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Vier B's und ein bißchen mehr

Die ersten elektronischen Bücher: Fünfeinhalb Jahrhunderte nach Johannes Gutenbergs Erfindung bläst die Computerindustrie zum Angriff auf das gedruckte Buch.

Bett, Bad, Bus und Badestrand – es gibt kaum einen Ort, wo man ein Buch nicht lesen könnte. Am 4B-Test sind elektronische Bücher bisher immer gescheitert. Die Ziegelsteine mit eingebautem Bildschirm, die per CD-ROM oder Chipkarten mit ganzen Romanen versorgt werden, waren zu unhandlich, zu teuer, und ihr Display war eine Beleidigung für die Augen.

Das soll jetzt anders werden: Die Firmen NuvoMedia (http://www.nuvomedia.com) und SoftBook Press (http://www.softbook.com) aus dem kalifornischen Silicon-Valley bringen in diesen Tagen elektronische Bücher auf den (vorerst nur amerikanischen) Markt, die die Vorteile der Computertechnik mit dem vertrauten Lesegefühl eines gedruckten Buches verbinden sollen. Geblättert wird durch Tippen auf den berührungsempfindlichen Bildschirm, ein Stift erlaubt Unterstreichungen und Anmerkungen am Seitenrand. Am Ende der Lektüre läßt sich mit einem weiteren Tastendruck ein digitales Eselsohr in eine der maximal 4000 gespeicherten Seiten knicken – ganz wie beim Papierpendant, das bei dieser Textmenge allerdings mehrere Kilogramm wiegen würde. Das Wörtersuchen oder das Nachschlagen unbekannter Begriffe beherrschen allein die E-Bücher.

Ihr Lesefutter beziehen die Bücherwürmer gegen Bezahlung aus dem Internet. Während das 500 Dollar teure RocketBook von Nuvo- Media an einen Laptop angeschlossen wird, der seinerseits die Daten aus dem Internet lädt und zwischenspeichert, nimmt SoftBook (300 Dollar) von SoftBook Press via Telefonleitung selbst Kontakt mit dem virtuellen Bücherregal auf. NuvoMedia versteht sich lediglich als verlängerter Arm der Verlage und verteilt die Inhalte zu deren Konditionen. Der Konkurrent tritt dagegen als Buchclub auf und möchte monatlich für 10 bis 20 Dollar Inhalte an seine Abonnenten liefern.

Egal welches System sich durchsetzt – das mit modernster Technik konzipierte und nach ersten Berichten sehr bedienerfreundliche RocketBook oder das mit bewährter Hardware ausgestattete, größere SoftBook im Lederklappdeckel: Vom elektronischen Buch dürften sowohl Verlage als auch Leser profitieren. Weil die Kosten für Druck, Lagerung und das Einstampfen überschüssiger Bücher sowie die 40prozentige Marge des Händlers wegfallen, dürften die Bücher aus dem Netz langfristig billiger sein und dennoch mehr Gewinn abwerfen.

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Auch Leser mit ausgefallenem Literaturgeschmack könnten per Internet auf ihre Kosten kommen, weil sich der Vertrieb von Büchern, die im Handel wegen Mißerfolg nicht mehr angeboten werden, auf digitalem Weg für die Verlage doch rechnet. Um ihre Investitionen zu schützen, vereiteln die Hersteller Raubkopien mit einem digitalen Schlüssel, der das Schmökern nur auf einem Gerät erlaubt, dessen Besitzer die Gebühr für das Buch bezahlt hat.

Literatur zum Nulltarif, gibt es beim Gutenberg-Projekt, das im Internet Klassiker anbietet (http://www.gutenberg.aol.de siehe Buchjournal bdw 11/1997). Die amerikanischen Gutenberg-Anbieter (http://www.gutenberg.net) wollen ihr Archiv möglichst schnell für Besitzer von E-Books nutzbar machen.

Medienmulti Bertelsmann hat die Chancen erkannt und ist im Sommer mit 3,5 Millionen Mark bei NuvoMedia eingestiegen. Mit dem Start der Bertelsmann-Online-Buchhandlung (http://www.bol.com) im September wollen die Gütersloher auch Bücher für RocketBook anbieten.

Obwohl RocketBook und SoftBook den 4B-Test mit Bravour bestehen, sind sie nach Meinung von Joseph Jacobson nur ein Zwischenschritt. Der Physiker vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston arbeitet an einem elektronischen Buch, das aus richtigen Seiten besteht, die sich wie Papier anfühlen. Der Unterschied: Jedes Blatt ist mit winzigen Kapseln getränkt, die schwarze und weiße Tinte enthalten. Wird über eine hauchfeine Leitermatrix Spannung angelegt, färben sich die entsprechenden Punkte auf der Seite schwarz und es erscheint der Text, der im Buchrücken gespeichert ist. Wie Jacobson in der Zeitschrift Nature berichtete, bleibt die Schrift auch Monate ohne Strom stabil und ist beliebig oft lösch- und wiederbeschreibbar.

Bei „B“ Nummer eins – dem Bett – sind RocketBook und SoftBook dem MIT-Konzept überlegen: Sie haben einen von hinten beleuchteten Bildschirm und lassen sich auch im Dunkeln lesen.

Bernd Müller

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