Skyper: Das Weltgeschehen in der Hosentasche - wissenschaft.de
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Skyper: Das Weltgeschehen in der Hosentasche

Fußballbundesliga am 1. Dezember: VfB Stuttgart gegen Bayern München. Ich bin eingeladen, kann mir das Spiel deshalb nicht im Fernsehen anschauen. Aber wenigstens auf dem laufenden möchte ich bleiben. Ich trage ja Skyper in der Hosentasche mit mir herum, den neuen Funkrufdienst der Telekom. Dort steht neben den Informationsprogrammen Politik, Wirtschaft, Kultur auch Sport und speziell die Fußballbundesliga zur Auswahl. Mit zwei Tastendrucken habe ich mich zu den Fußball-Meldungen vorgearbeitet. Doch nichts ist zu lesen von meinem Spiel. Auch die Ergebnisse des Vortags stehen nicht unter der gewohnten Rubrik. Welche Enttäuschung, wirbt doch der Betreiber Telekom mit „Fußball live“ für Gerät und Dienst. Etliche Minuten später – ich will den Frust einfach nicht wahrhaben – versuche ich es nochmals und schaue dabei auch darauf, was sich hinter dem Schlagwort „Achtung!“ verbirgt. Siehe da: „Neue Sportprogramme (ab Programm 50) über Skyper Setup installieren!“ Mühselig, weil ich das bisher selten gemacht habe, installiere ich die Seiten. Und endlich, nach zwölf bangen Minuten, habe ich mich zum aktuellen Spiel vorgearbeitet. Längst blickt mich mein Gastgeber merkwürdig verschlossen an.

Klar, daß sich meine Begeisterung für Skyper in Grenzen hält. Dazu kommt: Gegenwärtig steckt auch das Skyper- Informationsangebot über das Weltgeschehen noch in den Kinderschuhen. Dabei käme mir ein Nachrichtenticker im Hosentaschenformat gelegen, ja würde sogar Zeit sparen, weil ich mich damit unabhängig von den Sendezeiten im Radio informieren könnte.

Eine zweite Möglichkeit, Skyper zu nutzen, habe ich dagegen schätzen gelernt. Wenn ich nicht telefonisch zu erreichen bin, hinterlassen meine Lieben eine Nachricht – etwa, wo man sich heute abend trifft. Ein Telefon-Operator funkt die Botschaft an mich weiter. Auf dem Skyperdisplay kann ich noch Stunden später lesen, wo ich mich einfinden soll. Noch einfacher geht’s per PC. Denn via Modem oder T-Online kann jeder Skyper-Nutzer direkt angefunkt werden.

Die Technik Skyper ist ein neuartiger Informationsdienst: Über ein Gerät im Format einer Zigarettenschachtel erhält man per Display Nachrichten, die bis zu 80 Zeichen lang sein können. Übertragen werden die Informationen im UHF-Band auf einer Frequenz von 460 Megahertz, also etwa im selben Bereich, in dem die Telekom auch ihr C-Netz für Funktelefone der älteren Generation unterhält. Skyper ist somit ein Dienst aus dem Funkrufnetz, der bundesweit von rund 800 Sendern unterstützt wird. Insgesamt stehen 235 Kanäle für 33 Programme zur Verfügung. Jedes Programm kann bis zu maximal zehn Meldungen enthalten. Entwickelt wurde das Gerät nach den Wünschen der Telekom vom japanischen Computerkonzern NEC binnen weniger Monate. Im Februar 1996 liefen die ersten Gespräche und seit dem 10. Oktober ist der Dienst verfügbar.

Die Bedienung Beim Erwerb von Skyper erhält man eine 28seitige Bedienungshandschrift. Doch die brauchen Sie fürs erste nicht durchzuackern. Mit nur vier Tasten, deren Symbole sich selbst erklären, ist man bereits nach wenigen Minuten in der Lage, die dem Skyper zugefunkten Informationen zu lesen.

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Der Gebrauchswert Wie nie zuvor werden wir heute mit Informationen eingedeckt. Kurze, prägnante Darstellungsformen sind daher stets willkommen. Mit Skyper ist es prinzipiell möglich, sich mühelos über die aktuellen Welt-, Wirtschafts- oder Sportnachrichten zu informieren. Daneben können aktuelle Veranstaltungstips abgefragt werden. Besonders nützlich ist die Möglichkeit, jemanden, der telefonisch nicht erreicht werden kann, über Funk eine Textinformation zukommen zu lassen. Die Verknüpfung dieser unterschiedlichen Informationsebenen ist das eigentlich Neue am batteriebetriebenen Skyper.

Der Preis Für das Gerät Skyper zahlt man 149 Mark. Dazu kommt eine monatliche Nutzungsgebühr, die 19,90 Mark beträgt. Wer skypern will, muß sich für mindestens ein Jahr fest binden.

Die Vorläufer An Funkrufdiensten herrscht bei der Telekom kein Mangel. Nach dem inzwischen schon legendären „Europiepser“, der Anfang der siebziger Jahre eingeführt wurde, dauerte es zunächst bis 1989, ehe der zweite Funkrufdienst, der „Cityruf“, angeboten wurde. Dadurch war es erstmals möglich, per Funk geschriebene Nachrichten von maximal 80 Buchstaben Länge abzugeben. Allerdings: Die Geräte kosteten damals zwischen 450 und 1000 Mark. Die monatlichen Grundgebühren lagen zwischen 18 und 45 Mark. 1994 folgte „Scall“, ein Funkruf, der vor allem von technikbegeisterten Zwanzigjährigen genützt wird. Cityruf hat inzwischen 340000 Teilnehmer, Scall eine gute halbe Million. Neudeutsch laufen alle diese Funkrufdienste unter dem Begriff „Pager“.

Wolfgang Hess

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