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Forscher warnen vor fatalem Trend

Lebensmittelverschwendung bedroht das Klima

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So enden viele kostbare Nahrungsmittel (Bild: highwaystarz/fotolia.com)
Die Landwirtschaft gehört durch starke Treibhausgas-Emissionen zu den wichtigsten Treibern des Klimawandels. Doch ein Großteil der Nahrungsmittel landet gar nicht auf unseren Tellern. Ein Forscherteam hat dieses Verschwendungs-Problem nun systematisch erfasst und einen alarmierenden Trend festgestellt.

Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnte etwa ein Zehntel der globalen Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft allein auf die Verschwendung von Nahrungsmitteln zurückgehen. Das ist das Kern-Ergebnis einer Studie der Forschergruppe des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Bereits jetzt füllt ein Drittel der globalen Nahrungsmittelproduktion nicht die Mägen von Menschen, sondern endet wegen Überproduktion als Abfall. Den Ergebnissen der Forscher zufolge wird dieser Anteil global betrachtet aber wohl noch drastisch ansteigen, da Schwellenländer wie China oder Indien den westlichen Ernährungs- und Verschwendungsstil zunehmend zu übernehmen scheinen.

Überproduktion und schlechte Verteilung

Für die Studie haben die Forscher die Problematik erstmals rund um den Erdball umfassend untersucht. Sie analysierten, wie sich der Umgang mit Nahrungsmitteln in vielen Ländern und Regionen entwickelt hat, welche Trends sich nun abzeichnen sowie welche Emissionen damit verbunden sind. Im Detail zeigten die Ergebnisse, dass die Lebensmittelmengen in den letzten fünf Jahrzehnten bereits stark angestiegen sind, obwohl der Nahrungsmittelbedarf pro Person im globalen Mittel fast konstant geblieben ist. „Das drückt sich unter anderem dadurch aus, dass reichere Länder mehr Nahrung konsumieren als gesund ist, oder Lebensmittel verschwenden“, erklärt Ko-Autor Prajal Pradhan vom PIK.

Global betrachtet wäre das Nahrungsmittelangebot eigentlich ausreichend, um den Bedarf aller Menschen zu decken, dennoch haben einige Entwicklungsländer bekanntlich weiterhin mit Unterernährung und Hunger zu kämpfen. Das Problem ist somit die ungleiche Verteilung – und die fehlende Nutzung: „1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden derzeit verschwendet“, sagt Ko-Autor Jürgen Kropp. In Schwellenländern wie China und Indien wird sich den Forschern zufolge die Lage nun noch deutlich verschärfen: Der wachsendem Wohlstand verändert den Umgang mit Lebensmitteln stark. Außerdem zeichnet sich ein Trend zu mehr Produkten aus Tierhaltung ab, was ebenfalls mit erhöhten Treibhausgasemissionen verbunden ist.

Kritischer Beitrag zum Klimawandel

Die Landwirtschaft gehört bereits zu den größten Treibern des Klimawandels – mit einem Anteil von circa 20 Prozent an den gesamten Emissionen. Durch starkes Bevölkerungswachstum vor allem in Entwicklungsländern und Veränderungen der Lebensstile werden die landwirtschaftlichen Emissionen bis 2050 wohl ohnehin enorm ansteigen. Der Trend zur Verschwendung verschlimmert dies. Dabei könnten immerhin 14 Prozent der Emissionen aus der Landwirtschaft relativ einfach vermieden werden, betonen die Forscher: durch eine bessere Nutzung und Verteilung von Nahrungsmitteln.

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Doch wie kann die Nahrungsmittelversorgung klüger und effizienter gestaltet werden, und wie können Konsumenten überzeugt werden, umsichtiger mit Lebensmitteln umzugehen? „Fragen wie diese bleiben zwar offen, die Studie zeigt jedoch das komplexe Zusammenspiel von Nahrungsmittelsicherheit und Klimawandel auf, dass in einer Zukunft mit 10 Milliarden zu ernährenden Menschen immer relevanter werden wird“, so Kropp.

Quelle: Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung

© natur.de – Martin Vieweg
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