Reif für die Insel - wissenschaft.de
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Reif für die Insel

Island verfügt über einen großen Vorrat an regenerativen Energiequellen. Jetzt soll dieses Reservoir vom europäischen Festland angezapft werden.

Wenn von Island die Rede ist, denkt man spontan an Fischfang und Geysire. Weniger bekannt ist, daß das Land über beträchtliche Ressourcen an umweltfreundlicher Energie in Form von Wasserkraft und Erdwärme verfügt. Die Isländer machen von ihrem Reichtum regen Gebrauch: Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von fast 19 Megawattstunden pro Jahr sind die 265000 Isländer Weltspitze. Trotzdem bleiben noch rund 45000 Gigawattstunden pro Jahr übrig – fast zehnmal mehr als der Eigenbedarf.

Die in Reykjavik ansässige Icelandic Energy Marketing Agency (MIL) hat vor kurzem ein Konzept für die gesamteuropäische Nutzung isländischer Energiequellen entwickelt. Danach stehen drei Möglichkeiten offen:

Die Nutzung umweltfreundlicher Energieträger – beispielsweise Wasserstoff – mit Hilfe der regenerativen Energiequellen Islands.

Die Herstellung von energieintensiven Rohprodukten zur Weiterverarbeitung auf dem Festland.

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Die direkte Stromlieferung zum europäischen Festland durch unterseeische Hochspannungs-Gleichstromkabel.

Während die erste Variante voraussichtlich erst in einigen Jahrzehnten wettbewerbsfähig sein wird, ist die zweite Möglichkeit bereits Realität. So errichtete der Aluminiumhersteller Alusuisse schon vor knapp 30 Jahren in Straumsvik in der Nähe der Hauptstadt Reykjavik eine Aluminiumhütte. Der Rohstoff Tonerde stammt aus Australien.

Trotz der weiten Transportwege lohnt sich das Geschäft für die Schweizer, denn der Strompreis für industrielle Großabnehmer liegt derzeit bei 3,63 Pfennig pro Kilowattstunde – etwa ein Viertel von dem, was in Deutschland zu bezahlen wäre.

Zur Zeit wird die Kapazität der Hütte auf 162000 Tonnen im Jahr gesteigert. Plus für die Umwelt: Der CO2-Ausstoß geht dadurch jährlich um über zwei Millionen Tonnen zurück.

Ehrgeizigstes Projekt ist die dritte Variante mit der direkten Stromübertragung durch Unterwasserkabel. Neu ist diese Idee nicht (siehe „Unter Dampf“, bild der wissenschaft 5/1993): Erste Pläne wurden bereits im Jahr 1952 geschmiedet. Allerdings erlaubte die damalige Technik keinen Stromtransport über weite Strecken. Inzwischen kann über ein Kabel eine Leistung von 550 Megawatt bei einer Spannung von 400 Kilovolt übertragen werden. Die MIL-Experten rechnen sogar mit einer Steigerung auf 1200 Megawatt innerhalb der nächsten sechs bis zehn Jahre.

Machbarkeitstudien laufen zur Zeit mit mehreren Interessenten aus dem EU-Raum. Danach könnte das Kabel von Reydarfjördur in Ost-Island über die Färöer-Inseln entweder nach Peterhead in Schottland oder weiter durch die Nordsee bis nach Hamburg führen. Aus Sicherheitsgründen sollen zwei Kabel mit je 550 Megawatt verlegt werden.

Einen Übertragungsverlust von zehn Prozent vorausgesetzt, könnte Island damit rund 8800 Gigawattstunden im Jahr exportieren. Das Projekt dürfte zwischen acht bis zwölf Jahre in Anspruch nehmen und rund zehn Milliarden Mark kosten – ein Betrag, für den Island ausländische Investoren benötigt. Diverse Gespräche mit Vertretern deutscher Industrieunternehmen – sowohl großen Stromabnehmern als auch Energieversorgern – sind im Gange.

Auch Politiker machen sich neuerdings für den sauberen Strom aus dem hohen Norden stark. Hamburgs Umweltsenator Dr. Fritz Vahrenholt: „Island besitzt ein großes Potential an natürlicher Energie, und daß Hamburg auch von dort beliefert werden könnte, ist eine durchaus realistische Überlegung.“

Rolf Froböse

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sfor|za|to  〈Mus.; Abk.: sf; Zeichen: <, V〉 = sforzando

Lär|che  〈f. 19; Bot.〉 Angehörige einer Gattung von Nadelhölzern der nördl. Halbkugel, deren Kurztriebe ihre Nadeln im Herbst abwerfen u. im nächsten Frühjahr wieder neue bilden: Larix; →a. Lerche ... mehr

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