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Lieber schnell unterwegs als Öko-Mobil

Welche Kreativität verschärfte Umweltgesetze freisetzen können, zeigt sich beim Automobil. Immerhin gibt ein Pkw heutzutage pro gefahrenem Kilometer rund 91 Prozent weniger Kohlenmonoxid (CO), 29 Prozent weniger Kohlendioxid (CO2) und 81 Prozent weniger Stickoxide (NOx) in die Umwelt ab als noch vor 40 Jahren. Das errechnete das Heidelberger IFEU-Institut im Auftrag des Umweltbundesamts für den Gesamtbestand an Diesel- und Ottomotor-Pkws in Ost- und Westdeutschland zwischen 1960 bis heute. Eine Prognose wagten die Wissenschaftler bis 2020. Diesem technischen Fortschritt ist es zu verdanken, dass selbst die 43 Millionen Autos, die 2001 auf Deutschlands Straßen fuhren, drei viertel CO pro Jahr weniger produzieren als die 26 Millionen Autos 1980. Um über 72 Prozent auf rund 234000 Tonnen nahm in derselben Zeit die Emission der Stickoxide ab. Großen Anteil daran haben die Bemühungen der Hersteller in den siebziger und achtziger Jahren. Mit einer optimierten Vergasertechnik und Verbrennung bei höheren Temperaturen gelang es ihnen, zwischen 1972 und 1985 den CO-Ausstoß pro Kilometer um mehr als die Hälfte zu reduzieren. Parallel zum Kraftstoffverbrauch sank auch die CO2-Produktion um rund 14 Prozent. Der unerwünschte Nebeneffekt: Die höheren Temperaturen im Zylinder förderten die Bildung von NOx. Um mehr als drei Prozent stieg der Gehalt der Saure-Regen-Gase an. Erst der Katalysator half Mitte der achtziger Jahre aus der Zwickmühle. Mit ihm war es möglich, CO und NOx gleichzeitig abzubauen. Der Preis des Kat: Das anfänglich schlecht gesteuerte Zusammenspiel mit dem Vergaser ließ den Benzinanteil im Verbrennungsgemisch steigen. Erst seit Mitte der neunziger Jahre kann dank moderner Einspritz- und Regeltechnik auch ein Kat-Auto sparsam gefahren werden. Daneben macht der Leiter der Abteilung Automobiltechnik des Umweltbundesamtes, Stefan Rodt, das Kaufverhalten der Deutschen für das Plateau der CO2-Kurve Mitte der neunziger Jahre verantwortlich: Der Trend geht zu größeren und stärkeren Autos mit mehr Elektronik, Komfort und Gewicht. Dies alles kostet Sprit, so dass die wachsende Automobilflotte trotz sparsamerer Motoren mehr CO2 produziert als früher. Um 23 Prozent auf 101 Millionen Tonnen CO2 hat die Gesamtmenge seit 1980 zugenommen. Das sind 13 Prozent aller deutschen Kohlendioxid-Emissionen. Erst ab 2006 rechnen Experten mit deutlich sinkenden Werten durch die Bemühungen der Industrie, den Kraftstoffverbrauch zu vermindern. Motivator ist dabei erneut der Gesetzgeber mit der EURO-Norm 2005, die wieder strengere Grenzwerte vorschreibt. Zudem haben sich die Firmen bis 2008 verpflichtet, die durchschnittliche CO2-Produktion ihrer Neufahrzeuge von heute 187 auf 140 Gramm pro Kilometer zu senken.

Hans Groth

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