Weiche Landung auf Titan - wissenschaft.de
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Weiche Landung auf Titan

Soundcheck im Saturnsystem: Eine CD mit vier Rocksongs im Anflug auf den Riesenmond, eigens dafür von zwei französischen Musikern komponiert. Als am 14. Januar die spektakuläre Landung der Raumsonde Huygens von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA auf dem 5120 Kilometer großen Saturntrabanten glückte, war als symbolische Botschaft auch eine CD an Bord. Nach vier Milliarden Kilometern und fast sieben Jahren Raumflug Huckepack auf der NASA-Sonde Cassini und weiteren 20 Tagen auf Solopfaden – vier Millionen Kilometer nach der Trennung am 25. Dezember – tauchte Huygens um 11.13 Uhr MEZ in die dunstige Wolkendecke ein, 1270 Kilometer über der Oberfläche. In den ersten drei Minuten wurde Huygens von 18 000 auf 1400 und dann mit Fallschirmen auf weniger als 300 Kilometer pro Stunde abgebremst. Kurzfristig trotzte die schützende Kapsel Temperaturen von 1500 Grad. In 160 Kilometer Höhe begannen die Messungen, etwa von Eigenschaften der Stickstoff- und Methan-Atmosphäre und ihrer Aerosole.

Um 13.45 Uhr landete Huygens mit 16 Kilometern pro Stunde auf Titan. Die Sonde platschte nicht in ein Meer aus Methan, wie manche erwartet hatten, sondern durchbrach eine dünne Bodenkruste und sank etwa 15 Zentimeter tief in den weichen Untergrund. Damit war erstmals eine Landung auf einem erdfremden Mond und auf einem Himmelskörper im äußeren Sonnensystem geglückt – eine Meisterleistung.

Die ersten der insgesamt 474 MB Daten erreichten das Europäische Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt um 17.19 Uhr. Der Cassini-Orbiter diente als Relaisstation. Aus noch ungeklärten Gründen fiel einer der beiden Funkkanäle aus. Zur Sicherheit sollten die Daten doppelt gesendet werden, doch aufgrund der vielen Messwerte gingen zum Teil unterschiedliche Informationen auf die Reise. Etwa die Hälfte der Fotos sind deshalb unwiederbringlich verloren. Trotzdem war die Ausbeute größer als erwartet: 3 Stunden und 44 Minuten wurden Signale von Huygens empfangen, davon 72 Minuten von der Oberfläche. Die 350 Fotos zeigen Methan- und Ethan-Wolken sowie dunkle Ebenen – vielleicht morastige Überschwemmungsgebiete aus Sand oder Lehm mit Wasser- und Kohlenwasserstoff-Eis – und hellere Regionen, die drainageartig von Abflusskanälen durchzogen sind.

Huygens brachte nicht nur Töne, sondern empfing auch welche. Im Internet kann man das Rauschen beim Sturz durch die Atmosphäre hören. Der Wind blies mit über sechs Kilometer pro Stunde. Radarsignale zur Charakterisierung der Oberfläche wurden ebenfalls akustisch umgewandelt – ein lauter werdendes Brummen, das beim Aufprall abriss. Da klingt irdische Rockmusik lieblicher. Und als Bonbon durften über 80 000 Europäer auf der Huygens-CD ein paar Sätze hinterlassen, einen Gruß von der Erde. So ist sogar etwas vom Autor dieser Zeilen auf Titan angekommen.

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Kreis|be|we|gung  〈f. 20〉 einfachste Form der krummlinigen Bewegung eines Körpers, charakterisiert durch den Radius der Kreisbahn u. die Winkelgeschwindigkeit

Ur|in|sekt  〈n. 27; Zool.〉 Mitglied einer Unterklasse der Insekten mit den Ordnungen der Beintaster, Doppelschwänze, Springschwänze u. Borstenschwänze, bei denen die Flügellosigkeit kein Rückbildungsmerkmal, sondern ursprünglich vorhanden ist: Apterygota

ver|pi|xeln  〈Fot.〉 I 〈V. t.; hat〉 Gesichter, Autokennzeichen ~ (auf einem digital erzeugten Abbild) durch Vergrößerung der Pixel unkenntlich machen; Sy pixeln ( ... mehr

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