Hoffnung auf Überleben Neues von den geheimnisvollen Stumpfnasenaffen - wissenschaft.de
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Hoffnung auf Überleben

Neues von den geheimnisvollen Stumpfnasenaffen

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Stumpfnasenaffe besitzen eine markant geformte Nase mit vertikal aufgestellten Nasenflügeln und Nasenlöchern. (Foto: Shaohua Dong)
Sie wurden erst vor acht Jahren in den Wäldern Myanmars entdeckt und sind extrem gefährdet – nun haben Wissenschaftler erstmals eine Bestandsaufnahme der Myanmar-Stumpfnasenaffen durchgeführt. Es gibt ihnen zufolge Grund zur Hoffnung für die Primaten, denen der „Regen in die Nase läuft“.

Wie die Biologen um Christian Roos vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen berichten, existieren noch rund 400 Exemplare des Myanmar-Stumpfnasenaffen (Rhinopithecus strykeri) – einige davon auch in China. Es handelt sich den Forschern zufolge zwar um einen bedrohlich kleinen Bestand, der zudem aus isolierten Gruppen besteht, aber es zeichnen sich erfreuliche Entwicklungen ab: Die Regierungen Myanmars und Chinas haben in Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen und der einheimischen Bevölkerung Schutzmaßnahmen ergriffen. Sie reduzieren die Bedrohung deutlich und könnten das Überleben der bedrohten Primaten sichern, sagen die Biologen.

Die Geschichte der Myanmar-Stumpfnasenaffen hat gezeigt, dass sogar heute noch Neuzugänge bei einer so prominenten Tiergruppe wie den Primaten möglich sind. Erstmals wissenschaftlich dokumentiert hat sie der Biologe Ngwe Lwin im Jahr 2010. Er konnte zeigen, dass sich diese Affen aus den Vorgebirgen des Himalajas anhand ihrer Fellfarbe und Schädelform von den bis dahin vier bekannten Stumpfnasenaffen deutlich unterscheiden. Genetische Untersuchungen bestätigten anschließend, dass es sich tatsächlich um eine eigene Art handelt.

Sie niesen bei Regen

Den Einheimischen waren die Tiere natürlich bereits bekannt. Sie erzählten den Forschern, die Affen seien besonders bei Regen leicht ausfindig zu machen. Denn man könne sie dann ständig niesen hören, weil ihnen das Regenwasser in die aufgestellten Nasen läuft. Die Affen würden daher Regentage mit den Köpfen zwischen den Knien sitzend verbringen, sagen die Einheimischen. Klar war von Anfang an: Die Myanmar-Stumpfnasenaffen sind sehr selten – wegen ihrer geringen Populationsgröße und der Bedrohung durch Jagd und Lebensraumverlust wurden sie sogleich offiziell als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Acht Jahre nach der Entdeckung zeigt die nun veröffentlichte Bestandsaufnahme, wie es um die Affen mit der seltsamen Nase bestellt ist. „Unser Bericht bestätigt, dass der Status der Stumpfnasenaffen zwar aufgrund ihrer fragmentierten, kleinen Population und der anhaltenden Bedrohungen kritisch bleibt, dass aber Aktionen von Gemeinden, Regierungen und Nichtregierungsorganisationen zu einer erheblichen Verbesserung der Aussichten für diese Art geführt haben“, fasst Roos die Ergebnisse zusammen.

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Erfreuliche Schutzbemühungen

Den Forschern zufolge ist die Ausgangssituation sehr kritisch: Die Grenzgebiete des östlichen Himalaya zwischen dem Staat Kachin in Myanmar und der Provinz Yunnan in China sind durch Jagd- und Wildtierhandel, illegalen Holzeinschlag und Waldzerstörung sowie durch Bau von Wasserkraftwerken und der damit verbundenen Infrastrukturentwicklung stark beschädigt worden. Die gute Nachricht ist jedoch, dass sich diese Situation allmählich verbessert, berichten die Wissenschaftler. Die Regierungen Myanmars und Chinas haben damit begonnen, neue Schutzgebiete auf beiden Seiten der Grenze einzurichten.

Außerdem hat intensive gemeindenahe Aufklärungsarbeit den lokalen Jagddruck in Myanmar verringert, sagen die Forscher. Im Rahmen eines grenzüberschreitenden Abkommens zwischen China und Myanmar wurde im Jahr 2015 zudem der illegale Handel mit Wildtieren und der Holzeinschlag erheblich reduziert. „Tatsächlich konnten wir bereits einen deutlichen Rückgang der Jagd auf die Affen beobachten“, sagt Christian Roos. Frank Momberg, Direktor des Myanmar-Programms von Fauna & Flora International resümiert: „Die Ausweisung von Schutzgebieten sowie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung haben die Chancen, dass der Myanmar-Stumpfnasenaffe vor dem Aussterben bewahrt wird, drastisch verbessert“.

Quelle: Deutsches Primatenzentrum GmbH
Leibniz-Institut für Primatenforschung

© natur.de – Martin Vieweg
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