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Allgemein

Versunkene Schätze

Gedrucktes Wissen über archäologische Funde: Rund um die Welt führt die erlesene Reise in die Vergangenheit. Es ist so manches Kleinod darunter.

Jeder, der eine Rangfolge aufstellt, begibt sich in die Gefahr, der Willkür bezichtigt zu werden. Dem Problem stellt sich Paul G. Bahn als Herausgeber und Autor des Kompendiums Faszination Archäologie offensiv, und er hat gute Gründe für seine Auswahl der „Hundert bedeutendsten Funde der Welt“. Beginnen wir dennoch mit den – ebenfalls subjektiven – Meckereien: Die Schilderung der Maya-Archäologie ist nicht auf dem Stand der Forschung; aus dem Gebiet der ehemaligen UdSSR gibt es nach diesem Buch gar nichts zu berichten, was nicht stimmt und nur durch die politischen Umstände erklärt werden kann. Die archäologische Selbstbespiegelung ist oftmals nervend – so ist die Knossos-Ausgrabung durch Sir Evans geschönt bis an den Rand der Seriosität. Indien und Indonesien sind jeweils nur mit einem Fund vertreten, Japan und Hinterindien gar nicht.

Aber: Was in diesem Buch auf selten mehr als zwei Seiten pro Thema ausgebreitet wird, ist wunderbar und erfüllt weitgehend den selbstgesteckten Anspruch, nicht Könige und Schätze darzustellen, sondern Tatsachen, die das Leben der Menschen veränderten. Großartige Abbildungen mit überwiegend sehr informativen Bildlegenden helfen dem Leser weiter bei seiner Reise in die Vergangenheit. Dadurch ist das Buch weit mehr als eine Auflistung der 100 wichtigsten archäologischen Funde – sehr empfehlenswert.

Um nur ein Thema, nämlich Die Iberer geht es bei dem 400 Seiten starken Buchkatalog zu der Ausstellung über dieses rätselhafte Volk auf der iberischen Halbinsel. Auch nach Ausstellungsbesuch und Lektüre bleibt der Eindruck: Man weiß wenig bis nichts über diese Kultur, die immerhin für ein halbes Jahrtausend (etwa 600 bis 100 v. Chr.) von Andalusien bis Südfrankreich präsent war und rege wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zum gesamten Mittelmeerraum unterhielt. Das meiste muß aus den materiellen Hinterlassenschaften erschlossen werden, denn die Iberer haben zwar eine Schrift entwickelt, aber wir kennen die dahinterstehende Sprache nicht, können sie also nicht verstehen. Um so spannender sind die archäologischen Funde und Befunde.

Auf die Faszination großer und schöner Bilder wurde in diesem Band weitgehend verzichtet, die Texte richten sich oft allzusehr an den Fachmann. Ein knappes Glossar, eine Zeittafel und eine ausführliche Bibliographie runden das (ge)wichtige Arbeitsbuch ab.

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Ein Genußbuch für Kunstliebhaber ist der voluminöse Katalog Die neue Welt der Griechen. Das Werk entstand zu den gleichnamigen Ausstellungen in Venedig und Köln. Der großzügig gestaltete Farbbildteil, 170 von 250 Seiten, belegt mit exzellenten Fotos den Einfluß, die Entwicklung und die Metamorphose der griechischen Kunst in den Kolonien auf Sizilien und in Süditalien seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. Der textliche Ausstellungsbegleiter versucht, anhand der Bilder von Statuen, Schmuck, Büsten und Vasen die gezielte Auswanderung der Griechen in den fremden Westen nachzuvollziehen. Der einleitende Parforceritt durch die Geschichte dieser Kolonisierung bleibt allerdings eine Aufzählung von Kriegen und Intrigen. Der archäologisch-historisch interessierte Leser kommt nicht auf seine Kosten. Und:Ob allein über Kunst diese aufregende Epoche – schließlich kam mit ihr „die Antike“ nach Westeuropa – zu vermitteln ist, darf bezweifelt werden. Leider stolpert außerdem die Übersetzung häufig heftig.

Kunst ganz anderer Art – nämlich prähistorische Felsmalereien – deutet der französische Felskunst-Papst Jean Clottes in seinem Buch Schamanen. Zusammen mit dem südafrikanischen Schamanen-Experten David Lewis-Williams untersucht er „Trance und Magie in der Höhlenkunst der Steinzeit“. Die beiden sind überzeugt, daß der „Schamanismus, diese spezifische Auffassung vom Universum . . . bestimmte Besonderheiten der Kunst in den tiefen Höhlen besser als jede andere Theorie zu erklären vermag“. Jean Clottes will damit jedoch kein neues Dogma aufstellen, und man mag ihm bei seinen Erklärungsversuchen zwischen Neuropsychologie und Völkerkunde folgen oder nicht – auf alle Fälle bieten Beweisführung und die zahlreichen Bildbeispiele eine neue Sicht, wie man Unbekanntes und Unerklärliches anders sehen kann. Das macht den besonderen Reiz dieses Bandes aus, mit dem der Thorbecke- Verlag seine kostbare Höhlenkunst- Bibliothek um ein spannendes Reizthema erweitert.

Ein nicht minder fesselndes Diskussionsthema der Archäologie liefert die Beziehung zwischen Ägypten und seinem südlichen Anrainer Nubien- Sudan. Der allzu simplen Auffassung, daß die ägyptische Pyramidenkultur quasi ad hoc da war, widersprechen seit einigen Jahren archäologische Untersuchungen. Nur fällt es vielen Ägyptologen noch immer schwer anzuerkennen, daß mindestens eine Wurzel der Pharaonen-Kultur in Afrika liegt. Joachim Willeitner schildert in seinem Buch Nubien diese Symbiose zwischen den Nil-Nachbarn aus ägyptischer Sicht. In rund 70 Seiten Text und 140 Seiten Bild versucht er mit eindeutiger Sympathiezuweisung die Überlegenheit Ägyptens zu belegen. Die Information ist umfassend, kommt allerdings ein wenig dröge daher. Dagegen ist man dem Autor und dem Verlag dankbar für die großzügige und informative Bildausstattung des Bandes und die erhellenden Bildtexte.

Wer das Mit- und Gegeneinander der beiden Regionen am Nil aus sudanesischer Sicht erleben will, muß zum Prachtband Die Pharaonen des Goldlandes greifen. Der Katalog zur internationalen Ausstellung, die zuletzt in Mannheim zu bewundern war, besticht durch phantastische, weitgehend bislang ungesehene Bilder und Objekte.

Den Texten folgen jeweils direkt die thematisch und zeitlich zugehörigen Katalogbilder. Und: Die Informationen dieses Bandes setzen tatsächlich bei den Wurzeln, nämlich in der Steinzeit, an. Als „Bearbeiter“ fungiert Dietrich Wildung, der gerade die ägyptischen Sammlungen aus Ost- und West- Berlin zusammenfügt und seit einigen Jahren im Sudan gräbt.

500Seiten Maya in zwei Bänden: Neun (Haupt)Autoren bemühen sich in elf Einzeldarstellungen, das Phänomen Maya dingfest zu machen. Das Ergebnis bleibt zwiespältig, denn Verlag und Autoren konnten sich nicht so recht entscheiden, was für ein Werk sie mit Die Maya machen wollten. Es wurde eine etwas unglückliche Mischung aus Lehrbuch, Forschungsbericht und Sachbuch. Über der detaillierten Darstellung von Einzelproblemen und -befunden blieb oftmals eine übergeordnete Sicht auf der Strecke. So gibt es zum Beispiel jede Menge Umzeichnungen von Maya-Hieroglyphen, deren Erklärungen aber nur für Kundige brauchbar sind. Die Lagepläne der archäologischen Stätten sind völlig unsinnig, da sie keinerlei Beschriftung haben. Die Bildlegenden zu den meist bekannten Fotos sind höchst unterschiedlich. Die Übersetzung tut sich streckenweise sehr schwer.

Kein einziges Foto von Calakmul und nur einige belanglose Bemerkungen über diese riesige Maya-Metropole – da beschleichen einen Zweifel an der Vollständigkeit und Wissenschaftlichkeit dieser mit großem Anspruch daherkommenden Darstellung. Wer, etwa als Student, Detailwissen erwerben will, wird mit den Architekturaufrissen, den Relief- und Hieroglyphenumzeichnungen und kunsthistorischen Feinheiten allerdings gut bedient.

Archäologie

Paul G. Bahn (Hrsg.) Faszination Achäologie Knesebeck Verlag 1997 DM 58,-

Die Iberer Hirmer Verlag 1998 DM 98,-

Hansgerd Hellenkemper (Hrsg.) Die neue Welt der Griechen Zabern 1998, DM 135,-

Jean Clottes, David Lewis-Williams Schamanen Thorbecke Verlag 1997 DM 79,-

Joachim Willeitner Nubien Hirmer Verlag 1997 DM 98,-

Die Pharaonen des Goldlandes bearbeitet von Dietrich Wildung, Reiss-Museum Ernst Wasmuth Verlag 1998, DM 55,-

Die Maya der klassischen Periode Hirmer Verlag 1998, DM 148,-

Maya, Die nachklassische Periode Hirmer Verlag 1998 DM 168,-

Michael Zick

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