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Rauschfrei auf allen Frequenzen

Das Zeitalter der Globalisierung hat einen neuen Menschentyp geschaffen: den „Job-Nomaden“. Trifft man ihn heute beim Besuch einer neuen Produktionsstätte in China, so kann er nächste Woche schon in Indien sein. Nur selten sind die Hotels dort allerdings mit Satellitenfernsehern ausgerüstet, die auch deutsche Programme empfangen. Deshalb gehört zum Reisegepäck dieser Zeitgenossen ein Weltempfänger. Er sorgt für ein Stück Heimat – beispielsweise durch die neuesten Fußballergebnisse der Bundesliga in der Ferne. Das ist bis heute allerdings ein höchst zweifelhaftes Vergnügen: Was da nach dem umständlichen Einstellen der richtigen AM-Frequenz aus dem Lautsprecher schnarrt, krächzt und quakt, ist für die CD- und UKW-verwöhnten Gehörgänge eine Beleidigung. Der Hörer ist durch die abenteuerliche Kulisse der Störgeräusche über die momentanen atmosphärischen Bedingungen oft besser informiert als über die neuesten Börsennotierungen oder Fußballergebnisse. Das könnte sich in wenigen Jahren ändern: Das „Digital Radio Mondiale“ (DRM) soll ab 2003 weltweit die herkömmlichen Kurz-, Mittel- und Langwellensender ablösen. Mit der Digitalisierung der AM-Signale soll ein störungsfreier Empfang über große Entfernungen möglich werden. Auch Stereo ist denkbar, wenn zwei Kanäle gebündelt werden. Seit sich die Mitglieder des DRM-Konsortiums auf einen weltweiten Standard geeinigt haben, geht es auch in Deutschland zügig voran. Schon 2001 wurde DRM mit verschiedenen Testprogrammen auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Mittlerweile ist für die Feldversuche mit der Deutschen Welle auch ein namhafter deutscher Sender „on air“. Im September dieses Jahres konnte das schwedisch-deutsche Unternehmen Coding Technologies den ersten seriennahen Empfänger präsentieren. „Wir wollen damit die Akzeptanz von DRM voranbringen“, hofft der Geschäftsführer der Firma, Martin Dietz. Bei der technischen Auslegung des neuen Standards hat das DRM-Konsortium auch aus den Erfahrungen des bis heute eher glücklosen Digital-Ersatzes DAB für das heutige UKW-Radio gelernt (bild der wissenschaft 10/2001, „Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind“): Bei DRM können die Radiostationen ihre alten Frequenzen behalten, und die Sender können selbst darüber entscheiden, ob sie das Programm auf der gleichen Frequenz digital oder weiterhin analog ausstrahlen wollen. Dabei standen die Experten zunächst vor einem technischen Problem: Die herkömmlichen Frequenzbereiche sind für die Übertragung digitaler Audiosignale viel zu schmal. Erst mit den neuen Kompressionsverfahren AAC (MPEG Advanced Audio Coding) und SBR (Spectral Band Replication) wurde dies möglich. Die Datenrate ließ sich damit auf nur 25 Kilobit pro Sekunde drücken. Zum Vergleich: Eine Audio-CD hat mit 1,4 Megabit pro Sekunde fast die 60fache Datenrate – allerdings in Stereo. Wie bei dem von UKW bekannten RDS können auch bei DRM zusätzliche Informationen übertragen werden. Für die Sendernetzbetreiber gibt es einen weiteren Anreiz: Durch die digitale Ausstrahlung lässt sich die Sendeleistung gleicher Reichweite um mindestens die Hälfte reduzieren. Derzeit machen die Stromkosten fast 80 Prozent der Betriebskosten aus.

Ralf Butscher

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