Polens harte Tour - wissenschaft.de
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Polens harte Tour

Forschungsmittel gibt es nur für EU-geförderte Wissenschaftler

Not macht erfinderisch. Beim Buhlen um Brüsseler Forschungsgelder setzt Polens Wissenschaftsminister Andrzej Wiszniewski auf knallharten Wettbewerb: „Nur wem es gelingt, Fördergelder von der EU-Kommission zu bekommen, der erhält Extragelder aus dem nationalen Wissenschaftsbudget dazu.“ So motiviert der Professor für Elektrotechnik seine Kollegen auf die harte Tour, sich an den Ausschreibungen zum fünften EU-Forschungsrahmenprogramm zu beteiligen.

Die Regierung reduzierte 1991 bis 1995 die staatlichen Fördermittel von 0,76 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf nur noch 0,52 Prozent. Erst seit 1998 weist die Kurve der staatlichen Wissenschaftsförderung zaghaft nach oben. Noch fehlt es in den staatlichen Forschungs- und Universitätsinstituten am Notwendigsten.

„Junge, gut ausgebildete Doktoranden wandern in die Wirtschaft ab“, bedauert Prof. Andrzej Pisula von der Universität Warschau. Immerhin zieht es den Wissenschaftlernachwuchs heute nicht mehr ins Ausland, sondern zu gut dotierten Jobs bei westlichen Investoren in Warschau, Krakau oder Breslau. Die Hoffnung der Republik Polen richtet sich jetzt auf die Zusammenarbeit mit der EU.

Dabei machen sich die polnischen Wissenschaftler keine Illusionen: „Es ist sehr schwierig, im Rahmen des vor allem anwendungsorientierten fünften EU-Forschungsrahmenprogramms Kontakt zu westlichen Partnern zu finden“, sagt Malgorzata Kujawinska vom Institut für Mikromechanik und Photonik an der Warschauer Polytechnischen Universität. Die Wissenschaftlerin selbst befindet sich in einer exzellenten Ausgangsposition: Mit ihren Forschungsarbeiten zu digitaler Holographie und optischen 3D-Meßsystemen hat sie das Interesse des deutschen Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik sowie von Industriepartnern geweckt.

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Doch generell leidet die Annäherung Polens an die EU unter Rückschlägen. So kürzte die EU-Kommission aus dem Osteuropa-Hilfsprogramm PHARE von den für Polen 1998 bereitgestellten 150 Millionen Euro nachträglich 34 Millionen. Begründung: Wegen des „Fehlens ausreichend ausgereifter Projekte.“

EURO-TICKER

Himmelsstürmer. Eine stärkere Kommerzialisierung der Weltraumforschung strebt die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) an. Bei ihrer Konferenz in Brüssel verständigten sich die Forschungs- und Wissenschaftsminister der EU, bei der Entwicklung und Nutzung von Navigationssatelliten die Privatwirtschaft in Zukunft stärker einzubinden. In Form von „Private Public Partnership“ soll die europäische Raumfahrtindustrie bei der Finanzierung von Projekten einen größeren Beitrag leisten, um die Kassen der EU-Staaten zu entlasten.

Computerparadies. Luxemburg hat bei der Computerausstattung von Schulen in der EU die Nase vorn: Auf jeden zehnten Schüler kommt an den Gymnasien des Großherzogtums ein Gerät. Die luxemburgische Regierung gibt sich damit jedoch nicht zufrieden. Sie will die Zahl der Rechner in den Schulen so lange aufstocken, bis jeder Schüler Zugriff auf einen Computer hat. EURO-TALK Edelgard Bulmahn, Bundesministerin für Bildung und Forschung, zum Beschluß des EU-Forschungsministerrates über die Teilnahme der elf mittel- und osteuropäischen Staaten (MOE) am Forschungsrahmenprogramm der EU.

bdw: Sind die Wünsche der MOE-Wissenschaftler nach EU-Forschungsgeld erfüllbar?

Bulmahn: Ich hoffe es. Wir beziehen die MOE-Staaten in die Detailausarbeitung des Programms ein und informieren sie über Antragsverfahren. Darüber hinaus haben wir vorgeschlagen, spezielle Partnerschaften zwischen Forschungseinrichtungen und Universitäten der MOE-Länder mit EU-Partnern einzurichten.

bdw: Erwarten Sie einen technologischen Push von diesen Kooperationen?

Bulmahn: Ich erwarte einen technologischen Push nicht nur für die Beitrittskandidaten, sondern für Europa insgesamt. Es gibt exzellente Forschungseinrichtungen in den ost- und mitteleuropäischen Ländern.

bdw: Hat die EU-Forschung bei der europäischen Integration eine Vorreiterrolle?

Bulmahn: Die Kooperation gerade in der Wissenschafts- und Forschungspolitik hat sicherlich eine Signalfunktion, weil Wissenschaft und Industrie zu einer stärkeren Zusammenarbeit geführt werden. Deshalb glaube ich sehr wohl, daß diese Zusammenarbeit den Pfad für die EU-Erweiterung bereiten wird.

Thomas A. Friedrich

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