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„Tendenziös“

Dr. Johannes Töpler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Wasserstoff-Verbandes (DWV), kritisiert den bdw-Beitrag.

ICH MUSS diesen Artikel leider für sehr einseitig und tendenziös halten. Wer ist eigentlich die Lobby, die den Wasserstoff durchpeitschen will? In Wirklichkeit geht es doch um eine nachhaltige Energieversorgung, wenn unsere fossilen Energieträger wegen Verknappung sehr teuer werden oder aus Umwelt- und Klimaschutzgründen nur noch sehr begrenzt eingesetzt werden können.

Die langfristige Lösung wird sicherlich in den regenerativen Energien liegen mit Wasserstoff als Sekundärenergieträger. Dieser hat außerdem noch den Vorteil, dass er mit Erzeugung aus anderen Quellen (Überschüsse aus der chemischen Industrie, Elektrolyse aus Kraftwerksreserven etc.) bereits heute eingesetzt werden könnte, wobei die Nutzung in der Brennstoffzelle Wirkungsgrade ermöglicht, die mit keinem Wärme-Kraft-Prozess erreicht werden.

Neue Energien brauchen immer lange Einführungszeiten, und mit dieser zusätzlichen Überbrückungsfunktion ermöglicht uns der Wasserstoff, bereits heute in die Energiezukunft einzusteigen. Dass lange Umwandlungsketten im Einzelfall auch ungünstig sein können, ist längst bekannt und deshalb sollten sie auch möglichst vermieden werden. Sich in der Bewertung des Wasserstoffs auf diese zu konzentrieren, ist zumindest sehr einseitig und wird sowohl dem Wasserstoff als Ganzes als auch der Vielzahl der Experten, die an der Weiterentwicklung seiner Technologie arbeiten, nicht gerecht.

Es ist für mich nicht verständlich, wenn ein Vorstandsmitglied eines bedeutenden Forschungszentrums (gemeint ist Dr. Gerd Eisenbeiß vom Forschungszentrum Jülich, d. Red.) sich mit einer solchen einseitigen Bewertung gegen den Wasserstoff stellt, obwohl die Institute des gleichen Zentrums zu den führenden Wasserstoff-Forschungseinrichtungen Deutschlands gehören.

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Sind die in Ihrem Artikel zitierten Experten wirklich so viel klüger als die zahlreichen Führungskräfte in Industrie und Wirtschaft, die auch in Zeiten knapper Kassen Milliarden in die Zukunftstechnologie des Wasserstoffs investieren? Auch die angegebenen Zahlen sind teilweise falsch. Es wird zum Beispiel die weltweite Produktion von Wasserstoff mit 600 Millionen Nm3/Jahr angegeben, wobei sie in Wirklichkeit allein schon in Deutschland bei fast einer Milliarde Nm3/Jahr liegt.

In diesem Umfeld ist es fast schon nebensächlich, dass Vorstandsmitglieder des Deutschen Wasserstoff-Verbandes, Prof. Garche und ich, mit Zitaten erwähnt werden, die aus dem Zusammenhang gerissen, verdreht und nicht autorisiert sind. Es ist für mich nicht verständlich, dass ein solcher Artikel in einer seriösen wissenschaftlichen Zeitschrift erscheinen konnte.

Dr. Johannes Töpler

Antwort der Redaktion

Die Ausagen, mit denen Dr. Töpler im Beitrag „Im Paradies wird’p s teuer“ zitiert wurde, stammen aus der offiziellen, frei zugänglichen Pressemitteilung Nr. 8/03 vom 9. Oktober 2003 seiner eigenen Institution, des Deutschen Wasserstoff-Verbandes. Überschrift: „Den Wasserstoff nicht mit Scheinargumenten bremsen – DWV-Vorsitzender Töpler nimmt Stellung zur Erzeugungsfrage“.

Die Zitate sind weder „aus dem Zusammenhang gerissen“ noch „ verdreht“. Das gilt auch für Prof. Jürgen Garches Aussagen in bild der wissenschaft: Er hat sie schriftlich autorisiert und freigegeben.

Die Angabe der Weltjahresproduktion an Wasserstoff („600 Millionen m3″) ist tatsächlich korrekturbedürftig. Rund drei Prozent der Gesamtproduktion (rund 650 Milliarden m3) sind – und das war gemeint – „merchant hydrogen“, also Wasserstoff, der tatsächlich auf dem Markt erscheint und beispielsweise als Energieträger in einer Wasserstoff-Wirtschaft verwendet werden könnte. Die korrekte Angabe muss also „etwa 2 Milliarden“ m3 lauten statt 600 Millionen m3. Am Fazit – es mangelt an einer klimaunschädlichen und gleichzeitig bezahlbaren H2-Produktion – ändert das gar nichts.

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