Erinnerung“ ), warnen manche Medien bereits vor der bevorstehenden Sintflut. Aber auch seriöse Wissenschaftler kalkulieren Worst-Case-Szenarien, um Vorsorge treffen zu können. Vor allem der Rhein ist ins Blickfeld gerückt, denn hier haben Deutsche und Franzosen, Holländer und Schweizer besonders viel zu verlieren. Die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) schätzt, dass Gebäude und Industrieanlagen im Gesamtvermögen von rund 1,5 Billionen Euro auf gefährdeten Uferzonen stehen.

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Bislang kamen die Anlieger mit einem blauen Auge davon: Nach der Nomenklatur der Wasserbauer waren die Hochwasser von 1993 und 1995 40- bis 80-jährliche Fluten, das Elbe-Hochwasser in Dresden kommt dagegen – statistisch gesehen – nur einmal in mehr als 200 Jahren vor. Ein vergleichbares Ereignis am Rhein würde allein in der Region Karlsruhe Schäden bis zu 1,5 Milliarden Euro anrichten, hat der Regionalverband Mittlerer Oberrhein ausgerechnet. Die Münchener Rückversicherung kommt bei einem 500-jährlichen Hochwasser auf volkswirtschaftliche Schäden von 13 Milliarden Euro am Oberrhein und 18 Milliarden Euro in Nordrhein-Westfalen.

Allerdings ist nicht sicher, ob der Rhein überhaupt so hoch steigen kann. Wissenschaftler aus Deutschland und Holland versuchen derzeit, in einem gemeinsamen Forschungsprojekt den maximal möglichen Wasserstand zu berechnen. Ein Ergebnis wird wohl erst im Herbst veröffentlicht – doch ein Vergleich mit der großen Flut an der Elbe kann übertriebene Ängste lindern.

Ursache für das Elbe-Hochwasser war eine so genannte Vb-Wetterlage. Damit bezeichnen Meteorologen die ungewöhnliche Zugbahn eines atlantischen Tiefdruckgebiets: Statt vom Atlantik über Frankreich ostwärts zu driften, wie es sich gehört, marschierte Tief „Ilse“ zunächst weit nach Süden bis zum Golf von Genua und saugte sich dort wie ein Schwamm voll mit feucht-warmer Mittelmeerluft. Dann drehte es in einem Schlingerkurs wieder nach Nordosten und steuerte Harz und Erzgebirge an, wo es seine nasse Fracht ablud.

Die Regenmenge, die Ilse vom warmen Süden mitbrachte, schlug alle Rekorde. In Dresden fielen innerhalb von 24 Stunden 158 Millimeter Niederschlag, doppelt so viel wie am bisherigen Rekordtag. In Innwald-Georgenfeld im Erzgebirge wurde sogar ein Tageswert von 312 Millimeter gemessen – das gab es noch nie in Deutschland. Zu allem Unglück hatte es in den zehn Tagen zuvor schon reichlich geregnet: so viel wie sonst im ganzen August. Der Boden hatte sich also bereits vollgesogen, und die Blätter der Bäume waren tropfnass. So fehlte der Puffer, der sonst einen Teil des Wassers zurückgehalten hätte.

Dass ein Tiefdruckgebiet wie Ilse vom Mittelmeer in das Einzugsgebiet des Rheins schwenkt statt über Ostdeutschland abzuregnen, halten Meteorologen für sehr unwahrscheinlich. Denn die Zugbahn, die bei allen Kapriolen meist eine generelle Ostrichtung einhält, müsste westwärts abdrehen – „das ist sehr selten und wenn, dann würde es nur mit geringerer Intensität regnen“, sagt Uwe Kirsch vom Deutschen Wetterdienst. Aber selbst wenn am Rhein ein Dauerregen von Elbe-Ausmaß niederprasseln würde, bliebe eine Katastrophe aus. Das meint zumindest Heinz Engel: „Der Rhein hätte so ein Unwetter locker verkraftet.“ Der Hochwasserspezialist von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz stützt sich dabei auf holländische Experten, die das Unwahrscheinliche im Computer simuliert haben. Ihr Ergebnis: Unterhalb von Köln wäre die so erzeugte Hochwasserwelle auf jeden Fall niedriger als die von 1993.

Das hat mehrere Gründe: Zum einen droht eine Vb-Wetterlage nur im Sommer, wenn ein großer Teil des Wassers gar nicht erst in den Fluss gelangt, weil es verdunstet oder von Pflanzen zurückgehalten wird. Zum anderen ist ein solches Starkregengebiet geographisch begrenzt und überdeckt niemals das gesamte Einzugsgebiet. Das war an der Elbe auch nicht anders. So kann der Rhein seine besondere Stärke ausspielen: Im Gegensatz zur Elbe hat er ein großes Fassungsvermögen. Im Mittel leitet er rund 2300 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ins Meer, dreimal so viel wie die Elbe. Sein Einzugsgebiet ist mit 190000 Quadratkilometern zwar nur wenig größer als das der Elbe (149000 Quadratkilometer), doch regnet es im Westen Deutschlands erheblich mehr als im Osten.

Bei Hochwasser fällt der Unterschied der beiden Top-Ströme besonders stark ins Gewicht. So flossen beim Hochwasser von 1995 in jeder Sekunde bis zu 11000 Kubikmeter Wasser an Köln vorbei, fünf große Schwimmbäder voll, in Dresden waren es bei der Jahrhundertflut nicht einmal 4600. Als 1994 aus den Alpen ähnlich viel Wasser in den Rhein schoss, wie die Elbe verkraften musste, und in Basel eine Jahrhundertflut erzeugte, verlief sich die Welle stromabwärts „unbeachtet von der Öffentlichkeit“, wie Engel sagt. Schon am Mittelrhein war nichts mehr zu spüren.

Für eine Entwarnung besteht dennoch kein Grund. Denn der Klimawandel, der sich in den letzten Jahren immer stärker bemerkbar macht, könnte den Rheinanliegern auf andere Weise zum Verhängnis werden. Bisher hat die ausgeprägte Heterogenität des Einzugsgebiets den Hochwasser-GAU verhindert: Die Alpen im Süden halten den Niederschlag im Winter als mächtige Schneedecke zurück. Hochwasser aus dem Hochgebirge droht vor allem im Sommer, wenn der Schnee taut oder Unwetter toben. Die Winterhochwasser des Rheins kommen dagegen aus den Mittelgebirgen, entweder von Neckar und Main oder von Sauer und Saar. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde hat alle bekannten Überschwemmungen untersucht, bis zurück zur Krönung Karls des Großen im Jahr 800, und herausgefunden, dass sich Alpen und Mittelgebirge niemals zu einem fatalen Doppelschlag zusammengetan haben.

Das könnte sich in den nächsten 100 Jahren ändern, falls die Klimatologen mit ihren Vorhersagen Recht haben. Denn in Deutschland soll es wärmer und feuchter werden. Schon jetzt führt der Rhein im Mittel 13 Prozent mehr Wasser als noch vor 100 Jahren. Das bleibt nur deshalb weitgehend unbemerkt, weil sich die Flusssohle immer tiefer in den Untergrund gräbt.

Ein weiterer übler Trend, der sich längst abzeichnet: Gemittelt über die letzten Jahrzehnte verlagern sich die Niederschläge immer mehr in die kalte Jahreszeit. Die Winter werden nasser, die Sommer trockener. Die frühsommerliche Hochwasserwelle aus den Alpen, die sich bisher meist im Juni herabwälzte, wird dann schon zwei Monate früher kommen. Doch im April drohen auch Winterhochwasser aus den Mittelgebirgen. „Und plötzlich passiert, was in den letzten 1200 Jahren nie vorgekommen ist“, warnt Engel: Extreme Wetterlagen in den Alpen und den Mittelgebirgen überschneiden sich. „Dann geht es uns an den Kragen: Alle Schutzsysteme versagen.“

Wie können sich die Menschen, die am Fluss leben, dann noch schützen? Nach jeder Überschwemmung heißt es inzwischen: Die fehlenden Überschwemmungsräume sind schuld. Das klingt einleuchtend und ökologisch korrekt – doch es ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Was stimmt: Die Flüsse wurden in den letzten Jahrhunderten erheblich verändert. Staustufen, Dämme und Begradigungen haben das Wasser kanalisiert und einen großen Teil der sumpfigen Flusslandschaften in Äcker und Bauland verwandelt. Der Elbe haben die Anlieger 86 Prozent ihrer „Retentionsflächen“ abgerungen, insgesamt mehr als 5000 Quadratkilometer. Beim Rhein sind es 85 Prozent oder 6800 Quadratkilometer, obendrein wurde der Oberrhein um 82 Kilometer verkürzt. Folge: Bei Hochwasser können sich die Flüsse nicht mehr beliebig breit machen, sondern bleiben eingezwängt zwischen schützenden Dämmen. Dadurch gewinnt jede Flutwelle an Höhe und Geschwindigkeit. Doch auch die riesigen Auenlandschaften der einstigen Urströme konnten die mittelalterlichen Städte nicht vor Überschwemmungen schützen. Das schlimmste Hochwasser am Rhein ereignete sich im Jahr 1342, als noch kein Mensch an Begradigungen dachte und das breite Tal eine einzige Wildnis war. Damals soll das Wasser im Mainzer Dom „einem Manne bis zur Gürtellinie“ gestanden haben, wie es in einer Chronik heißt. Später drang nie mehr Wasser in die Kirche ein.

Auch an der Elbe haben im August alle Überschwemmungsflächen nichts genutzt. Rund 500 Millionen Kubikmeter Wasser sind aus den Deichen geströmt und konnten dennoch die Jahrhundertflut nicht verhindern. Retentionsräume sind keine Wunderwaffen, denn sie können nur einen Teil der gesamten Hochwasserwelle aufnehmen. Übersteigt die Flut deren Kapazität, steigt das Wasser – nach einer Verzögerung – hemmungslos weiter.

Außerdem können – und wollen – viele Anwohner den Flüssen nicht das ganze Areal zurückgeben, das sie ihnen im Laufe der Jahrhunderte mühsam abgerungen haben. Sie verzichten allenfalls hier und dort auf ein paar Quadratkilometer Kulturland. Hessen weigert sich bis heute, auch nur eine Retentionsfläche zur Verfügung zu stellen. Wie viel Schutz solche bescheidenen Areale bieten, zeigt eine einfache Rechnung: Angenommen, man gäbe der Elbe durch Rückverlegung der Deiche 50 Quadratkilometer Überschwemmungsfläche hinzu – was allerdings politisch kaum durchsetzbar wäre. Darauf würden bei einem theoretischen Wasserstand von 3 Metern 150 Millionen Kubikmeter Wasser passen. Nach Berechnungen der Bundesanstalt für Gewässerkunde sind bei der Augustflut aber insgesamt rund 2,5 Milliarden Kubikmeter Wasser abgeflossen.

Wasserbau-Ingenieure behelfen sich hier mit einem Trick: Sie verschließen die Überschwemmungsflächen zunächst und öffnen die Schleusen, kurz bevor die Hochwasserwelle ihren Höchststand erreicht hat. So kappen sie der Flut den Scheitel, jene Zentimeter, die über Sieg oder Niederlage an der Deichfront entscheiden können. Auf diese Art hat 1999 der Polder Altenheim am Rhein den Wasserstand um mehr als 30 Zentimeter verringert. Auch beim Elbe-Hochwasser haben die Wasserbauer einen kleinen Sieg errungen: Sie machten die Havel, die bei Havelberg in die Elbe mündet, zur gesteuerten Überschwemmungsfläche.

Schon 1954 hatten sich DDR-Ingenieure den Plan ausgedacht, aber nie eingesetzt. Als das Wasser der Elbe stieg, wurden die Staustufen der Havel nach und nach geschlossen – und erst wieder geöffnet, als der Hochwasserscheitel fast erreicht war. Dann strömten 75 Millionen Kubikmeter Elbewasser in die Havelniederung und kappten den Pegel um 40 Zentimeter.

Einen Nachteil hat dieser pragmatische Umgang mit Überschwemmungsflächen allerdings: Er schadet der Natur. In einem Gebiet, das meist trocken bleibt und nur alle paar Jahre bei extremem Hochwasser meterhoch geflutet wird, kann sich keine Auenvegetation entwickeln. Experten suchen deshalb nach einem ökologisch vertretbaren Kompromiss, der vor allem am Rhein zum Tragen kommen könnte. Hier sind weitere Retentionsräume mit einem Fassungsvermögen von rund 170 Millionen Kubikmetern geplant. Darin könnte das Wasser nur bis zu einer Höhe von zwei Metern steigen, ständig in Bewegung bleiben und nach höchstens zehn Tagen wieder abfließen. Außerdem könnte man harmlose Hochwasser ungehindert hineinlassen und die Schleusen nur bei ernster Überschwemmungsgefahr schließen. Eines aber ist sicher: Ließe man die Fluttore immer offen stehen, wie es manche Umweltschützer fordern, würde die Wirkung der Retentionsräume verpuffen.

Dann könnten nur noch Dämme helfen. Am Rhein haben die Schutzbauten derzeit unterschiedliche Standards: Manche schützen von 100-jährlichem Hochwasser, andere vor 200-jährlichem, einige in Holland sogar vor 500-jährlichem. Doch selbst die höchsten Aufschüttungen bieten keinen absoluten Schutz. Im Gegenteil: Sie wiegen die Anwohner in trügerischer Sicherheit. Wenn sie durchweichen oder brechen, kommt das Wasser mit Urgewalt und wütet umso schlimmer. „Wir müssen uns davon verabschieden, zwei Extreme zu verfolgen: Höhere Deiche und mehr Retentionsflächen“, meint deshalb Hochwasserexperte Engel: „Wir müssen lernen, mit dem Hochwasser zu leben.“

An der Saar haben manche Anwohner diese Lektion bereits gelernt: Ladenbesitzer haben das gesamte Erdgeschoss mit Fliesen ausgekleidet. Bei Hochwasser schaffen sie das Mobiliar nach oben, und wenn sich die trübe Brühe wieder verzogen hat, säubern sie die Wände mit starken Feuerwehrschläuchen. Engel hat noch weitere Vorschläge in petto: Neubauten auf Stelzen stellen, Ringdeiche um kleine Ortschaften aufschütten und Kellerräume nicht vermieten, sondern leer stehen lassen: „Das ist der Preis für die schöne Aussicht auf den Rhein.“

Manchmal trifft es allerdings auch Menschen, die weitab vom exklusiven Flussblick wohnen, wie beim Elbe-Hochwasser. Einen erheblichen Teil der Schäden hat nämlich nicht die Elbe angerichtet, sondern er geht aufs Konto kleiner Nebenflüsse und unscheinbarer Bäche, die sonst kaum Wasser führen. Gewitterzellen, aus denen innerhalb weniger Stunden eine Sintflut niederprasselte, schickten Sturzfluten durch die schmalen Täler. Fast alle spektakulären Schäden sind die Folgen solcher Blitzfluten. Die Elbe hätte gar nicht die Wucht gehabt, um ganze Häuser fortzuspülen. Mit ihrer Strömungsgeschwindigkeit von rund zwei Metern pro Sekunde, gerade einmal halb so schnell wie der Rhein, gilt sie als träge.

In Dresden war es die Weißeritz, die verrückt spielte. Der Bach fließt normalerweise in einem Kanal mit einem Fassungsvermögen von 150 bis 200 Kubikmetern pro Sekunde unter der Stadt hindurch. Als der große Regen kam, schwoll er plötzlich auf 600 Kubikmeter an, obendrein verstopfte mitgeschwemmtes Gerümpel den Kanaleingang. So suchte sich das Wasser seinen alten Weg, den ursprünglichen Bachlauf – und der führte geradewegs durch den Hauptbahnhof. Mehr als 400 Kubikmeter Wasser strömten jede Sekunde durch die gewaltige Halle.

Die Versicherungen weisen inzwischen gerne darauf hin, dass jeder Bach zum Monster werden kann. „An der Elbe hat sich gezeigt: Jeder ist überschwemmungsgefährdet“, meint Wolfgang Kron von der Münchener Rückversicherung. Von einer großen Zahl Versicherter könnten aber auch die Opfer profitieren: Das Risiko von Überschwemmungsschäden würde auf breite Schultern verteilt. Manche Experten fordern inzwischen sogar eine Zwangsversicherung. Die Versicherungswirtschaft wäre dafür gerüstet: Sie hat inzwischen sämtliche Gebäude in Deutschland in drei Gefahrenklassen eingeteilt. Allerdings gilt in extrem gefährdeten Gebieten wie der Kölner Altstadt oder den Uferzonen von Passau nach wie vor: Kein Versicherungsschutz möglich.

KOMPAKT

• Ein Starkregen, wie er im August 2002 der Elbe das Jahrhunderthochwasser brachte, würde am Rhein nur geringe Schäden anrichten.

• Doch dem Fluss droht eine andere große Gefahr: Der Klimawandel könnte die Pegel dort auf bisher unerreichte Höhe steigen lassen.

• Hohe Deiche und große Überschwemmungsflächen schützen nur bedingt vor Überflutungen.

Klaus Jacob

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