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Allgemein

Therapie zur Treue

Amerikanische Forscher haben im Erbgut des Hundes das Treue-Gen entdeckt – und einen Streit um seine Vermarktung ausgelöst.

Schon viel weiter, als sie Anfang des Jahres zugaben, sind die amerikanischen Forscher, die derzeit das Erbgut des Hundes kartieren. Prof. Wolf Lupino, Sprecher des Projektes am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Ithaca, USA, räumte auf Nachfrage ein, daß man neben einigen Gen-Mutationen für Erbkrankheiten auch das Gen identifiziert habe, das für die sprichwörtliche Treue der Hunde verantwortlich ist.

Der Hund ist für die Wissenschaftler besonders interessant, da seine Erbinformationen auf beinahe doppelt so viele Chromosomen verteilt sind wie beim Menschen: Der Hund hat 78 Chromosomen, der Mensch 46. Genetiker fragen sich schon lange, warum dies so ist und ob hier vielleicht zusätzliche Verhaltensmuster genetisch programmiert sind.

Offiziell gaben die Genetiker an, in den Erbanlagen des Hundes nach Defekten zu suchen, die Epilepsie, Krebs und Rheuma mitverursachen. Sie wollten dann in Tierversuchen neue Medikamente und gentherapeutische Verfahren entwickeln, die auch dem Menschen zugute kommen. Durch die Indiskretion einer Praktikantin wurde jetzt bekannt, daß die Mitarbeiter Lupinos auf Chromosom 33 bei allen Hunderassen schon vor längerer Zeit ein Gen gefunden haben, daß maßgeblich die Treue der Tiere beeinflußt. “Besonders ausgeprägt ist es nach unseren Untersuchungen beim Deutschen Schäferhund”, teilte Lupino mit. “Bei anderen Hunderassen ist dieses Gen kürzer oder inaktiv.” Beim Wolf, dem Stammvater aller Hunde, sei es zwar länger als beim Schäferhund, aber durch eine Proteinhülle maskiert.

Das Treue-Gen wurde bereits in einigen Versuchen mit mikroinvasiven Methoden entfernt: “Die Hunde waren zwar äußerlich normal”, kommentierte Lupino, “sie entwickelten aber nie die übliche enge Bindung zu ihrem Besitzer.”

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Lupino gab auch zu, schon mit zwei anderen Forschern über die Nutzungsrechte des Treue-Gens verhandelt zu haben: Prof. Ian Wilmut aus Schottland, der Vater des Klon-Schafes Dolly, wolle sich die Lizenzen für einen Ableger der Firma PPL Therapeutics im schottischen Roslin sichern. In der Möglichkeit, Verhaltensgene zu transplantieren, sieht Wilmut einen großen Markt: “Die Züchter von Haustieren werden Schlange stehen.”

Einen Schritt weiter denkt der Amerikaner Richard Seed, der schon im Januar verkündet hatte, er werde demnächst mit Wilmuts “Dolly-Methode” auch Menschen klonen. Eltern mit Kinderwunsch, die keine eigenen Nachkommen haben könnten, sollten in ein paar Jahren für 5000 bis 10000 Dollar bei ihm einen Klon bestellen können. “Wenn es gelingt, das Treue-Gen stabil in einen menschlichen Embryo zu transplantieren, dann werden wir das auch tun – gegen einen kleinen Aufpreis natürlich.”

Noch allerdings ist auch für Seed unklar, zu wem ein Mensch aufgrund der genetischen Manipulation eine besonders enge Beziehung entwickelt: Hängt er lebenslang am Rockzipfel seiner Eltern? Oder hat er lebenslang nur einen einzigen Sexualpartner?

Die Praktikantin jedenfalls, die Lupinos Geheimnis veröffentlichte, ist Mitglied der “Liga italienischer Frauen gegen die Untreue”.

Jürgen Nakott

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