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medinfo Schwerpunkt: Knalleffekt in der Haut

Altersflecken, Feuermale, Blutschwämmchen und Narben: Kaum eine Hautveränderung, die sich nicht „weglasern“ ließe, versprechen viele Laser-Zentren. Aber längst nicht alle Versprechungen werden eingehalten. Im schlimmsten Fall bleiben Entzündungen und Narben nach einer Laserkur.

Die „unkritische Anwendung bis zur Scharlatanerie“ beklagt auch Prof. Roland Kaufmann. Der Direktor des Zentrums für Dermatologie und Venerologie der Universitätsklinik Frankfurt am Main hat festgestellt, daß „die große Konkurrenz von Geräteherstellern und das Bestreben, die Kosten für die teuren Geräte schnell wieder hereinzuholen, zu einem Boom geführt haben, der vielen Patienten schadet“.

In den Händen von Experten kann der Laser allerdings tatsächlich das ideale Instrument sein, um unschön veränderte Hautpartien zu behandeln. Für die Therapie von Feuermalen, erweiterten Äderchen im Gesicht oder an den Beinen (Besenreiser) sowie von Tätowierungen eignen sich Laserstrahlen gut. Dabei nutzen die Ärzte Wechselwirkungen zwischen dem energiereichen Laserlicht und dem Gewebe. Um Gefäßveränderungen zu korrigieren, werden grüne Farbstofflaser eingesetzt, da der rote Blutfarbstoff Hämoglobin besonders gut grünes Licht absorbiert. Dabei erhitzen sich die Äderchen und kollabieren. Weil die Lichtimpulse sehr kurz sind (450 Mikrosekunden), breitet sich die Hitze nicht in benachbarte Areale aus. Freßzellen des Immunsystems entsorgen die Reste des zerstörten Gewebes.

Ein regelrechter Knalleffekt befreit von Tätowierungen oder Altersflecken, in denen sich verstärkt der Körperfarbstoff Melanin angesammelt hat. Die Pigmente werden mit Rubin-, Alexandrit- oder Neodymium-YAG-Lasern zerstört. Wenn die Farbstoffmoleküle das Licht absorbieren, wandeln sie sich blitzartig in Plasma um. Die Plasmawolke breitet sich mit Ultraschallgeschwindigkeit aus. Das erzeugt einen hörbaren Knall, und Farbstoffteilchen sowie die Bindegewebskapseln, die die Pigmente von Tattoos einhüllen, zerfallen. Auch hier müssen erst die Freßzellen ihre Hausarbeiten gemacht haben, ehe die Haut wieder ihre ursprüngliche Farbe annimmt. Meist sind mehrere Behandlungen nötig. Mit Rubin- und Alexandrit-Lasern lassen sich außerdem störende Körperhaare an der Wurzel entfernen.

Sogar Narben und Falten behandeln Hautärzte mit Lasern. Kohlendioxid- oder Erbium-YAG-Laser tragen die oberen Hautschichten ab. Die Folge ist straffes, glattes Gewebe. Auch Warzen lassen sich so entfernen.

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Bei Leberflecken aber wird es kritisch. Die Experten warnen davor, sich diese Male weglasern zu lassen, weil sich hinter ihnen ein Hautkrebs verbergen könnte. Eine klärende Gewebeprobe kann nach der Lasertherapie nicht mehr genommen werden. „Grundsätzlich sollte ein erfahrener Arzt entscheiden, ob eine Behandlung mit Laser sinnvoll ist und wenn ja, mit welchem Typ“, rät Kaufmann.

medinfo Kontakt

Prof. Roland Kaufmann Zentrum Dermatologie und Venerologie der Universitätsklinik Theodor-Stern-Kai 7 69596 Frankfurt am Main Tel: 069 – 63015311

Dr. Michael Drosner Deutsche Dermatologische Lasergesellschaft Candidplatz 11 81543 München Infotelefon: 0810 – 5313246

medinfo Medien

Bücher

M. Landthaler, U. Hohenleutner Lasertherapie in der Dermatologie Atlas und Lehrbuch Springer, Berlin 1999, DM 178,-

Friedrich Bahmer, Wilfried Seipp Dermatologische Lasertherapie Eine Einführung WVG, Stuttgart 1996, DM 49,-

Jens-Hermann Grotewohl Lasertherapie bei vaskulären Erkrankungen Welche Laserart ist für welche Behandlung sinnvoll? Schattauer Stuttgart 1995 DM 49,-

medinfo Grafik

Nicola Siegmund-Schultze

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