Wanderungen im Eis - wissenschaft.de
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Wanderungen im Eis

Nordpol des Erdmagnetfelds nähert sich Europa

Die Suche nach der genauen Lage der Erdmagnetfeld-Pole, die ständig wandern, ist für die Wissenschaftler ein echter Härtetest. Sie müssen in die eisigen Regionen ziehen, um ihre Messkampagnen zu starten. Satelliten können ihnen nicht helfen, da sich das irdische Magnetfeld aus großer Höhe nur grob vermessen lässt.

Als erdmagnetischer Pol gilt jener Punkt, auf dem die magnetischen Feldlinien senkrecht stehen – nach der gängigen Definition der Geophysiker im Norden der Nordpol, genau umgekehrt wie es viele in der Schule gelernt haben. Ein üblicher Kompass wäre dort nutzlos, die Nadel würde geradewegs nach unten zeigen. Die Pol-Sucher brauchen hoch empfindliche Geräte, die einzelne Komponenten des Magnetfelds registrieren. Aber selbst modernste Technik ist nicht gegen die Launen der Natur gefeit: Ein kräftiger Sonnenwind kann den Pol innerhalb von Minuten kilometerweit verblasen. Denn die elektrisch geladenen Teilchen, die von der Sonne zur Erde jagen, verformen das Magnetfeld. Zudem wandert der Pol ohnehin jeden Tag auf einer elliptischen Bahn bis zu 100 Kilometer weit. Der gesuchte Punkt ist also ein Mittelwert, der im Grunde bloß auf dem Papier existiert.

All diese Schwierigkeiten haben dazu geführt, dass Forscher die magnetischen Pole seit Mitte des 19. Jahrhunderts jeweils kaum zehnmal ermittelt haben. Die letzten Messungen liegen noch nicht lange zurück: 2000 war ein australisches Team nach Süden aufgebrochen, und 2001 eine französisch-kanadische Gruppe nach Norden. Die Ergebnisse bestätigten, dass sich die Erde komplizierter verhält als ein einfacher Stabmagnet, mit dem sie gerne verglichen wird: Die irdischen Pole wandern mit wechselnden Geschwindigkeiten über die Erdoberfläche – unabhängig voneinander. Während sich der magnetische Nordpol bis vor 20 Jahren um rund 10 Kilometer pro Jahr bewegte, hat er inzwischen auf rund 40 Kilometer pro Jahr beschleunigt. Sein Gegenstück bremste dagegen ab: von rund 8 auf 4 Kilometer pro Jahr.

Wozu die aufwendigen Messungen? Im Zeitalter von GPS spielen die Magnetpole zur Kursbestimmung zwar kaum noch eine Rolle. Aber Geowissenschaftler, die das Innere der Erde erforschen, interessieren sich brennend für die Daten. Denn die Drift der Pole gewährt ihnen Einblick in den äußeren Erdkern, wo Strömungen einer Eisen-Nickel-Schmelze das Magnetfeld verursachen.

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Auch Laien bekommen die Veränderungen zu spüren. Denn das Magnetfeld, das vor der aggressiven kosmischen Strahlung schützt, hat um seine Pole Schwachstellen. Hier, wo farbenprächtige Polarlichter pulsieren, drohen Störungen der Stromversorgung und in elektronischen Geräten. Derzeit befindet sich der magnetische Nordpol westlich der kanadischen Ellesmere-Insel. Wenn er Kurs und Tempo beibehält, erreicht er in 50 Jahren Sibirien – gefährlich nahe an Europa.

Klaus Jacob

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Cu|ri|um  〈n.; –s; unz.; chem. Zeichen: Cm〉 künstl. hergestelltes radioaktives chem. Element, silberglänzendes Metall aus der Gruppe der Transurane [nach dem frz. Physiker–Ehepaar Pierre, 1859–1906, u. Marie Curie, ... mehr

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