Planetares Glockenläuten - wissenschaft.de
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Planetares Glockenläuten

Neue Messungen beweisen: Auch wenn die Erde gerade nirgends bebt, schwingt sie wie eine Glocke im Wind.

Beim bislang stärksten Erdbeben dieses Jahrhunderts 1960 in Chile zeigte sich das Phänomen zum ersten Mal: Erdbeben können die Erde zum Schwingen bringen. Mit Perioden zwischen 3 und 54 Minuten vibriert der Planet nach heftigen Erdstößen wie eine äußerst niederfrequente Glocke.

Jetzt wiesen Naoki Suda und seine Kollegen von der Universität Nagoya in Japan nach, daß diese Eigenschwingungen der Erde ständig vorhanden sind. Der Erdboden hebt und senkt sich dabei nur etwa einen zehntausendstel Millimeter weit.

„Ich habe mich anfangs gegen das Ergebnis gewehrt“, sagt Dr. Walter Zürn vom Observatorium Schiltach bei Freudenstadt im Schwarzwald. Er hatte Bedenken, daß die Japaner vielleicht Instrumentenfehlern aufgesessen wären. Doch inzwischen wies einer von Zürns Mitarbeitern die Schwingungen in den Schiltacher Daten ebenfalls nach.

Die winzigen Vibrationen sind nur an Stationen meßbar, die mindestens 100 Meter unter der Erdoberfläche liegen und so auch von Luftdruckschwankungen abgeschottet sind. Die Wissenschaftler wählten für ihre Messungen Zeiträume, in denen sich die Erde sehr ruhig verhielt, um nicht versehentlich die Nachschwingungen von Erdbeben zu registrieren.

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Die Ursache des Phänomens könnten tatsächlich Luftdruckschwankungen sein. Japanische Forscher berechneten, daß eine turbulente Konvektion und Druckunterschiede in der Atmosphäre viele der Vibrationen erzeugen können. „Die Erde schwingt bei manchen Frequenzen leichter als bei anderen, deswegen reichen bestimmte Luftbewegungen aus, um sie zum Klingen zu bringen“, erklärt Walter Zürn.

Doch Schwingungen mit sehr langen Perioden lassen sich so nicht erklären. Sie könnten durch Gezeiten und den daraus resultierenden Druckveränderungen am Meeresboden hervorgerufen werden, so die Vermutung der Wissenschaftler. Auch langsame Strömungen im Erdinnern kommen als Verursacher in Frage.

Die japanischen Wissenschaftler schlagen vor, das planetare Glockenläuten zur Erkundung des geologischen Aufbaus von Mars oder Venus einzusetzen. Falls sich herausstellt, daß die Nachbarplaneten der Erde ebenfalls bei bestimmten Frequenzen vibrieren, ließen sich daraus Schlüsse über die Tiefe des Kerns oder den Aufbau des Mantels ziehen.

Uta Kehse

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