Von der Schwarzen Kunst zum digitalen Druck - wissenschaft.de
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Von der Schwarzen Kunst zum digitalen Druck

Live-Schaltung zur Heidelberger Druckmaschinen AG: Wie kommen gedruckte farbige Bilder zustande – zigtausendfach und innerhalb weniger Stunden? Das war eine der Fragen beim neuen „Wissenschaft live“ im Deutschen Museum Bonn.

Nomen est omen: Die Schüler des Gutenberg-Gymnasiums Bergheim waren auf das „Wissenschaft live“ im Deutschen Museum Bonn bestens vorbereitet: Sie kannten sich gut aus in den altehrwürdigen Drucktechniken bis hin zum modernen Rollen-Offset, und natürlich wußten sie auch, daß der Namenspatron ihrer Schule der Erfinder des Buchdrucks war.

Per Fernsehübertragung – die Veranstaltung wurde live vom Sender Phoenix ausgestrahlt – konnten die fast 500 Besucher, die sich im Museum drängten, Druckern in Heidelberg über die Schulter schauen. Mit ihnen unterhielt sich Moderatorin Heike Rebholz vor Ort. Klaus Sauer zum Beispiel hat die Kunst des Druckens von der Pike auf gelernt, „… als das noch eine Schwarze Kunst war. Heute ist der Bleisatz out, Drucken per Mausklick ist in.“

Das wurde denn auch im Museum demonstriert. „Wir machen nun ein Bild von uns – natürlich elektronisch – und schicken es per ISDN nach Heidelberg“, schlug Moderator Ranga Yogeshwar vor. „Wir wollen live ausprobieren, wie lange es vom Kameraklick bis zum Foto dauert, das tausendfach aus der Druckmaschine kommt.“ Ein Mitarbeiter zückte seine Digitalkamera und fotografierte die winkende Museums-Schar. Danach rannte er zum nächsten Computer im Museum und schickte die Bilddatei als e-mail nach Heidelberg. Dort nahm die Bearbeitung vom „Gruppenbild mit Moderator“ oder „Gruß aus Bonn“, wie es Yogeshwar nannte, einige Zeit in Anspruch. Währenddessen erklärte im Museum Klaus-Jürgen Oppermann von den „Heidelberger Druckmaschinen“ einige Stationen aus der Geschichte des Druckens – wie zum Beispiel anfangs, um 1400, auf Holz oder Metall gearbeitet wurde. Die Partien, die nicht gedruckt werden sollten, wurden herausgeschnitten, die stehengebliebenen, erhabenen Teile des Druckstocks mit Farbe bestrichen, die auf ein aufgepreßtes Papier übertragen wurde. Nach diesem Hochdruckverfahren wurde um 1420 der Tiefdruck erfunden, bei dem umgekehrt die Farbe aus den Vertiefungen auf ein aufgepreßtes Papier gedruckt wurde.

Die Schüler beteiligten sich auch an den Erklärungen. Einige hatten sich auf jeweils ein Verfahren spezialisiert und erläuterten das anhand von farbigen Zeichnungen, die auch das Entstehen von Mischfarben aus drei Grundfarben zeigen: wie durch Kombination von drei Farben durch additive oder durch subtraktive Mischung die ganze Palette der Mischfarben entsteht. Das Prinzip der drei Grundfarben ist bis heute geblieben, zusätzlich wird jedoch nach Bedarf eine Extrafarbe zugemischt, um etwa ein besonders kräftig leuchtendes Orange zu erzeugen oder eine Sonderfarbe, etwa das Blau des Titels von bild der wissenschaft. Jutta Vollmer und Andreas Viets von der Kölner Graphikwerkstatt hatten im Museum ihre Arbeitstische aufgebaut, wo sie verschiedene Drucktechniken demonstrierten, zum Beispiel den im Kunst-unterricht der Schulen beliebten Linolschnitt. Sie strichen große Platten mit leuchtenden Farben ein und fertigten Abzüge von ihren Kunstwerken: Fische in leuchtendem Rot und Blau.

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„In früheren Illustrierten waren die Farben der Bilder oft miserabel.Woran lag das?“ fragte einer der Besucher und schnitt damit das Problem der Farbechtheit an. „Was heißt schon echt? Man kann viel ändern, nach Belieben poppiger färben, vor allem aber auch korrigieren“, antwortete Oppermann. „Und das können wir gleich an unserem Gruppenbild in Heidelberg demonstrieren.“ Auf dem Bildschirm erschien die bearbeitete Fassung des Bildes. „Stimmt das Zitronengelb der Pullis der beiden Herren in der zweiten Reihe?“ fragte Detlev Dierkes, der in Heidelberg das Bild „entwickelte“. Die Fernsehkameras im Museum schwenkten auf die beiden Zitronengelben. Man sah beide Bilder auf dem Schirm nebeneinander: das von Heidelberg übertragene Foto und das Live-Bild. Nach einer kleinen Manipulation stimmten beide Farben exakt überein. Die Bildaufbereitung war nun abgeschlossen, und die Daten gingen mit dem „Computer to press“-Verfahren direkt an die Offset-Druckmaschine, die in einer Stunde 15000 Bogen drucken kann.

Ein Schüler fragte: „Wie lange wird überhaupt noch gedruckt? Wann kann man die Zeitung nur noch auf dem Bildschirm lesen?“ „Drucken ist immer noch ein Markt mit großer Zukunft“, beruhigte Oppermann, und Yogeshwar nutzte das Problem für eine Meinungsumfrage: „Wenn im Jahre 2020 die Zeitung digital auf Bildschirm und alternativ als knisterndes Papier angeboten wird, welches von beiden möchten Sie dann lieber lesen?“ Nur eine Handvoll Schüler waren für den Bildschirm. Die Mehrheit wünschte die knisternde Zeitung. „Weil ich weiterhin“, begründete einer, „meine Zeitung in der Tasche mitnehmen, darin blättern und lesen möchte, wo und wann ich will. Das kann ich mit dem Bildschirm nicht.“

Yogeshwar schwenkte zurück in die Geschichte: „Sind zufällig Drucker hier aus den alten Zeiten der Schwarzen Kunst?“ Einer war da: Hans Figge aus Bonn. „Ich habe in den fünfziger Jahren Buchdrucker gelernt“, erzählte er, „nach Altväter Art. Doch dann gingen die Druckereien den Bach hinunter, nur wenige konnten sich halten und mußten modernisieren.“ Was ein Drucker damals lernen mußte? „Gutes Deutsch, Farbsicherheit, Druckereigeschichte, Maschinenkunde – alles, was zu dem Handwerk gehört. Doch heute ist das kaum noch ein Handwerk, heutzutage ist anderes gefragt.“

„Doch auch heute gehört noch zur Ausbildung der Drucker, all die ehrwürdigen Methoden kennenzulernen – nicht nur theoretisch“, ergänzte Annette Pöhlert, die frischgebackene Druckmeisterin in Heidelberg, und Azubi Michael Keller neben ihr wandte sich direkt an die Schüler in Bonn: „Ich kann jedem von euch nur empfehlen, den Druckerberuf zu ergreifen – er ist spannend und hat eine große Zukunft.“

Wolfram Knapp

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