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Von der Affenpolitik zum MENSCHLICHEN Satzbau

Alltag bei Pavianen: Das Alpha-Männchen grunzt drohend, daraufhin schreit, voller Angst, das „angesprochene“ niederrangige Tier. In einem ihrer vielen Experimente im Busch Botswanas drehten Dorothy Cheney und Robert Seyfarth von der University of Pennsylvania den Spieß um. Sie spielten den Tieren eine Lautsequenz vor, in der ein niederrangiger Pavian einen Droh-Grunzer ausstößt, gefolgt von einem Schrei des Alpha-Tiers. Die Folge: Die Tiere waren verwirrt, weil ihre Sozialordnung durcheinander geraten schien. Die Reaktion verdeutlicht, was im Kopf der Tiere vorgeht. Sie wissen: „A dominiert B“. Und sie wenden ihr Wissen an, wenn, wie im Experiment, etwas die hierarchische Ordnung stört.

Offenkundig können die Affen den Strom von Lauten in einzelne Elemente decodieren, deren Bedeutung erkennen und die Bedeutung zu einem satzartigen Gedanken kombinieren. „Das machen wir auch, wenn wir einen Satz zergliedern“, sagt Seyfarth. Zumindest was die Wahrnehmung und Deutung von Lauten betrifft, sind die Fähigkeiten von Pavianen sprachähnlich. Das, so der US-Forscher, gehört zum evolutionären Erbe der frühen Menschen. Als sie begannen, Laute zu gesprochener Sprache zu formen, „waren die Zuhörer dafür bereit“.

Nach anderthalb Jahrzehnten Pavian-Beobachtung gehen Cheney und Seyfarth noch weiter. Ihrer Überzeugung nach ist die hierarchische Struktur der Gruppe im Gehirn der Affen verankert. Das heißt: Ihr Oberstübchen verfügt über ein neuronales System, das Hierarchien erkennt und strukturiert. „Diese Repräsentation der Sozialstruktur“, meint Robert Seyfarth, „ähnelt hierarchischen Strukturen im Satzbau.“ Ein Beispiel ist die Reihung „Hund beißt Mann“ – erst Subjekt, dann Prädikat, dann Objekt. Ein anderes ist die Dominanz des Hauptsatzes über den Nebensatz. Der Homo sapiens, so die Biologen, habe das hierarchische Modul des Soziallebens für seine Syntax genutzt.

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