Spiralen verhindern Gehirnblutung - wissenschaft.de
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Spiralen verhindern Gehirnblutung

Sackförmige Ausbuchtungen der Blutgefäße im Gehirn haben oft tödliche Folgen. Jetzt gibt es eine neue Behandlungsmethode.

Ärzte wählen zunehmend Operationsverfahren, bei denen möglichst wenig gesundes Gewebe zerstört wird. Für den Patienten bedeuten kleinere Schnitte weniger Wundschmerz, kürzere Liegezeiten und kleinere Narben. Auch lebensbedrohliche Veränderungen der Blutgefäße im Gehirn – sogenannte Aneurysmen – können inzwischen behandelt werden, ohne daß der Schädel geöffnet werden muß. Dr. Hans Henkes von der Klinik für Allgemeine Röntgendiagnostik und Neuroradiologie in Essen sowie der Physiker Dr. Frank Czerwinski und der Ingenieur Dr. Hermann Monstadt vom Entwicklungs- und Forschungszentrum für Mikrotherapie (EFMT) in Bochum haben dieses schonende Therapieverfahren jetzt weiter verbessert. Zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung, so wird geschätzt, haben ein Hirnaneurysma, ohne daß die Betroffenen etwas merken. Doch bei rund 8000 Deutschen jährlich reißt die schwache Wand der krankhaft ausgebuchteten Ader: Es kommt zu einer Blutung, die häufig tödlich endet. Ärzte entdecken heute Aneurysmen häufiger bevor eine Blutung eingesetzt hat, weil sie bei Untersuchungen verstärkt bildgebende Verfahren wie Computer- oder Magnetresonanztomographie verwenden.

Herkömmlich legen die Ärzte das Hirnaneurysma, das vereinzelt einen Durchmesser von mehr als 2,5 Zentimetern haben kann, operativ frei und klemmen die kranke Ader mit einer Mini-klammer vom Blutkreislauf ab. Seit einigen Jahren gibt es eine Alternative: Die Mediziner führen eine kleine Platinspirale, die an einem Draht befestigt ist, von der Leiste aus über Adern zu dem kranken Blutgefäß im Gehirn. Sie wiederholen diesen Vorgang mehrmals mit immer kleineren Spiralen und verfüllen so die Ausbuchtung. Diese verschließt sich rasch, weil das Blut an den Mikrospiralen gerinnt und einen Pfropfen bildet. Von dem Aneurysma geht danach keine Blutungsgefahr mehr aus. Ein Problem dieser Methode: Die Spiralen müssen vom Einführdraht getrennt werden, wenn sie ihre Position im Gehirn erreicht haben. Das geschah bisher meist elektrolytisch mit Gleichstrom. „Vor allem bei großen Aneurysmen, in die zahlreiche Mikrospiralen eingebracht werden müssen, dauert der Ablösevorgang sehr lang“, sagt Czerwinski. Operationen ziehen sich manchmal über viele Stunden hin – eine Belastung für den Patienten. Czerwinski, Monstadt und Henkes setzen deshalb auf Laserenergie: Ein einziger kurzer Laserpuls wird über eine speziell entwickelte Lichtleitfaser, die gleichzeitig als Führungsdraht dient, auf eine Stelle der Platinspirale gerichtet – diese schmilzt daraufhin durch. Bei zehn Operationen an der Essener Klinik für Allgemeine Röntgendiagnostik und Neuroradiologie hat die Methode ihre Praxistauglichkeit bewiesen. Einziges Handicap für eine weitere Verbreitung: Der verwendete Laser ist unhandlich und kostet rund 80 000 Mark. Doch Czerwinski ist überzeugt: „Dank der Fortschritte in der Lasertechnologie werden schon bald weit billigere und kleinere Laser erhältlich sein.“ Dann, so hofft er, steht auch dem kommerziellen Erfolg seiner Methode nichts mehr im Wege.

Frank Frick

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