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Allgemein

Lauschen im Schlaf

Viele Menschen lassen sich im Schlaf durch kein Geräusch aus der Ruhe bringen – es sei denn, sie hören ihren Namen oder den Schrei ihres Babys. Dafür gibt es jetzt eine Erklärung.

„Es war aufregend“, berichtet die 21jährige Biomedizinstudentin von dem größten Neurologenkongreß der Welt im amerikanischen Minneapolis. „Sie haben mich sogar Doktor genannt“ – dabei ist Serena J. Gondek erst im zweiten Studienjahr. Grund für die Ehrerbietung der Neurologen: Die junge Studentin hat in ihrem Praktikum herausgefunden, wo im Gehirn Geräusche verarbeitet werden, die uns im Schlaf erreichen. Das brachte sie sogar vor die Kameras von BBC und CNN. Auf der Suche nach den Hirn-arealen, die beim Schlafen aktiv sind, wurden bisher Elektroden auf der rasierten Kopfhaut montiert. Das gemessene Elektroenzephalogramm (EEG) war jedoch stets ziemlich ungenau: Knochen, Blutgefäße und Muskeln verzerrten die elektrischen Potentiale und erschwerten das Auffinden der aktiven Regionen.

Serena Gondek griff nun eine Idee von Dr. Gregory L. Krauss auf. Der Assistenzprofessor an der amerikanischen Johns Hopkins Universität versucht den Anfallsherd bei Epileptikern durch einen mikrochirurgischen Eingriff zu entfernen, wenn kein Medikament hilft. Dazu muß er den Herd sehr genau lokalisieren, da kein gesundes Gewebe mit lebenswichtigen Funktionen und Erinnerungen verletzt werden darf.

Die Patienten bekommen deshalb etwa eine Woche lang Elektrodengitter direkt ins Gehirn implantiert. Auf diese Weise, so Krauss‘ Idee, sollte man nicht nur Epilepsieherde aufspüren, sondern auch feststellen können, welche Gehirnregionen beim Hören im Schlaf aktiv sind.

Serena Gondek konnte fünf von Krauss‘ Epilepsie-Patienten für ihre Experimente gewinnen. Mit speziellen Ohrstöpseln blokkierte sie die Umgebungsgeräusche, dann spielte sie den Patienten während des Wachseins und während des Schlafs verschiedene Töne vor. Über die implantierten Gitterelektroden registrierte die Forscherin, welche Hirnregionen aktiv waren. Die Ergebnisse übertrug sie auf Kernspin- und Computertomographie-Aufnahmen.

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Waren die Patienten wach, aktivierten die Töne nur das primäre Hörzentrum im Großhirn. Im Schlaf dagegen reagierte zusätzlich der seitliche Stirnlappen. Gondeks Schluß: Wahrscheinlich kommen die Töne zunächst im Hörzentrum an und werden dann erst vom Stirnlappen beurteilt. Der Stirnlappen könnte die Zentrale sein, die neue Reize überprüft und – falls nötig – den Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Er würde demnach dafür sorgen, daß eine Mutter aufwacht, wenn ihr Baby schreit, sie aber schlafen lassen, wenn ein Lastwagen vorbeidonnert.

Aber warum reagiert der Stirnlappen nur im Schlaf auf Geräusche? „Wenn wir wach sind“, meint Krauss, „verbrauchen wir unsere mentalen Ressourcen möglicherweise um zu sehen und zu denken.“ Den Luxus, den Stirnlappen auch noch fürs Hören zu nutzen, kann sich das wache Gehirn eventuell nicht leisten. Denn wenn wir wach sind, ist Hören nur ein Sinnesreiz von vielen – im Schlaf dagegen ist es die wichtigste Art der Wahrnehmung.

Marianne Diehl

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