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Nur noch Gutes tun

Bei Medizinern gibt es den Berufseid schon lange. Nun wird in den USA die Idee diskutiert, alle Wissenschaftler durch einen Schwur zum Guten zu verpflichten.

Der britische Philosoph Francis Bacon berichtete in seinem utopischen Roman „The New Atlantis“ im 17. Jahrhundert von einer Gesellschaft, die Forschung ausbeutet. Die Wissenschaftler dort schwören daher, ihre Erfindungen geheimzuhalten und nur zum Wohl der Menschheit zu verwenden. Für den amerikanischen Studentenverband Student Pugwash USA ist dieser Eid Vorbild: Die Vereinigung schlägt vor, den wissenschaftlichen Nachwuchs mittels eines Schwures à la Hippokrates an ihre berufliche Verantwortung zu erinnern. Mit Übergabe der Diplomurkunde soll die nächste Forschergeneration versprechen, ihr Wissen nur zum Guten zu verwenden. Doch was gut und böse ist, möchte Pugwash nicht definieren. „Wir setzen keine Standards“, so Sprecherin Anna Moden, „wir wollen mit dem Eid lediglich einen Denkanstoß geben.“ Diesen bräuchten besonders Gentechniker und Biologen, aber auch Militär- und Rüstungsforscher, die schon seit je in Konflikt mit den Menschenrechten stünden. Obwohl der Pugwash-Vorschlag bereits 1995 initiiert wurde, stieß er erst jetzt mit einer Kampagne des Friedensnobelpreisträgers Joseph Rotblat auf größeres Gehör. Der Physiker und ehemalige Präsident der „Pugwash Conference on Science and World Affairs“ stellte die Idee im vergangenen Jahr auf der Weltwissenschafts-Konferenz in Ungarn vor: „Schon längst fehlt das Bekenntnis, daß Ethik ein wichtiger Bestandteil wissenschaftlichen Arbeitens ist“, findet der 92jährige. Bisher haben fast 5000 Studenten den von Pughwash vorgeschlagenen Eid unterzeichnet. An der Universität in Berkeley, Kalifornien, wurde er schon in die Diplomfeierlichkeiten der künftigen Ingenieure integriert. Für Bill Lawson, Direktor des National Institute for Engineering Ethics, belegt das Interesse einen Trend unter Amerikas Jugendlichen, sich stärker mit den Folgen von Wissenschaft und Technik auseinanderzusetzen. Die von seinem Institut angebotenen Ethik-Seminare sind ständig ausgebucht. Auch andere Wissenschafts- und Ethikorganisationen begrüßen die Pugwash-Idee. „Es ist heutzutage alles sinnvoll, was junge Wissenschaftler auf die Konsequenzen ihrer Arbeit hinweist“, meint Diane Bartel, Professorin am Zentrum für Bioethik der Universität Minnesota. Sie fordert ein Gegengewicht in einem Berufsfeld, in dem es inzwischen hauptsächlich um Profit gehe. Vor allem öffentliche und private Förderer haben Einfluß auf die Forschung. „Früher wurde bei den Anträgen für Fördergelder kaum gefragt, welche Vision Wissenschaftler mit ihrer Arbeit verbinden. Das ist jetzt anders.“ Viele Projekte gerade im Bereich Medizin und Gesundheit würden nur noch gefördert, wenn die Forscher eine Schulung in Ethik nachweisen könnten. Auch die US-Wissenschaftlervereinigung AAAS (American Association for the Advancement of Science) hält es für wichtig, die ethische Ausbildung der künftigen Forscher zu verbessern. Verantwortungsgefühl zu lehren, sei genauso wichtig, wie Wissen zu schaffen, sagt AAAS-Sprecherin Norine Noonan. Daß diese Verantwortung mit einem Eid zu erzwingen sei, bezweifelt sie allerdings: „Die Integrität des einzelnen ist entscheidend. Selbst wenn ein solcher Schwur verpflichtend wäre, kann er die Menschen nicht ändern.“ Pughwash „Student Pughwash USA“ ist eine Studentenorganisation, die das ethische Bewußtsein junger Wissesnchaftler stärken will. Der 1979 gegründete Verband ist Junior-Ableger der „Pugwash Conference on Science and World Affairs“. Diese Vereinigung, die sich um Konfliktlösungen, Abrüstung und ethische Forschung bemüht, erhielt 1995 den Friedensnobelpreis. Ihre erste Konferenz fand 1957 in dem kanadischen Dorf Pugwash statt. Sie war Folge eines Manifests von Albert Einstein und des Mathematikers Bertrand Russel, mit dem sie Wissenschaftler an die sozialen und ethischen Auswirkungen ihrer Arbeit erinnern wollten. Eid Der Eid von Pugwash lautet: „ Ich versichere, an einer besseren Welt zu arbeiten, in der Wissenschaft und Technologie sozial verantwortlich praktiziert werden. Ich will mit meiner Ausbildung weder Menschen noch Umwelt schaden. Während meiner beruflichen Laufbahn werde ich die ethischen Auswirkungen meines Tuns überlegen, bevor ich handle. Obwohl an mich hohe Anforderungen gestellt werden, unterschreibe ich diese Erklärung, denn ich habe erkannt, daß individuelle Verantwortung der erste Schritt zum Frieden ist.“

Désirée Karge

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