Sesam öffne dich! – Siemens ID-Maus - wissenschaft.de
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Sesam öffne dich! – Siemens ID-Maus

Keine Chance für Datendiebe: Nur mit dem richtigen Fingerabdruck gewährt die Siemens ID-Maus Zugriff auf den PC.

Wenn man lange auf etwas warten muß, kann man sich manchmal gar nicht mehr richtig freuen, wenn man das Objekt der Begierde endlich in Händen hält. Mein Interesse in Sachen Fingerabdrucksensor begann im Herbst 1998, als die Erfinder – drei Siemens-Forscher – für den Zukunftspreis des Bundespräsidenten nominiert wurden. Jetzt gibt es den damals euphorisch angekündigten Sensor endlich zu kaufen – eingebaut in eine Computermaus. Beim Starten des PC wird der Benutzer aufgefordert, mit dem Finger den Sensor zu berühren. Ist die Person berechtigt, den PC zu benutzen, wird die Windows-Oberfläche geladen, sonst bleibt der Computer gesperrt. Im Prinzip ist das nichts anderes als eine Paßwort-Abfrage, mit dem Unterschied, daß man den Fingerabdruck immer bei sich trägt, während man das Paßwort schon mal vergessen kann. In Unternehmen, wo viele Personen auf sensible Daten Zugriff haben, ist ein optimaler Schutz fast lebenswichtig. Zu Hause mag das übertrieben erscheinen, aber wer seine Bankgeschäfte am PC abwickelt, hat genügend Informationen auf der Festplatte, die es zu schützen lohnt.

Die ID-Maus ist ruckzuck installiert – USB-Anschluß und Windows 98 vorausgesetzt. Um einen Benutzer erstmals zu registrieren, muß dieser einen Finger dreimal auf den Sensor legen. Die Prozedur dauert keine halbe Minute. Zur Sicherheit sollte man mehrere Finger speichern, damit man nicht eines Tages wegen einer Verletzung der Fingerkuppe vom eigenen PC ausgesperrt wird. Die Wiedererkennung der registrierten Fingerabdrücke klappte zu 100 Prozent, selbst wenn der Finger etwas verdreht aufgelegt wurde. Versuche, mit unbekannten Fingerabdrücken das elektronische Schloß zu knacken, scheiterten. Verläßt man seinen Arbeitsplatz, läßt sich der PC in einen Schlafmodus versetzen, der ebenfalls nur mit dem richtigen Fingerabdruck beendet werden kann. Leider haben die Siemens-Entwickler bei ihrer Begeisterung für dieses wirklich innovative Produkt wenig Gehirnschmalz darauf verwendet, wie man den Sensor sonst noch nutzen kann. Wie wäre es zum Beispiel, verschiedenen Fingerabdrücken (Nutzern) verschiedene Programme zuzuweisen? Dann würde bei meinem Fingerabdruck automatisch die Textverarbeitung oder der Internet-Zugang geöffnet, während für meinen sechsjährigen Filius diese Programme gesperrt blieben und statt dessen das Leselernspiel startet. Außerdem wäre es schön, wenn Siemens mit Anbietern von Homebanking- oder anderer Software zusammenarbeiten würde und die lästigen Identifikationsnummern (PIN) durch den Fingerabdruck ersetzen könnte.

Der Preis

Die ID-Maus kostet DM 279,– und ist im Fachhandel erhältlich. Weitere Informationen unter Tel.: 089/72 24 94 11 E-Mail: stefan.kuhn@mch.siemens.de Internet: www.siemens.de/newsline.d/pressfor/c_9844_d.htm

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Die Technik

Der Fingertipsensor ist 1,7 Quadratzentimeter groß. 65000 Sensorelemente messen die elektrische Kapazität zwischen Sensor und den Linien der Fingerkuppe und erzeugen daraus ein Graustufenbild. Die Software durchsucht das Bild nach charakteristischen Verzweigungen oder Wirbeln der Fingerlinien. Diese sogenannten Minutien werden bei der Registrierung eines neuen Benutzers in einer Datenbank gespeichert. Will eine Person Zugang zum PC, werden deren Merkmale mit denen in der Datenbank verglichen.

Künftige Produkte

Siemens will zur CeBit auch eine PC-Tastatur mit Fingertipsensor vorstellen. Außerdem arbeitet man nach eigenen Angaben an Schließsystemen und dabei insbesondere an Türschlössern für Autos. Das Handy mit Fingersensor, das schon auf der letztjährigen CeBit gezeigt wurde, kommt vorerst noch nicht auf den Markt. Begründung: Durch den Preisverfall bei Handys würde das Produkt zu teuer. Siemens rechnet für 2003 mit einem Weltmarkt von zwei bis drei Milliarden Mark. Bis dahin verkaufen alle Hersteller zusammen schätzungsweise 100 bis 150 Millionen Fingerabdrucksensoren.

Die Konkurrenz

Die Firma Cherry bietet eine PC-Tastatur mit Fingerabdruckerkennung und Chipkartenleser an. Eine ähnliche Tastatur gibt es von dem österreichischen Unternehmen European Biometrics, das gemeinsam mit der Firma Electronic Land auch die „ BioMouse“ anbietet (DM 599,–), die separat an den PC angeschlossen wird. Alle Produkte verwenden zum Scannen des Fingerabdrucks eine kleine digitale Kamera, während der Siemens-Sensor auf einem Mikrochip beruht und dementsprechend kompakter ist.

Bernd Müller

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