Täglicher Schoppen gegen den Infarkt - wissenschaft.de
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Täglicher Schoppen gegen den Infarkt

„Rotwein kann das Leben verlängern.“ Zeitungsüberschriften wie diese sind in letzter Zeit häufig und lösen gelegentlich übertriebene Reaktionen aus: Dreiviertel Liter Wein täglich empfahl kürzlich der rheinland-pfälzische Minister Rainer Brüderle seinen Landsleuten. Damit war für den Mediziner Prof. Manfred Singer von der Universität Heidelberg das Maß voll. Wer solchem Rat folge, riskiere, „an Leberzirrhose und Bauchwassersucht zu erkranken“, protestierte er.

Dennoch bleibt die wissenschaftlich inzwischen gut untermauerte Feststellung, daß der maßvolle Genuß von Alkohol die Gesundheit fördert. Prof. Ulrich Keil, Direktor des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin der Universität Münster knüpfte mit einer Untersuchung über die gefäßschützende Wirkung von Alkohol an frühere Analysen über die gesundheitlichen Folgen der Eßgewohnheiten verschiedener Menschengruppen an. Schon länger ist bekannt, daß die Bevölkerung Frankreichs nicht so häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet wie Bewohner anderer europäischer Nationen, die sich prinzipiell ähnlich ernähren. Einziger Unterschied: Die Franzosen trinken mehr Rotwein.

Dessen vermeintlich positive Wirkung wurde lange Zeit vor allem den phenolischen Substanzen aus den Schalen der roten Trauben zugeschrieben. Die allein sind es aber nicht: „Alkohol selbst hat gesundheitliche Vorteile, allerdings nur in geringen Mengen getrunken“, meint Keil.

Der Arzt untersuchte Ernährungsverhalten und Todesursachen in Bayern, wo traditionell das Bier eine große Rolle spielt. Keil stellte fest, daß die Sterblichkeit und die Zahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Männern am geringsten war, wenn die zwischen 20 und 39 Gramm reinen Alkohol täglich getrunken hatten. Das entspricht einer Obergrenze von zwei Flaschen Bier oder einem halben Liter Wein. Unter den jährlichen Toten waren mehr als doppelt so viele Abstinenzler wie maßvolle Trinker (siehe Grafik). Über einer Schwelle von 40 Gramm Alkohol täglich nahm die Zahl der Todesfälle schnell wieder zu.

Zum gleichen Ergebnis kam eine im Fachblatt „Epidemiological Reviews“ veröffentlichte Auswertung von 20 ähnlichen Studien aus aller Welt. Wie man inzwischen weiß, vermindert Alkohol in geringer Menge die Blutgerinnung, löst Gerinnsel auf und steigert den Anteil des „guten“ Cholesterins (HDL-Lipoprotein). Rote Trauben verstärken diese Effekte, die dem Herzinfarkt vorbeugen.

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Alkoholgenuß bleibt dennoch ein Balanceakt. Ab 30 Gramm täglich läßt er den Blutdruck steigen. Das Risiko einer Leberschädigung oder die Wahrscheinlichkeit, an Mund- oder Rachenkrebs zu erkranken, nimmt bei dieser Menge ebenfalls zu. Ab 40 Gramm machen die schädlichen Effekte die positiven endgültig zunichte.

Frauen vertragen grundsätzlich weniger, weil ihr Körper Alkohol nicht so effektiv abbaut. Die „gesündeste“ Dosis für sie liegt bei knapp einer Flasche Bier oder einem Viertelliter Wein täglich. Für Schwangere gilt kompromißlos „Null Promille“, wenn sie ihr Kind nicht gefährden wollen.

medinfo Kontakt

Prof. Ulrich Keil Institut für Epidemiologie der Universität Münster Domagkgasse 3 48129 Münster Telefon: 0251/8355397 Prof. Manfred Singer Fakultät Klinische Medizin Theodor-Kutzer-Ufer 68135 Mannheim Telefon: 0621/3833359 Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren Postfach 1369 59003 Hamm/Westfalen medinfo Medien Bücher Nicolai Worm Täglich Wein Gesünder leben mit Wein und mediterraner Ernährung Hallwag, Offenburg 1996, DM 38,- Klaus Jung Wein, Genuß und Gesundheit Eine Darstellung aus ärztlicher Sicht Woschek, Mainz 1994, DM 29,80

Nicola Siegmund-Schultze

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