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Was ist dran an der Hypothese

Was ist dran an der Hypothese des US-Neurologen William H. Calvin, wonach in der menschlichen Evolution die Fähigkeit zu präzisem Werfen sogar die Entwicklung des Sprechens begünstigt hat? bild der wissenschaft fragte Yves von Cramon. Der Professor für Neurologie ist Direktor am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und leitet außerdem die dortige Tagesklinik für kognitive Neurologie.

bdw: Herr Professor von Cramon, werden Werfen und Sprechen von derselben Region im Gehirn gesteuert, wie William H. Calvin vermutet?

von Cramon: Das erscheint mir wenig plausibel. An Wurfbewegungen sind Arm und Schulter beteiligt, und die werden vom dorsalen Prämotorischen Kortex „gesteuert“ – einer Region der Großhirnrinde, die vom Broca-Areal, dem Sprachzentrum im Stirnlappen, deutlich getrennt ist.

bdw: Calvin hat aber 1983 behauptet, bei Menschen mit Schäden im linken Stirnlappen seien gleichzeitig die Sprachfähigkeit und die Hand-Arm-Motorik gestört.

von Cramon: Die Schäden, die beispielsweise bei Schlaganfällen oder Hirnblutungen entstehen, sind in der Regel sehr ausgedehnt. Diese Patienten haben oft eine Lähmung einer ganzen Körperseite plus eine Sprachstörung. Wenn ein so großer Bereich der Großhirn-Hemisphäre ausfällt, muss man mit ausgedehnten Beeinträchtigungen rechnen. Das ist keine Bestätigung für Calvin.

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bdw: Also ist die „Throwing Hypothesis“ falsch?

von Cramon: Zumindest ist sie nicht bewiesen. Einer anderen Hypothese räume ich bessere Chancen ein: Danach könnte sich die Sprachfähigkeit des Menschen aus der Interaktion zwischen Hand und Mund entwickelt haben. In der Rinde des Stirnlappens überlagern sich die Regionen für Hand- und Mund-Motorik zu einem guten Teil. Die Nachbarschaft dieser beiden Bereiche ist vielleicht kein Zufall. Die Frage ist derzeit noch offen.

bdw: Wie ließe sie sich klären?

von Cramon: Eventuell durch In-vivo-Studien im Verlauf von Gehirnoperationen oder durch funktionelle Magnetresonanz-Tomographie. Mit Letzterer kann dem Prämotorischen Kortex beim Sprechen und bei Hand-Arm-Bewegungen „zugesehen“ werden – was Antworten auf die Frage liefern würde.

Das Gespräch führte Thorwald Ewe

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