Wen würden Sie klonen? - wissenschaft.de
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Wen würden Sie klonen?

Eine exklusive Umfrage von bild der wissenschaft – mit überraschendem Ergebnis. Was wissen die Deutschen über das Klonen („Das mit dem Schaf“) – und welchen Menschen würden sie als ersten kopieren, wenn sie es könnten? Mutter Teresa jedenfalls nicht …

Der Wirbel um das Klon-Schaf Dolly weckte Befürchtungen, nun könnten Hitler oder andere Geißeln der Menschheit wieder auferstehen. Andere träumten davon, Kopien von Elvis Presley oder John Lennon zum Leben zu erwecken. Auch wenn solche Phantasien weit von der Realität entfernt sind: Würde überhaupt jemand Menschen klonen wollen?

Eine Emnid-Umfrage im Auftrag von bild der wissenschaft hat im April eine klare Antwort ergeben: 97 Prozent aller Deutschen wollten niemanden kopieren lassen. Lediglich 25 von knapp 1000 Befragten waren anderer Meinung. Doch weder Claudia Schiffer noch Marilyn Monroe, die von vielen bunten Blättern vervielfältigt abgebildet wurden, auch nicht Jesus und Mutter Teresa standen oben auf der Wunschliste. Albert Einstein, Steven Hawking, Che Guevara, Theo Waigel und Helmut Kohl waren die einzigen, die namentlich genannt wurden – auch wenn die wenigen Nennungen sicher nicht repräsentativ sind (siehe bdw-Analyse „Sie haben das Wort“ Seite 63).

Die Mehrheit ist sich einig in ihrem Nein zum Klonen. Allerdings: Vor der Frage nach dem persönlichen Standpunkt wurde erkundet, wieviel von der ausführlichen Klon-Debatte in den Medien überhaupt hängengeblieben ist. Das Ergebnis: Wenig. Nur knapp 44 Prozent der Interviewten gaben die richtige Antwort, daß dabei die identische Kopie eines Lebewesens hergestellt wird.

20 Prozent gestanden ihr Unwissen gleich ein, 30 Prozent gaben eine Antwort, die entfernt in die richtige Richtung ging: Sie gaben an, Klonen habe etwas mit Genforschung, Genmanipulation oder künstlicher Befruchtung zu tun oder damit, „aus Genen etwas zurecht zu basteln“.

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Die Verbindung von Gentechnik mit Dolly war nicht falsch. Immerhin trägt Dolly manipuliertes Erbgut, damit sie in ihrer Milch ein für den Menschen hilfreiches Medikament produziert.

Viele der Befragten konnten sich schon sechs Wochen nach den Schlagzeilen und Kommentaren nur noch verschwommen an den Begriff „Klonen“ erinnern und assoziierten nur: „Das mit dem Schaf.“ Offensichtlich sind von der hektischen Mediendebatte bei einigen nur Bruchstücke angekommen, und zwar nicht unbedingt solche, die das Verständnis fördern.

Vier Prozent konnten mit „Klonen“ so wenig anfagen, daß sie auf abwegige Vermutungen kamen: Klonen könne „Zeit und Raum aufheben“, nimmt da jemand an, ein anderer hält es gar für „übersinnlich“. Manche sagen über das Klonen nur, daß es ihnen angst macht.

Wie kaum anders zu erwarten, kennen sich die Jüngeren besser aus. Die Hälfte der unter 40jährigen gab die richtige Erklärung ab, weniger als ein Drittel waren es bei den über 60jährigen.

Ebenso erwartungsgemäß hängt der Wissensstand über das Klonen mit dem Bildungsgrad zusammen. Gut 60 Prozent derjenigen, die Abitur oder einen Hochschulabschluß haben, gaben die richtige Antwort, aber nur ein Viertel der Hauptschulabsolventen ohne Lehre.

Psychologisch interessant ist, daß der Anteil derjenigen, die zwar glauben zu wissen, was Klonen ist, aber eine falsche Antwort geben, unabhängig von der Bildung konstant bei 30 Prozent liegt: Bildung schützt offenbar zwar vor Unwissen, aber nicht vor Selbstüberschätzung. Nur 6 Prozent der Abiturienten und Hochschulabsolventen wagten es, ihr Unwissen einzugestehen, gegenüber 40 Prozent derjenigen mit Hauptschulabschluß.

Die Bereitschaft, Menschen klonen zu lassen, sinkt mit dem Bildungsgrad: Zwischen 2 und 3 Prozent derjenigen mit Abitur oder Realschulabschluß sind dafür, aber fast 8 Prozent der Hauptschüler. In der Gruppe, die am schlechtesten informiert ist, können sich offenbar mehr Menschen damit anfreunden.

Zwischen den Geschlechtern gibt es einen kleinen Unterschied: Die Männer kennen sich beim Klonen etwas besser aus. Von ihnen antworteten 47 Prozent richtig gegenüber 41 Prozent der Frauen. In der Einstellung aber stimmen die Geschlechter überein: Beide lehnten klonen gleichermaßen kategorisch ab, wie der Bevölkerungsdurchschnitt – zu 97 Prozent.

Im Vergleich dazu ist eine andere Emnid-Umfrage von Anfang März aufschlußreich. Immerhin ein Drittel der Interviewten stimmte der Aussage zu: „Die Gentechnologie hat eher Vorteile, weil sie neue Möglichkeiten für Landwirtschaft und Medizin eröffnet.“ Das sind zehnmal mehr als die 3 Prozent, die laut bdw-Umfrage für das Klonen eintreten. Wird also den Befragten der mögliche Nutzen gleich mitgeteilt, beurteilen sie eine neue Technik positiver. Möglicherweise spielt dabei auch eine Rolle, daß „die Gentechnik“ schon länger im Gespräch ist als „das Klonen“ und deswegen eher akzeptiert ist. Interessanterweise klafft die Meinung von Frauen und Männern zur Gentechnik deutlich auseinander: Nur 23 Prozent der befragten Frauen sind davon überzeugt, daß sie Vorteile hat, aber fast doppelt so viele Männer (43 Prozent).

Weniger Vorbehalte gegenüber dem Klonen haben jüngere Leute zwischen 14 und 29 Jahren: Von ihnen würde immerhin jeder zwanzigste einen Menschen duplizieren lassen, während das unter den 40- bis 59jährigen nur für jeden hundertsten in Frage kommt. Die Jüngeren sind also besser informiert und befürworten gleichzeitig das Klonen eher als die Älteren. Daraus ließe sich schließen, daß sich die Menschen an das Klonen genauso gewöhnen könnten wie an die künstliche Befruchtung. Vor 20 Jahren noch heftig umstritten, ist die Zeugung im Reagenzglas heute akzeptierte Praxis.

Im Gegensatz zu den Befragten, die einen Prominenten – darunter übrigens keine Frau – vervielfältigen lassen möchten, verfolgt knapp die Hälfte der 25 Klon-Sympathisanten anscheinend eigennützige Motive: Von ihnen würde ein Viertel Eltern, Ehepartner oder Kind duplizieren. Ein anderes Viertel aber hat vor allem sich selbst zum Klonen gern.

Ute Kehse

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