medinfo Schwerpunkt: Multiple Sklerose - wissenschaft.de
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medinfo Schwerpunkt: Multiple Sklerose

„Das Vorurteil, gegen Multiple Sklerose könne man nichts machen, ist weit verbeitet. Es hat bei den Ärzten zu einem therapeutischen Nihilismus geführt, der nicht gerechtfertigt ist“, kritisiert Prof. Judith Haas, leitende Neurologin am Jüdischen Krankenhaus Berlin. Multiple Sklerose läßt sich zwar bislang mit Medikamenten nicht heilen, der Krankheitsverlauf bei einem Teil der Patienten mit neuen Präparaten aber deutlich verlangsamen. Die Kranken kommen länger ohne Gehhilfen und Rollstuhl aus, wie sie in der Spätphase der Erkrankung meist notwendig sind (siehe Grafik unten).

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der körpereigene Abwehrzellen Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark attackieren. Entzündungen der Sehnerven sind oft die ersten auffälligen Symptome.

Bei den meisten MS-Patienten verläuft die Krankheit in Schüben. Sehschwäche, Gleichgewichts- und Gehstörungen, Taubheit in den Beinen oder Stimmungsschwankungen halten Tage oder Wochen an und gehen dann wieder zurück. Bei manchen Menschen verschwinden die Symptome nach den Schüben nicht ganz, ihr Zustand verschlechtert sich allmählich (sekundär progredienter Verlauf). Bei anderen beginnt die MS ohne Schübe und wird kontinuierlich schlimmer (primär progredienter Verlauf). In späten Stadien treten bleibende Seh-, Sprech-, Schluck-, Blasenstörungen und Lähmungen auf.

Bei der in Schüben verlaufenden Form der MS lassen sich körperliche und seelische Symptome inzwischen durch Arzneien mildern. Entzündungshemmende Substanzen wie Kortisol mindern die Schwere der Schübe. Bei dauerndem Gebrauch kann der Körper allerdings abnorme Mengen von Fett und Wasser ansammeln, die Knochen können Kalk verlieren. Auch ist nicht umfassend belegt, daß Kortisol den Verlauf der Krankheit langfristig günstig beeinflußt.

Anders bei Azathioprin: Das Medikament hemmt die Vermehrung von Immunzellen und damit deren Attacken auf die eigenen Nervenbahnen. Azathioprin ist gut verträglich und verringert die Zahl der MS-Schübe.

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Neu in der Therapie dieser MS-Form sind Interferone – Signalstoffe des Immunsystems, die dessen Aktivität regulieren. Sie senken ebenfalls die Zahl der Schübe pro Jahr, im statistischen Mittel um rund 30 Prozent. Sie zögern damit die Phase der schwerwiegenden körperlichen Behinderungen deutlich hinaus. Ein Interferon-Präparat soll in Kürze in Deutschland zugelassen werden. Allerdings spricht nur ein Teil der MS-Kranken auf Interferone an, und welche Patienten das sind, ist noch nicht vorhersagbar. Den anderen Patienten schaden Interferone sogar: Vor allem zu Beginn der Therapie treten oft Grippe-Symptome und Gliederschmerzen auf.

Ein weiteres neues Medikament gegen die Multiple Sklerose ist Copolymer-1. Es dämpft im Immunsystem die überaktiv aggressiven Zellen. Copolymer-1 senkt die Schubrate ebenfalls um rund ein Drittel und hat wenig Nebenwirkungen. Auch für dieses Mittel erwarten die Hersteller eine Zulassung noch in diesem Jahr.

medinfo Kontakt

Deutsche MS-Gesellschaft Vahrenwalder Straße 205 – 207 30165 Hannover Tel: 0511 – 968340 Fax: 0511 – 963450

Verein zur Förderung der Erforschung der Multiplen Skleroseund anderer chronischer Krankheiten MUCK – Marlis Hütterott Stadtbahnstr. 64a 22393 Hamburg Tel: 040 – 6010123

Prof. Dr. Judith Haas Jüdisches Krankenhaus Berlin Iranische Straße 2-4 13347 Berlin Tel: 030 – 49942348

medinfo Medien

Buch

Helmut J. Bauer, Dietmar Seidel MS-Ratgeber Praktische Probleme der Multiplen Sklerose Gustav Fischer Verlag Stuttgart 1996, DM 22,80

Ulrike Schäfer, Sigrid Poser Multiple Sklerose Ein Leitfaden für Betroffene Blackwell, Berlin 1996 DM 19,80

medinfo Grafik

Nicola Siegmund-Schultze

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