Lebensspuren im antarktischen Eis - wissenschaft.de
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Lebensspuren im antarktischen Eis

Ausgerechnet unter einem mehr als drei Kilometer starken Eispanzer in der Antarktis bei der russischen Forschungsstation Wostok, stießen Wissenschaftler auf Spuren von thermophilen Mikroorganismen. Diese Einzeller fühlen sich in heißen Quellen oberhalb von 50 Grad Celsius am wohlsten. Unterkühlt geht es hingegen an der Wostok-Station zu. Mit minus 89,2 Grad Celsius wurde hier im Juli 1983 die niedrigste Temperatur des Planeten gemessen. Der unwirtliche Ort weist eine zweite Besonderheit auf: In 3750 Meter Tiefe liegt hier der 240 Kilometer lange und 50 Kilometer breite Wostok-See. Seit seiner Entdeckung 1996 beflügelt der See die Fantasie der Forscher: Ist er belebt?

Russische Geologen brachten eine Bohrung nieder und stoppten erst 120 Meter über dem Beginn freien Wassers, um das unberührte Reservoir nicht zu verunreinigen. Ein US-amerikanisches und ein franko-russisches Team teilten sich 1998 die untersten 80 Meter des Eisbohrkerns, die bereits aus gefrorenem Wasser des Wostok-Sees bestehen, und gingen auf die Suche nach Indizien für Leben. Am schnellsten war das US-Team – aber auf dem Holzweg: Die von den Forschern 1999 entdeckten lebenden Bakterien waren lediglich bei der Bohrung eingeschleppt worden. Gründlicher ging das franko-russische Team um Jean-Robert Petit und Sergei Bulat vor. Die Wissenschaftler registrierten akribisch, welche mikrobiellen Spuren sich nur in der Außenschicht der Bohrkernstücke fanden und welche in deren Zentrum. Erst 2002 gingen Petit und Bulat an die Öffentlichkeit: Das Innere der Eisbohrkerne aus dem Wasser des Wostok-Sees wies Erbsubstanz-Spuren von drei Stämmen thermophiler Mikroorganismen auf. Mögliche Erklärung: Aus dem Felsboden unter dem See könnten heiße Quellen einst ihre lebende Fracht in den Wostok-See geschüttet haben. Sollten ausgerechnet Bewohner von heißen Quellen in dieser eisigen Umgebung überlebt haben? Dr. Harald Huber, Experte für thermophile Kleinstlebewesen an der Universität Regensburg, hält dies für denkbar: „Wir frieren thermophile Mikroorganismen für unsere Kultursammlung sogar bei minus 160 Grad Celsius ein. Die Zellen fallen dann in eine Dauerstarre. Aber wenn wir sie nach zehn Jahren auftauen, werden sie wieder quicklebendig.“

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