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Nierensteine durch Nanobakterien

Nur ein Hundertstel so groß wie gewöhnliche Bakterien sind die Organismen, die ein finnischer Wissenschaftler zur Ursache von Nierensteinen erklärt.

Immer mehr Krankheiten erweisen sich als Folge einer bakteriellen Infektion: Viele Magengeschwüre gehen auf eine Infektion mit dem stäbchenförmigen Erreger Helicobacter pylori zurück und für manche Herz-Kreislauferkrankungen machen Mediziner Chlamydien verantwortlich. Nun behaupten der finnische Mediziner Olavi Kajander und die türkische Mikrobiologin Neva Ciftcioglu, daß auch Nierensteine auf das Konto bakterieller Krankheitserreger gehen.

Die beiden Forscher von der Abteilung für Biochemie und Biotechnologie der Universität Kuopio beschäftigen sich seit Jahren mit Nanobakterien. Diese Organismen haben einen Durchmesser von etwa 50 bis 500 millionstel Millimeter (Nanometer) und sind damit sogar kleiner als manche Viren.

Kajander entdeckte, daß Nanobakterien in der Lage sind, Kalzium, Phosphate und andere Salze in Karbonat-Apatit umzuwandeln. Mit dieser Mineralien-hülle schützen sie sich vor dem Angriff von Antibiotika wie Penicillinen oder Aminoglykosiden. Das brachte den finnischen Wissenschaftler darauf, zu untersuchen, ob die Mini-Organismen auch irgend etwas mit Nierensteinen zu tun haben. Bisher war nicht bekannt, wie und warum sich Salze im Harn zu kalkartiken Steinen zusammenlagern. Kajanders Idee ist, daß die eingekapselten Bakterien eine Art Kristallisationskeim für Kalziumverbindungen sind, so daß im Laufe der Zeit größere Steine entstehen.

Das würde eine völlig neue Therapie für Nierensteine ermöglichen. Denn eine bestimmte Klasse von Antibiotika, die Tetrazykline, können sich an Apatit anheften. Kajander hofft, mit dem neuen Konzept auch Patienten kurieren zu können, bei denen immer wieder neue Nierensteine entstehen. Die ersten Behandlungsversuche werden vermutlich im kommenden Jahr beginnen, meint der Mediziner.

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Möglicherweise spielen die Nanobakterien medizinisch noch eine andere Rolle. Sie könnten nach Kajanders Ansicht auch für andere Krankheiten verantwortlich sein, bei denen kalkbildende Prozesse wichtig sind, etwa bei der arteriosklerotischen Verengung der Herzkranzgefäße.

Lange Zeit gab es kaum einen Experten, der Kajanders Hypothese ernst nahm. Letztes Jahr konnte der Wissenschaftler dann eine Reihe von neuen Fakten vorlegen. Erstens fand er Nanobakterien im menschlichen Blut – etwa fünf Prozent aller Finnen tragen den Erreger in sich. Zweitens konnte Kajander nachweisen, daß die Winzlinge vom Blut aus lebend in den Urin gelangen. Das ist erstaunlich, da Urin sonst durch die Ultrafiltration in den Nieren steril ist.

Schließlich fanden die finnischen Forscher Hinweise auf Nanobakterien in jedem der von ihnen untersuchten 30 menschlichen Nierensteine. „Wir glauben, daß sie die entscheidende Ursache für die Bildung der meisten Nierensteine sind“, folgert Kajander.

Der Mikrobiologe Mitchell Cohen vom Center for Disease Control and Prevention in Atlanta ist fasziniert von Kajanders Idee. Trotzdem ist er skeptisch: „Ich möchte erst noch weitere Studien abwarten, die sich mit verschiedenen Typen von Nierensteinen in verschiedenen Teilen der Welt beschäftigen.“

Susanne Liedtke

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