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Bruterfolg in Zeiten des Klimawandels

Verfrühte Frühlingsboten profitieren nicht

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Sie warten auf eine Futterlieferung: Etwa zwei Wochen alte Rauchschwalben im Nest (Foto: Annegret Grimm, UFZ)
Der Frühling ist da! Das scheinen die Rauchschwalben bei ihrer Ankunft im April munter zu verkünden – allerdings tendenziell immer früher, berichten Forscher: Der Klimawandel verfrüht die Ankunft und damit den Brutbeginn dieser Zugvögel. Profitieren können sie davon aber offenbar leider nicht.

Zwitschernd sausen sie durch die Luft und schnappen sich dabei Fluginsekten: Da es diese Beutetiere in der kalten Jahreszeit bei uns nicht gibt, machen sich die europäischen Rauchschwalben jedes Jahr im Herbst auf den Weg ins südliche Afrika. Nach ihrem dortigen „Winterurlaub“ treffen sie dann im folgenden April wieder in ihren nördlichen Brutgebieten ein und beginnen bereits nach wenigen Tagen mit dem Eierlegen. Nach etwa zwei Wochen Brutzeit schlüpfen die Küken, die anschließend noch rund drei Wochen von den Eltern gefüttert werden. Wenn der erste Nachwuchs der Saison dann das Nest verlassen hat, brüten die Pärchen im Sommer noch ein zweites Mal.

Fast eine Woche früher

Die Forscher um Annegret Grimm Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben nun erstmals systematisch erfasst, ob sich die Termine der ersten Brut im Jahr vor dem Hintergrund des Klimawandels verändert haben. Sie werteten dazu Daten aus, die von der Beringungszentrale Hiddensee in Mecklenburg-Vorpommern in den Jahren von 1997 bis 2010 erhoben worden waren. Es handelte sich um Informationen zu insgesamt 7.256 Bruten. „Junge Rauchschwalben werden im Alter zwischen zehn und 15 Tagen beringt“, erklärt Grimm. Anhand der Aufzeichnungen konnten die Forscher deshalb schlussfolgern, wann die Vogeleltern in jedem Jahr mit der Brut begonnen hatten.

In den Analyseergebnissen zeichnete sich ab: „Im Durchschnitt haben die Tiere den Termin für ihre erste Brut um mehr als einen halben Tag pro Jahr nach vorn verlegt. Das sind von 1997 bis 2010 immerhin 6,5 Tage“, berichtet Grimm. Offenbar liegt dies nicht an den veränderten Bedingungen am Brutort, sondern an der früheren Ankunft der Schwalben.

Wann die Vögel aus dem Süden zurückkehren und mit dem Eierlegen beginnen, hängt den Forschern zufolge von typischen Wettergeschehnissen im Nordatlantik ab. Im Frühjahr führen sie in Europa zu Westwinden und einer milden, feuchten Witterung. Anzeichen dieses großräumigen Wetterphänomens reichen allerdings auch bis in den Süden Afrikas. Die Forscher fanden Hinweise darauf, dass sie den Schwalben dort Anhaltspunkte liefern, wann es Zeit ist, wieder nach Europa zu fliegen. Offenbar bekommen sie dieses Signal nun immer früher.

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Früher ist nicht besser

Eigentlich würde man erwarten, dass die frühere Ankunft den Vögeln gut tun könnte, sagen die Forscher. Schwalbenpaare, die zeitig im Jahr mit der Brut beginnen, legen oft mehr Eier, bringen mehr Jungvögel durch als die Spätstarter unter ihren Artgenossen. Manchmal ergibt sich sogar die Chance für eine dritte Brut. Doch unterm Strich scheint sich bisher kein Vorteil abzuzeichnen: Der Bruterfolg der Rauchschwalben im Untersuchungsgebiet ist stattdessen in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. „Bisher scheinen die Nachteile des Klimawandels die Vorteile des frühen Brutbeginns zu überwiegen“, sagt Grimm.

Zwar sind die April-Temperaturen in den ostdeutschen Brutgebieten in den letzten Jahren gestiegen, dafür scheint sich aber abzuzeichnen, dass im Mai die veränderten Klimambedingungen zu weniger Insekten führen – ausgerechnet dann, wenn die Schwalben-Eltern viel Nahrung für ihre Küken brauchen. „Dieses Versorgungsproblem steckt wahrscheinlich hinter dem sinkenden Bruterfolg“, so Grimm. Dieser Zusammenhang könnte ihr zufolge auch den Rückgang der europäischen Schwalbenbestände erklären, den Vogelschützer seit etwa 20 Jahren feststellen.

Ob der kritische Trend nun weiter anhält, ist allerdings unklar. Kurioserweise könnte sich die Lage der Schwalben möglicherweise durch das weitere Fortschreiten des Klimawandels wieder verbessern: Wenn sich die Verweildauer der Tiere in Europa weiter ausdehnt, könnten künftig mehr Paare ein drittes Mal im Jahr Eier legen, sodass sie die geringere Zahl von Küken pro Brut kompensieren können, sagen die Forscher. Doch Vieles bleibt ungewiss: Die aktuellen Ergebnisse betonen erneut, wie komplex die Effekte des Klimawandels auf die Entwicklung von Lebewesen sein können.

Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ

© natur.de – Martin Vieweg
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Schlä|gel  〈m. 5; Bgb.〉 Hammer des Bergmannes ● ~ und Eisen

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