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Vorsicht: Risiko!

Das Initialerlebnis hatte bdw-Redakteur Thorwald Ewe als Chemiestudent. Eines Tages zerbarst im Nachbarlabor ein Destillationsgefäß. Die Flüssigkeit fing sofort zu brennen an, und eine gewaltige Stichflamme versengte Gesicht und Arme eines Kommilitonen. Viele Wochen durchlitt er höllische Qualen. Selbst heute, 25 Jahre nach dem Unfall, quälen den Mann – inzwischen Professor für Chemieingenieurswesen – immer wieder Alpträume, die ihn an sein Malheur schmerzlich erinnern. Auch Ewe ließ dieses Erlebnis nicht los. Seit langem sammelt er alles, was ihm über Wissenschaftler in die Hände fällt, die bei ihrer Arbeit Leib und Leben riskieren. Dabei stieß er auf Peter Paetzold, Professor für Anorganische Chemie in Aachen. Als Doktorand bezahlte der seinen Forscherdrang, neue Bor-Stickstoff-Verbindungen herzustellen, mit sämtlichen Fingern der linken Hand und einem geplatzten Trommelfell. Paetzold gibt heute unumwunden zu, daß es der Ehrgeiz war, „etwas aufregend Neues zu entdecken“, was ihn damals beinahe das Leben gekostet hätte. Auch anderswo lauern in der Wissenschaft todbringende Gefahren. Wenn in Hochsicherheitslabors ein Zentrifugenglas platzt, in dem Killer wie das Aids-Virus HIV oder das Ebola-Virus hochkonzentriert sind, stehen Forscher ohne Schutzkleidung mit einem Bein schon im Grab. Mehr noch: In der Wissenschaftsgeschichte gibt es etliche Beispiele für Selbstversuche – etwa wenn Mediziner todesverachtende Experimente am eigenen Körper vornahmen, um ihre Entdekkung beweisen oder ihre Entwicklung testen zu können. Die von Thorwald Ewe zusammengestellte Titelgeschichte dieser Ausgabe – Beginn auf Seite 56 – illustriert eindrucksvoll, daß Forscher immer wieder bereit sind, für ihre Arbeit das Leben zu riskieren. Ewe selbst kehrte dem Chemielabor übrigens unmittelbar nach dem Diplom den Rücken, weil ihm „beim Präparate-Kochen so gut wie niemals etwas glücken wollte“.

Für ihre Forschung starb Dian Fossey. Die berühmte Affenexpertin wurde von Wilderern erschlagen, weil sie sich schützend vor „ihre“ Berggorillas stellte. Dian Fossey, Jane Goodall und Biruté Galdikas haben die Primatenforschung revolutioniert. Jede der drei Frauen hat durch ihr Engagement wesentlich dafür gesorgt, daß das Thema Menschenaffen heute auf ein so großes Interesse der Öffentlichkeit stößt. Der Beitrag von Harald Lorenz (Seiten 14 bis 18) faßt die wichtigsten Erkenntnisse der drei Primatenforscherinnen zusammen und stellt sie in Zusammenhang mit den modernsten Ergebnissen der Hirnforschung und der Genetik: Im Erbgut gleichen sich Menschen und Menschenaffen zu immerhin 98,4 Prozent.

Mit Affen, genauer gesagt Makaken, hat auch Nikos Logothetis seine Erfahrung. Der Grieche in Direktordiensten des Tübinger Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik will wissen, wie das Gehirn aus Lichtreizen Bilder formt. Dazu implantiert er Elektroden. Und weil das bei Menschen nur selten möglich ist, arbeitet er mit Makaken.

„Im Affenhirn kennen wir uns mittlerweile besser aus als im Menschenhirn“, sagt Logothetis im bdw-Forscherportrait, das von Heinz Horeis geschrieben wurde. Anders als etliche Kollegen äußert sich der 47jährige freimütig über die wissenschaftliche Arbeit mit den Tieren, denen er einen Großteil seiner Erkenntnisse verdankt und die er in seinem Labor „menschenwürdig“ behandelt sieht. Wie Affen dem Hirnforscher helfen, lesen Sie ab Seite 80.

Wolfgang Hess / Nikos Logothetis

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