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Nur wer wagt, gewinnt

In San Diego scheint die Sonne für Startup-Firmen.

Eine Firma zu gründen, gleicht dem Sprung eines Drachenseglers von den Torrey-Pines-Klippen nördlich von San Diego. Risikofinanzier Howard Birndorf schaut den Akrobaten gerne zu, denn er schätzt den Nervenkitzel – wenn auch anderer Art: Schon siebenmal stürzte sich der 47jährige mit der Gründung („Startup“) einer Biotechnologie-Firma ins Ungewisse. Bisher landete er immer auf den Füßen. Er trug wesentlich dazu bei, daß sich der ehemalige Marinehafen in Südkalifornien zur Biotech-Region mauserte.

Birndorfs letzte Gründung, die drei Jahre alte Nanogen Inc., wird „die Diagnostik revolutionieren, indem sie Computer und Biologie miteinander verschmilzt“, verkündet er selbstbewußt. „Mikroelektronik wird das Labor ersetzen.“ Ob Nanogen auf dem Neuland der Diagnostik-Chips der Durchbruch gelingt, bleibt abzuwarten.

Eine wachsende Flotte von Firmen – derzeit etwa 250 – wurde seit den achtziger Jahren im „offenen Hafen“ von San Diego auf Kiel gelegt. Die meisten dieser Pioniere aus Biotechnologie, Biomedizin, Diagnostik, Medizintechnik und Elektronik sind noch klein und können kaum Produkte oder Profite vorweisen. Auch haben sie noch nicht die vielen Arbeitsplätze ersetzen können, die durch Sparmaßnahmen bei der Marine verlorengingen. Aber schon 29 Firmen werden an der Börse gehandelt, was San Diego den dritten Platz unter den Biotech-Regionen der USA einbrachte.

Hier weht eine günstige Brise für Startups. San Diego und seine nördliche Vorstadt – der malerische Küstenort La Jolla – sowie die Region entlang der Küstenstraße bis Torrey Pines fördern High-Tech-Ansiedlungen mit großzügigen Bebauungsplänen und Steuervergünstigungen. Intellektuelles Kapital steuern die University of California, das Salk Institute und das Scripps Medical Research Institute bei. Das Startgeld kommt von Risikofinanziers wie Howard Birndorf.

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Der siebenfache Firmengründer hat einen Riecher für erfolgversprechende Technologien. 1978 rief der gelernte Laborassistent – zusammen mit seinem Professor Ivor Royston – Hybritech Inc. ins Leben, die als erste Firma Monoklonale Antikörper herstellte. Hybritech ging 1982 an die Börse und wurde 1986 vom Pharmakonzern Eli Lilly aufgekauft.

Mit seinem Gewinn aus dem Hybritech-Verkauf – etwa 20 Millionen Dollar – rief Birndorf in den nächsten Jahren weitere Firmen ins Leben. Gen-Probe, gegründet 1983, war die nächste. Sie entwirft genetische Sonden zur Diagnose von Krankheiten. 1987 ging die Firma an die Börse und wurde zwei Jahre später von Chugai Pharmaceutical aufgekauft.

IDEC Pharmaceuticals folgte 1985. Sie entwickelt monoklonale Antikörper als Medikamente gegen Lymphdrüsenkrebs und rheumatoide Arthritis. Börsenstart war 1991 – ein Jahr nach Gensia: Birndorfs Gründung des Jahres 1986 spezialisierte sich auf die Therapie von Herz-Kreislauf-Krankheiten. Die Firma verkauft ihre Produkte in Europa, hat aber Zulassungsschwierigkeiten in den USA.

Ligand Pharmaceuticals (Gründungsjahr 1988) entwirft Medikamente, die durch direkten Kontakt mit Zell-Rezeptoren wirken sollen. Börsenstart war 1992, im selben Jahr, als Neurocrine Bioscience auf die Bühne trat. Dieses Unternehmen hat sich auf Krankheiten des Zentralnervensystems und des Immunsystems spezialisiert.

Die jüngste, die 1993 gegründete Nanogen, entwickelt eine schnelle und billige Analysetechnik für DNA-Proben. Zur Finanzierung wurden bisher 13,5 Millionen Dollar Risikokapital aufgebracht, einschließlich einer Million von Birndorf.

Birndorf glaubt, seine neue Kreation in zwei bis drei Jahren an die Börse bringen zu können. Robert E. Curry von der Risikokapitalfirma Sprout Group, die in Nanogen investiert hat, kommentiert zurückhaltend: „Nur einer von drei Startups schafft das.“ Bisher hat Birndorf diese Quote gründlich übertroffen – zum Glück für San Diego.

Diagnostik-Chips Viele diagnostische Tests sollen künftig elektronisch ablaufen, ohne die aufwendige „nasse“ Laborchemie. Dazu werden einsträngige DNA-Stücke von Krankheitserregern oder krankmachenden Genen durch elektrostatische Anziehung an einzelne Felder eines Siliziumchips gebunden. Enthält ein präparierter Blutstropfen oder Rachenabstrich die dazu passenden DNA-Gegenstücke, kommt es auf diesen Chip-Feldern zu einer Farbreaktion oder zu Elektronenfluß. Die Firmen Nanogen in San Diego und Affymetrix in Santa Clara arbeiten daran.

Monoklonale Antikörper Durch Verschmelzung einer Krebszelle und einer Immunzelle entstehen „Hybridom-Zellen“, die in großen Mengen identische Antikörper produzieren. Sie werden inzwischen für diagnostische Zwecke genutzt, doch gegen Krebs und andere Krankheiten versagten sie bisher. Nun überwand erstmals ein monoklonales Medikament alle Hürden der klinischen Tests: Die Firma IDEC Pharmaceuticals in San Diego hat in Zusammenarbeit mit Genentech der Zulassungsbehörde FDA ihr „C2B8“ gegen Non-Hodgkin-Lymphome vorgelegt.

Bruni Kobbe

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