Schlucken statt Spritzen - wissenschaft.de
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Schlucken statt Spritzen

Je älter die Menschen werden, um so größer ist ihr Risiko, an Krebs zu erkranken. Schon kurz nach der Jahrtausendwende werden nach der Statistik sieben von zehn Krebskranke in Deutschland älter als 65 Jahre sein. Ältere Menschen sind aber oft empfindlicher für die Nebenwirkungen von Medikamenten, die das Wachstum von Krebszellen hemmen. Die meisten Arzneien müssen zudem gespritzt werden, was für viele Kranke unangenehm ist. Nun stehen neue Antikrebs-Medikamente in Aussicht, die man schlukken kann und die verträglicher sind.

Eine der tragenden Säulen der Chemotherapie ist bisher das 5-Fluoro-Uracil (5-FU). Es wird intravenös gespritzt, denn geschluckt würde ein großer Teil der Medikamente in Magen und Darm abgebaut und könnte die Krebszellen nicht erreichen. Aktuelle Weiterentwicklungen von 5-FU sind Tabletten wie Capecitabin und UFT. Sie widerstehen den Verdauungsenzymen und werden zum großen Teil erst am Tumor in aktive Zellteilungshemmer umgewandelt.

Tabletten mit Capecitabin werden derzeit in klinischen Studien zur Behandlung von Brust- und Dickdarmkrebs untersucht. Die amerikanische Medizinerin Prof. Joanne Blum vom Baylor University Medical Center in Dallas betreut Brustkrebs-Patientinnen an mehreren US-Kliniken, die nach herkömmlichen Therapien einen Rückfall erlitten und bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) hatten. Bei 33 von 162 erkrankten Frauen schrumpfte der Tumor um wenigstens die Hälfte, wenn sie Capecitabin schluckten. Die Patientinnen hatten weniger Schmerzen und fühlten sich insgesamt besser. Zu den üblichen Nebenwirkungen der Chemotherapie wie Haarausfall und Veränderungen des Blutes kam es selten. Einige Frauen berichteten jedoch von gelegentlicher Taubheit in Füßen und Händen sowie von Übelkeit und Müdigkeit. Für Europa ist die Zulassung von Capecitabin als Arzneimittel gegen Krebs beantragt. Auch die Uracil-Tablette UFT passiert Magen und Darm unbeschadet und wird erst danach in das aktive Zellgift 5-FU umgewandelt. UFT bremst bösartiges Wachstum im Dickdarm genauso effektiv wie die Standardtherapie mit intravenösem 5-FU, wie Studien mit 160 Patienten in Spanien ergeben haben. Dort ist das Medikament für die Krebstherapie zugelassen, nicht aber im übrigen Europa.

Die neuen Antikrebstabletten sind besser dosierbar und verträglicher als ihre Vorgänger und mindestens ebenso effektiv. Der Nachteil ist, daß die Medikamente, wenn sie sich erst in ihre wirksame Form umgewandelt haben, nicht nur entartete Zellen angreifen, sondern auch gesunde. Die Nebenwirkungen sind zwar geringer als bei den bisherigen Chemotherapien, dennoch begrenzen sie die Dosierung und damit den Heilerfolg.

medinfo Kontakt

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KID Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg Tel: 06221 – 410121 (Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr)

Deutsche Krebshilfe e.V. Thomas-Mann-Str. 40 53111 Bonn Tel: 0228 -729900

medinfo Medien

Buch

Hilke Stamatiadis-Smidt, Harald zur Hausen (Hrsg.) Thema Krebs Fragen und Antworten Springer, Berlin 1998 DM 49,90

Lilo Berg Brustkrebs: Wissen gegen Angst Ein Handbuch Kunstmann, München 1995, DM 39,80

Herbert Kappauf, Walter M. Gallmeier Nach der Diagnose Krebs – Leben ist eine Alternative Herder, Freiburg 1995 DM 38,-

medinfo Grafik

Nicola Siegmund-Schultze

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