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Mischen Sie sich ein!

In wenigen Monaten wird das menschliche Erbgut vollständig entschlüsselt sein: Wie sich die rund drei Milliarden Gen-Bausteine auf die Chromosomen verteilen, ist dann von jedermann im Internet abzurufen. Wenn Sie mal reinschauen wollen, wie solche Listen aussehen, so wählen Sie: http://www.ncbi.nlm.nih. gov/Omim/ Die meisten von Ihnen werden mit den dortigen Inhalten ebensowenig anfangen können wie ich. Bereits heute gibt es freilich weltweit Tausende von Forschern, für die solche Daten so aufschlußreich sind, wie für uns die Lektüre eines Buches. Dabei ist die Struktur des menschlichen Erbguts erst der Anfang der Forschung. Jetzt gehen die Wissenschaftler daran, aus den drei Milliarden Bausteinen die rund 100 000 Gene herauszufiltern, die den Menschen formen. Und sie werden klären, welche Gendefekte zu welchen Krankheiten führen. Möglicherweise lassen sich infolgedessen angeborene Behinderungen weitgehend beseitigen. Doch die Qualität des Erbguts ist auch für andere Zwecke nutzbar: Lebensversicherungen – so ein häufig gehörtes Argument – könnten Menschen mit erheblichen Gendefekten, die auf den Ausbruch einer lebensverkürzenden Erkrankung schließen lassen, nicht mehr versichern. Die Auslese von „edlem Menschenmaterial“ droht. Was da im 21. Jahrhundert ins Haus steht, tangiert uns Menschen ungleich stärker als jede andere wissenschaftlich-technische Entwicklung: im Guten wie im Schlechten. Stoppen läßt sich die Dynamik nicht. Dafür ist der – genetisch angelegte – Erkenntnisdrang im Menschen zu stark. Deshalb ist die Gesellschaft gefordert, ethische Werte zu diskutieren und sich einen zeitgemäßen Verhaltenskodex zuzulegen. Mißbrauch ist zwar auch so nicht aus der Welt zu schaffen, aber immerhin ist er auf diese Weise zu ächten – ähnlich wie Raub oder Mord in unserer Gesellschaft geächtet sind. Machen Sie sich fit für die anstehenden Diskussionen im Freundeskreis, mit Ihren Ärzten, in der Politik. Lesen Sie unsere aufschlußreiche Titelgeschichte – entwikkelt und redigiert von Jürgen Nakott – auf den Seiten 42 bis 58.

Amerika, du hast es besser, formulierte Johann Wolfgang von Goethe vor gut 200 Jahren in den „Xenien“. Der Spruch des Dichterfürsten gilt für Forschung und Forschungspersönlichkeiten noch heute. Wo gibt es in Deutschland Hochschullehrer wie den 42jährigen Paul Sereno (im Bild mit seiner Frau)? Einen Mann, der sich für einen Marathonlauf meldet, um Geld für seine Expeditionen einzuwerben. Einen Wissenschaftler, der in einem Lifestyle-Magazin mit seinem Aussehen kokettiert. Einen Professor, der atemberaubende Fotos inszeniert. Einen Saurierforscher, der in seiner kurzen Laufbahn mehr Dinoskelette ausgegraben hat als die meisten seiner Kollegen. Unsere US-Korrespondentin Désirée Karge besuchte den Harrison Ford der Paläontologen an seiner Wirkungsstätte an der Universität von Chicago. Ihr Bericht ab Seite 86.

Die deutsche Wissenschaft will in der Öffentlichkeit mehr Gehör finden und mehr Gehör für die Öffentlichkeit haben, schreibt Prof. Manfred Erhardt im Beitrag „Nie wieder Elfenbeinturm“ auf Seite 13. Gut dem Dinge. Das erste was wir dazu brauchen, sind Forscher wie Paul Sereno. Wo auch immer solche Persönlichkeiten stecken – man möchte geradezu hinausrufen: Bitte meldet euch!“

Wolfgang Hess

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