Anzeige
Anzeige
1 Monat GRATIS testen, danach für nur 9,90€/Monat!

Allgemein

„Puzzle Menschwerdung“ von Ian Tattersall

Das Rätsel des Stammbaums Ian Tattersalls Buch über die Erforschung unserer Evolution liest sich wie ein Kriminalroman. Indizien, falsche Fährten, neue Entdeckungen und Erkenntnisse markieren den oft dornigen Weg der Paläoanthropolgie.

Ein Problem hat die Paläoanthropologen seit jeher beschäftigt und war immer wieder Anlaß zu heftigen Kontroversen: die Identifikation und Definition von Arten anhand von Fossilfunden. Es beeinflußt wesentlich unsere Vorstellungen vom menschlichen Stammbaum und damit vom gesamten Prozeß der menschlichen Evolution.

Ian Tattersall, renommierter Paläoanthropologe vom New Yorker American Museum of Natural History, deckt in seinem Buch die spannende Geschichte der Fossilfunde und ihrer Interpretation auf. Sein Insider-Bericht – gewürzt mit vielen Beispielen und fesselnd geschrieben – macht dem Laien klar, mit welchen Problemen sich Evolutionsforscher herumschlagen müssen. Dabei wird klar, wie stark oft Vorwissen und Vorurteile das wissenschaftliche Urteil beeinflußt haben. Glaubten die Forscher in den frühen spärlichen Einzelfunden meist neue Arten oder gar Gattungen entdeckt zu haben, so brachten die aufblühende Genetik und die neue Sicht der Evolution die Paläoanthropologen dazu, von nur wenigen polytypischen Arten auszugehen.

Die Einführung neuer Arten, wie etwa des Homo habilis 1964, stieß auf jahrelange Ablehnung und konnte sich erst nach weiteren frühen Homo-Funden durchsetzen – allerdings um wenige Jahre später wieder in Frage gestellt zu werden. Die damals weit verbreitete Vorstellung von jeweils nur einer existierenden Hominidenart wurde schließlich in den siebziger Jahren begraben, als Funde vom Turkana-See in Kenia die gleichzeitige Existenz des Frühmenschen Homo erectus und der robusten Vormenschenart Australopithecus boisei belegten.

Die stark angewachsene Zahl von Fossilfunden besonders aus Ostafrika entfachte die Artenfrage aufs neue. Etwa zur gleichen Zeit fand die „Kladistik“ Eingang in die Paläoanthropologie. Anstelle allgemeiner Ähnlichkeiten – wie der Gesamtform des Schädels – mißt sie die evolutionäre Verwandtschaft vor allem anhand einzelner Merkmale und deren Veränderung im Laufe der Zeit.

Anzeige

Dieser kladistische Ansatz hat bis heute großen Einfluß, obwohl auch er Probleme macht. Eines davon ist die Definition der verwendeten Merkmale, die häufig stark variieren. Auch steht das Ausmaß des morphologischen Wandels in keinem zwingenden Zusammenhang mit der Artbildung. Viele Forscher lehnen die kladistische Hypothese ab, wonach der frühe afrikanische Homo erectus als Homo ergaster eine andere Art als der asiatische Homo erectus darstellt, denn die vorgeschlagenen asiatischen Merkmale finden sich auch bei den afrikanischen Funden.

Tattersall ist davon überzeugt, daß die Artenzahl der Hominiden heute weithin unterschätzt wird, denn er sieht zwischen Primatenarten generell nur geringe morphologische Unterschiede. Allerdings scheint unsere Hirn- und Kulturevolution gegen eine zu starke Aufsplitterung unserer Gattung zu sprechen.

Ian Tattersall PUZZLE MENSCHWERDUNG Auf der Spur der menschlichen Evolution Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 1997 356 S., DM 48,-

Günter Bräuer

Anzeige
Anzeige

Videoportal zur deutschen Forschung

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

leicht|ver|ständ|lich  auch:  leicht ver|ständ|lich  〈Adj.〉 so beschaffen, dass es leicht zu verstehen ist … mehr

Bi|os  〈m.; –; unz.〉 das Leben [grch.]

Smeg|ma  〈n.; –s; unz.; Med.〉 talghaltige Absonderung der Eicheldrüsen u. Vorhautdrüsen [grch., ”Schmiere“]

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]