Schwarze Biologie: "Cobra" von - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Allgemein

Schwarze Biologie: "Cobra" von

Militärs haben Viren und Bakterien immer wieder in Kriege mit biologischen Waffen einbezogen, zuletzt in den Golfkrieg. Die Gentechnik macht diese Methode auch als Handwerkszeug für Attentäter denkbar. Zwei Romane inszenieren den Horror.

Das Gespenstische an den Büchern Richard Prestons ist, daß der Leser sich nie sicher sein kann, wie dicht sie an die Realität herangeschrieben sind. Prestons „Tatsachen-Thriller“ über das Ebola-Virus ist noch frisch: Er hatte ihn 1995 gerade veröffentlicht, da starben mehr als 200 Menschen in Zentralafrika an den Folgen einer Ebola-Infektion – und die Furcht, daß das Virus sich durch den globalen Tourismus ausbreiten könnte, beherrschte wochenlang die Medien der zivilisierten Welt.

In Prestons neuem Buch ist die zivilisierte Welt selbst Ursprung der Bedrohung. Ein Wissenschaftler nutzt sein Wissen, das er in Projekten zur Entwicklung biologischer Waffen erworben hat, um ein Monster-Virus zu entwerfen – eine Chimäre, die mit der Atemluft aufgenommen wird und das Gehirn seines Opfers zersetzt. In der Endphase der Erkrankung wird es von dem unbezähmbaren Verlangen erfaßt, sich selbst aufzufressen.

Man kann Prestons Tätern im Labor über die Schulter schauen, auch wenn der Autor im Vorwort andeutet, daß er nach zahllosen Gesprächen mit Mikrobiologen und Militärs mehr weiß, als er sagen darf. Meistens läßt Preston den Leser erkennen, was erfundene Handlung und was die – nicht weniger makaberen – echten Versuchsprotokolle sind, aber manchmal überschreitet er diese Grenze so heimlich, daß man vorübergehend nicht zwischen Fakt und Fiktion unterscheiden kann. Falls es diese Grenze überhaupt noch gibt, wie der Autor damit klarmachen will.

Klug hat Preston sich auf ein Thema der „schwarzen Biologie“ beschränkt, die gentechnische Konstruktion eines tödlichen Virus. Bei Marr und Baldwin führt der Versuch, die zehn biblischen Plagen als Anleitung für zehn bio-terroristische Anschläge gegen ultrakonservative Christen und Geistliche zu verwenden, zu einer oberflächlichen Handlung. Streckenweise verkümmert das Buch zu einer Aufzählung der Attentate mit Hanta-Viren, Pilzgiften, Parasiten und Killerbienen, und selbst 480 Seiten reichen nicht aus, den handelnden Personen Profil zu geben.

Anzeige

Der Wissenschaftler John S. Marr, einst Kopf des New Yorker Gesundheitsamtes, hat dem routinierten Thriller-Autor John Baldwin zu wenig Raum gelassen. Erst im letzten Drittel, wo sich die Handlung auf das Duell der beiden Hauptakteure zuspitzt, gewinnt das Buch an Spannung. Ab und zu setzt sich zwar noch der Wissenschaftler mit seinem quälenden Bemühen um Vollständigkeit durch, aber der Krimi behält die Überhand. Unvergleichlich ist die Schilderung, wie man einen Bandwurm im eigenen Körper züchten kann, um seine zehntausendfache Brut als biologische Waffe einzusetzen. Wer das nachmachen will, braucht nicht einmal ein Studium und ein Labor…

Jürgen Nakott / Richard Preston / John S. Marr / John Baldwin

Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Cy|ber|an|griff  〈[sb(r)–] m. 1; IT〉 Versuch (von Hackern), ein Computernetzwerk od. –system zu beschädigen od. zu zerstören; Sy Cyberattacke ... mehr

Blut|flüs|sig|keit  〈f. 20; unz.; Med.〉 = Blutplasma

Li|tho|graph  〈m. 16〉 = Lithograf

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige