Management by Gummibärchen - wissenschaft.de
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Management by Gummibärchen

Manche wissen es immer noch nicht: Ironie ist gefährlich. Viel zu oft wird sie mißverstanden, gar für bare Münze genommen. Da kennt der Volksmund zum Beispiel die Beschreibung für inkompetente Vorgesetzte, Bürokraten und Organisatoren: „Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand.“ Eigentlich ist das leicht als Ironie zu erkennen, die nach Umkehrung schreit. Und dennoch gibt es damit ganz schwerwiegende Mißverständnisse.

„Warum“, fragte mich vor kurzem der langjährige Direktor eines Max-Planck-Instituts, „werden wichtige Funktionen in der Wissenschaft immer aufgrund von wissenschaftlichen Verdiensten besetzt?“ Und ein Kollege von ihm – ebenso hochrangig und erfahren – ergänzte: „Wir Forscher haben, wenn wir in so eine Position kommen, eigentlich nie Gelegenheit, etwas über Management zu lernen.“

Neues entdeckt zu haben ist verdienstvoll. Aber reicht das, um Dutzende von Mitarbeitern und millionenschwere Etats zu lenken? Was ist eigentlich Management? Zunächst einmal ein Modewort. Es heißt nicht mehr, als „den Laden am Laufen zu halten“, also alle Kräfte so einzusetzen, daß die erwünschte Wirkung möglichst groß ist. Dahinter stecken ganz profane Methoden wie Organisation, Kommunikation, außerdem juristische Fähigkeiten und haushaltsrechtliche Kenntnisse.

Zwar gibt es Naturtalente, die sich auch in komplizierten Strukturen durchsetzen und beeindruckende Erfolge erzielen, doch die sind selten. Die Wirtschaft hat das längst erkannt. Hier gilt Management als unentbehrliche Technik, wenn es um Umsätze, Unternehmenserfolge und Arbeitsplätze geht. Das Ergebnis ist ein kontinuierliches Aus-, Fort- und Weiterbildungssystem, dem sich – neben der fachlichen Qualifikation – jeder unterziehen muß, der in Spitzenpositionen aufrücken will.

Und die Forschung? Kein Zweifel, daß es hier im Management Defizite gibt. Kein Zweifel auch, daß es um die Effizienz der eingesetzten Mittel viel besser stünde, wenn Fragen der Personalführung oder der Ressourcensteuerung ebenso sorgfältig gehandhabt würden wie die Problemstellungen der Fachdisziplin.

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Management ist etwas anderes als verwalten. Es heißt führen, steuern, kreativ Prozesse anstoßen und bremsen – das geht weit über Administrieren hinaus. Was fehlt, ist zunächst einmal das Bewußtsein bei den Forschungsmanagern, daß ihnen ein Stück Professionalität fehlt. Außerdem brauchen führende Wissenschaftler die Möglichkeit, sich mit den Methoden und Techniken des Managements vertraut zu machen. Und schließlich fehlt die persönliche Beschäftigung mit diesen

Warum werden Führungsfunktionen in der Forschung nur nach wissenschaftlichen Verdiensten vergeben?

Fragen: Wie motiviere ich Mitarbeiter, wie fälle ich Entscheidungen im Team? Ich bin sicher: Viel Geld würde sinnvoller eingesetzt, manche Arbeitsstunde von Forschern kreativer verbracht, wenn die Institutsdirektoren dies besser beherrschen würden.

Dabei ist Management oft so einfach. Da hatten wir zum Beispiel in unserer Redaktion einmal das Problem, daß Kollegen sich häufig über zu viele Besprechungen beklagten. Doch die Konferenzen waren wichtig, um alle an den Entscheidungen zu beteiligen. Die Lösung bestand in einer Schale mit Gummibärchen auf dem Konferenztisch. Schlagartig sind die Klagen der Kollegen verstummt. Die Kommunikation funktioniert.

Reiner Korbmann

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In|tel|li|genz  〈f. 20; unz.〉 1 rasche Auffassungsgabe, Klugheit, geistige Begabung, enorme Verstandeskraft 2 Gesamtheit der geistig Schaffenden ... mehr

♦ Elek|tro|nen|strahl  〈m. 23〉 sich in einer Richtung bewegender Teilchenstrahl aus Elektronen

♦ Die Buchstabenfolge elek|tr… kann in Fremdwörtern auch elekt|r… getrennt werden.

Or|chis  〈[–çıs]〉 I 〈m.; –, –; Anat.〉 Hode II 〈f.; –, –; Bot.〉 Knabenkraut ... mehr

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