Lehrstuhl bleibt leer - wissenschaft.de
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Lehrstuhl bleibt leer

An der Universität Konstanz wird es in diesem Wintersemester doch keinen Studiengang für Geschlechterforschung geben. Die Universität hatte als erste Hochschule in Baden-Württemberg einen solchen Studiengang einführen wollen. Gründe für das Scheitern sind zum einen Animositäten innerhalb des Lehrkörpers, zum anderen einmal mehr das Geld. Marion Woelki, die den neuen Studiengang organisieren sollte, meint resigniert: „Das Wissenschaftsministerium in Stuttgart hat für Baden- Württemberg sechs Professoren-Stellen für Geschlechterforschung ausgeschrieben. Konstanz aber wird keinen Antrag auf eine Professur stellen.“

Hintergrund: In den ersten drei Jahren soll die neue Stelle vom Land mit 50 Prozent bezuschußt werden. Danach muß die Universität die Kosten alleine tragen. Die muß allerdings sparen und hat deshalb das nötige Geld nicht. Für Woelki eine herbe Enttäuschung, denn ein Probelauf mit 21 Veranstaltungen war bei den Studierenden auf großes Interesse gestoßen.

Geschlechterforschung, auch als Gender-Studien bezeichnet, fragt nach der Bedeutung des Geschlechts für Kultur, Gesellschaft und Wissenschaften. Dabei geht es vor allem um das soziale Geschlecht. Am ehesten läßt sich das mit dem literaturwissenschaftlichen Begriff „Genre“ umschreiben. Geschlechterforschung ist interdisziplinär: Es geht um die Suche nach Querverbindungen zum Beispiel zwischen Philosophie und Naturwissenschaften oder zwischen Literatur und Jura. Genau dieser Ansatz wird aber von einigen Konstanzer Professoren mit Mißtrauen beäugt. Im gut möblierten Elfenbeinturm der reinen Lehre wehren sie sich gegen den neuen Studiengang. So weigerte sich zum Beispiel der Fachbereich Philosophie, über das Thema Geschlechterforschung auch nur zu diskutieren.

In anderen Bundesländern – vor allem in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen – hat sich die Geschlechterforschung dagegen bereits etabliert. Deshalb gibt Marion Woelki die Hoffnung nicht auf: „Zur Zeit sprechen wir mit der Universität Zürich. Vielleicht können wir ja gemeinsam etwas auf die Beine stellen.“

Hans Groth

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