Welttag der Feuchtgebiete Macht die Moore wieder nass! - wissenschaft.de
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Welttag der Feuchtgebiete

Macht die Moore wieder nass!

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Bei der Moorforschung macht sich Dominik Zak auch mal die Füße schmutzig. (Foto: IGB)
Trockengelegt: In Deutschland gibt es kaum noch natürliche Moore und auch weltweit ist dieser Natur-Schatz bedroht. Daran erinnert der aktuelle Tag der Feuchtgebiete. In Deutschland sollen nun einige Moore wiederbelebt werden. Doch die sogenannte Wiedervernässung ist offenbar eine heikle Maßnahme.

Moore sind Lebensräume einer faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt – die Bedeutung diese speziellen Feuchtgebiete geht aber über den Naturschutz deutlich hinaus: Moore stabilisieren den Wasserhaushalt und spielen vor allem eine große Rolle bei der Kohlenstoffspeicherung der Erde. In den Mooren der Welt lagern Schätzungen zufolge 20 bis 30 Prozent der gesamten Kohlenstoffvorräte aller Böden, was etwa 40 bis 60 Prozent des Kohlendioxid-Gehalts der Atmosphäre entspricht. Der weltweite Schutz der Moore leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Dies ist eine der zentralen Botschaften des diesjährigen Welttags der Feuchtgebiete am 2.2.2016.

Wiedervernässung heißt das Fachwort

Den Schutz der Moore hat sich auch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) auf die Fahnen geschrieben. Im Mai 2016 wird das IGB das europäische Treffen der Gesellschaft der Feuchtgebietsforscher ausrichten. Bei der Konferenz werden die IGB-Forscher aktuelle Forschungsergebnisse präsentieren: Sie sind der Frage nachgegangen, wie einst trockengelegte Moore erfolgreich wieder nass gemacht werden können. „Unsere Forschung ist eine existenzielle Grundlage für die Renaturierung des einzigartigen Lebensraums Moor. Dafür mache ich mir gerne die Füße schmutzig“, so Dominik Zak vom IGB.

Gerade in Deutschland gibt es für Projekte zur Wiedervernässung offenbar großes Potenzial: „Bei uns sind fast alle Moore entwässert, nur noch etwa zwei Prozent der ursprünglichen Moorfläche sind in einem naturnahen Zustand“, sagt Zak. Weltweit ist die Lage ebenfalls bedenklich: „Seit Beginn des 20. Jahrhunderts geht jährlich immer noch etwa ein Prozent der weltweiten Moorfläche verloren“. Doch es gibt auch Licht am Horizont: In ganz Europa sind Projekte zur Revitalisierung von Mooren entstanden, berichtet der Forscher.

Behutsam wiederbeleben heißt die Devise

Auf was es dabei zu achten gilt, haben Zak und seine Kollegen im Rahmen eines Moorschutzprogramms in Mecklenburg-Vorpommern untersucht: In den letzten Jahren wurden hier knapp 20.000 Hektar entwässerter Moore wiedervernässt. In den begleitenden Studien konnten die IGB-Wissenschaftler nun zeigen, dass in den ersten Jahren offenbar erst einmal das Treibhausgas Methan verstärkt freigesetzt wird, sowie größere Mengen des Pflanzennährstoffs Phosphor. Dafür ist die obere, stark zersetzte Torfschicht verantwortlich, in der sich die leicht mobilisierbaren Stoffe angereichert haben.

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Für den praktischen Moorschutz gilt deshalb, dass besondere Vorsicht geboten ist, wenn für den Nährstoffeintrag sensible Gewässer im Abstrombereich der Moore vorhanden sind, erklären die Forscher. Phosphor könnte hier nämlich zu einem übermäßigen Algenwachstum führen – mit bedrohlichen Auswirkungen auf die Wasserqualität.

Die vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen landschaftsökologischen Funktionen eines Moors kann mehrere Jahrzehnte dauern, sagen die Forscher. Doch offenbar lässt sich der Prozess der Renaturierung beschleunigen, legen weitere Untersuchungsergebnisse nahe: Entfernt man die obersten degradierten Schichten eines trockengelegten Moores, verringert dies die Phophorkonzentration im Moorbodenwasser stark. Das nicht unproblematische Comeback der Moore lässt sich demnach durchaus günstig beeinflussen.

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

© natur.de – Martin Vieweg
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