Tiger im Tank – made in China - wissenschaft.de
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Tiger im Tank – made in China

ALS UNSERE REISEGRUPPE im vergangenen Oktober von der südchinesischen Stadt Guilin zum Flughafen gebracht wurde, wies die lokale Reiseleiterin auf einen Zoo hin, den wir gerade links liegen gelassen hatten. Dessen Spezialität sei – so die junge Frau in hervorragendem Deutsch – die Tigerzucht. Hunderte der Tiere könnten dort be- sichtigt werden. Eine Zahl, so beeindruckend, dass ich es schade fand, keine Zeit für einen Besuch zu haben. Am Flughafen angekommen, wollte ich wissen, warum man dort so viele Tiger halte. Die Frage blieb ohne Antwort. Auch wiederholtes Nachfragen brachte keine Erklärung. Schließlich raunte mir der deutsche Reiseleiter zu: „Chinesische Medizin …“ Damit war vieles klar.

Denn kurz vor meiner Urlaubsreise hatten wir in der Redaktionskonferenz über einen Beitrag im Wissenschaftsfachblatt „ Nature“ gesprochen, in dem es um die zweifelhafte chinesische Tigerzucht ging. Wir stellen Ihnen die Geschichte auf den Seiten 38 bis 45 vor – ergänzt durch bild der wissenschaft-Recherchen. Im Hengdaohezi Feline Breeding Centre in der Nähe der nordchinesischen Millionenstadt Harbin leben 800 Sibirische Tiger – und damit mehr, als von dieser Spezies in freier Wildbahn gezählt werden. Die Raubkatzen sollen ausgewildert werden, hörte Jerry Guo, der chinesisch stämmige Wissenschaftsjournalist, bei seinen Recherchen immer wieder. „Das ist nicht gut für die Tiere und auch nicht für die Menschen“, sagten ihm später westliche Tigerexperten. Wahrscheinlich hat die massive Tigerzucht noch andere Gründe. Dem Tiger und seinen Körperteilen werden in der traditionellen chinesischen Medizin unglaubliche Kräfte zugesprochen. Sie sollen helfen, eine ganze Batterie von Krankheiten zu lindern oder körperliche Gebrechen zu besiegen. Ob Rheuma oder Potenzschwäche – der Tiger soll’s richten. Für Guo war es nicht schwierig, Tigerwein in Flaschen oder Fässern aufzutreiben. Und auch das brachte er in Erfahrung: Tote Tiger des Zuchtparks von Hengdaohezi warten eingefroren auf ihre weitere Verarbeitung. Der leitende Wissenschaftler Liu Dan räumte ein: „Wir wollen tote Tiger nutzen, um lebende zu schützen.“ Wer’s glauben mag …

Wieder wurde eine bdw-Autorin ausgezeichnet: Ende November bekam Ute Schönfelder für ihren Beitrag „Wenn Menschen verschimmeln“ – erschienen im Mai-Heft 2007 – den mit 5000 Euro dotierten Heureka-Journalistenpreis 2007 im Bereich Print. Im Untertitel dieser Arbeit heißt es: „Krankheitserregende Pilze werden zu einer immer größeren Bedrohung für den Menschen. Grund dafür ist vor allem der medizinische Fortschritt.“ Wollen Sie nachlesen, wie ein preisgekrönter wissenschaftsjournalistischer Beitrag aufgebaut sein muss? Bitte sehr: Bei www.wissenschaft.de finden Sie ihn unter wissenschaft/hintergrund/277211.html.

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