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Von A-Netz bis UMTS

Das Mobilfunk-ABC

Das Zeitalter des Mobilfunks begann in Deutschland bereits 1926. Die Deutsche Bahn richtete in diesem Jahr auf der Strecke Berlin–Hamburg das erste funktionierende System zur Mobilkommunikation ein. Später entstanden weitere Funknetzsysteme an Bahnhöfen, in Häfen und zwischen städtischen Gebäuden. Das erst „tragbare“ Mobilfunk-Gerät wog 1946 noch satte 18 Kilogramm, sein Akku war bereits nach 2,5 Minuten Telefonieren leer. Der Mobilfunk für jedermann entwickelte sich in Deutschland in den fünfziger Jahren. Zahlreiche kleine Funknetze wurden 1958 zu einem nationalen Netz zusammengefasst: dem A-Netz. Es war zu jener Zeit das größte flächendeckende Mobilfunknetz der Welt. Es zu nutzen war allerdings teuer – ein Standardgerät kostete zwischen 8000 und 15000 Mark, die Grundgebühr betrug rund 270 Mark pro Monat – und es war reichlich unkomfortabel: Jedes einzelne Gespräch musste durch eines von insgesamt rund 600 „ Fräuleins vom Amt“ per Hand vermittelt werden. Beim Verlassen einer Funkzelle von etwa 30 bis 50 Kilometer Radius brach das Gespräch ab und musste – wiederum über das Amt – neu aufgebaut werden. Ohnehin konnte man nur solche Teilnehmer erreichen, von denen man wusste, wo sie sich aufhielten.

Als Nachfolger des A-Netzes ging 1972 das B-Netz in Betrieb. Die wichtigste Neuerung: Man konnte sich selbst ins Netz einwählen, die Fräuleins vom Amt wurden überflüssig. Allerdings musste man nach wie vor den Aufenthaltsort des gewünschten Gesprächspartners kennen, um ein Telefonat führen zu können. Das B-Netz brachte es 1986 auf fast 27000 Teilnehmer.

Kurz zuvor, im September 1985, startete auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin das C-Netz. Seine Netzstruktur bestand erstmals aus zahlreichen dicht aneinander grenzenden Zellen, die die damalige Bundesrepublik fast hundertprozentig abdeckten. Dank dieser geschlossenen Zellenstruktur konnte das C-Netz selbst den Aufenthaltsort eines Teilnehmers ermitteln und Gespräche automatisch von Funkzelle zu Funkzelle weiterleiten. Seine maximale Auslastung erreichte das C-Netz 1993 mit rund 850000 Nutzern.

Mit dem D1-Netz führte die Deutsche Telekom 1991 zum ersten Mal ein digitales Mobilfunknetz ein. Bereits ein Jahr nach seinem Start nahm auch das D2-Netz von Mannesmann Mobilfunk (heute: Vodafone) seinen Betrieb auf. Beide Netze arbeiten nach dem weltweiten digitalen GSM-Standard und erlauben es, mit anderen Mobilfunkteilnehmern in rund 150 Ländern der Erde zu telefonieren. Weitere GSM-Netze errichteten die Unternehmen E-Plus 1994 (E1-Netz) und VIAG Interkom (heute: O2) 1998 (E2-Netz). Die E-Netze unterscheiden sich von den D-Netzen nur durch andere Frequenzen: Sie nutzen ein Frequenzband bei 1800 Megahertz, während die D-Netze bei 900 Megahertz funken. Im Gegensatz zu den vorangegangenen analogen Netzen A, B und C werden die Sprachsignale in den digitalen Netzen vor ihrer Übertragung in einzelne Bits verwandelt und als Nullen und Einsen auf die Reise geschickt. Mit den GSM-Netzen begann der Handy-Boom. Die Geräte waren handlicher als bisher, die Telefonkosten sanken auf überschaubare Beträge, und die Qualität der Sprachübertragung war deutlich besser als in den analogen Netzen. Zudem machte die digitale Technik neben Telefongesprächen auch die Übertragung kurzer Textnachrichten (SMS) sowie von Fotos, Grafiken und Tönen möglich.

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UMTS stellt nach den analogen A-, B- und C-Netzen (erste Generation) und den digitalen D- und E-Netzen (zweite Generation) die dritte Generation des Mobilfunks dar. Neben UMTS, dessen Lizenzen eine Laufzeit von zunächst 20 Jahren haben, sollen auch die GSM-Netze D1, D2, E1 und E2 noch bis mindestens 2009 weiter existieren. Die analogen Netze sind dagegen inzwischen außer Dienst gestellt worden: Das A-Netz beendete 1977 seinen Betrieb, das B-Netz wurde am 31.12.1994 abgestellt, das C-Netz funkte immerhin noch bis Ende 2000.

Ralf Butscher

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