„Vom Giftpfeil zum Chemiewaffenverbot" von Dieter Martinetz - wissenschaft.de
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„Vom Giftpfeil zum Chemiewaffenverbot“ von Dieter Martinetz

Dieter Martinetz ist ein Profi. Zwei Jahrzehnte lang hat er an der „Forschungsstelle für chemische Toxikologie“ der Akademie der Wissenschaften in Leipzig gearbeitet. Sein Buch über chemische Kampfstoffe strotzt vor Wissen – aber auch vor Detailverliebtheit.

Ein historischer Exkurs über vergiftete Pfeile und griechisches Feuer leitet den Reigen destruktiver menschlicher Ingeniosität ein. Durch Antike, Mittelalter und beginnende Neuzeit führt Martinetz sein Publikum allmählich an die schreckliche Gegenwart des 20. Jahrhunderts heran. Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit bilden den Schwerpunkt. Ausführlich erfährt der Leser von den Beteiligten in Politik, Industrie und Wissenschaft, von Phosgen und Lost, von Gaswerfern und Blaukreuzgranaten.

Zum Glück heben eingestreute Augenzeugenberichte das Buch über die rein technokratische Ebene hinaus. Denn ermüdend akribisch listet Martinetz Ersteinsatzdaten, Kaliber und Füllmengen auf. Da erfährt man, daß die Geschosse für 15-Zentimeter-Kanonen exakt 3,08 Liter faßten, und zwar 80 Prozent S-Lost und 20 Prozent Chlorbenzol, eingebettet in 0,7 Kilogramm des Sprengstoffs TNT. So geht das seitenweise. Wozu?

Bei allem Respekt vor dieser dokumentarisch genauen, peniblen Fleißarbeit: Dies ist weder das erste Buch über Chemiewaffen, wie nicht zuletzt die elf Seiten lange Literaturliste im Anhang belegt, noch präsentiert es neue Ideen oder Bewertungen.

Immerhin: Der Preis ist attraktiv, der Stand aktuell – zukunftsgerichtet sind ein Ausblick auf die Entsorgung der Chemiewaffenbestände und das Thema „Umweltkriege“. Zudem ist das Register sehr brauchbar. Einen Regalplatz hat das Buch also verdient, fürs fallweise Nachschlagen. Zur Schmökerlektüre auf dem Nachttisch taugt es nicht: Vorsicht, Alpträume.

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Dieter Martinetz VOM GIFTPFEIL ZUM CHEMIEWAFFENVERBOT Zur Geschichte der chemischen Kampfmittel Verlag Harri Deutsch Thun, Frankfurt am Main, 1996, 274 S. DM 24,-

Thorwald Ewe

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