Agnes Fazekas bloggt vom Gletscher Wenn der Berg rumpelt - wissenschaft.de
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Agnes Fazekas bloggt vom Gletscher

Wenn der Berg rumpelt

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Wie bewegt sich der Berg, wenn der Permafrost taut? Schweizer Wissenschaftler von der ETH Zürich benötigen nicht nur Fachwissen, sondern auch alpinistisches Können, um ihr Datennetzwerk über die Berge zu ziehen.

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Ob ich Lawinenausrüstung, Tourenski und Klettergurt mitnehme und wie ich versichert bin, will Beutel vorher wissen. Denn die Wissenschaftler vom Institut für Technische Informatik und Kommunikationsnetze arbeiten nicht etwa im Labor, sondern direkt am Patienten und der befindet sich ziemlich weit oben, auf dem Matterhorn, am Jungfraujoch oder heute eben am Dirruhorn-Gletscher gegenüber des Felssturzes. Damit genug Zeit zum Arbeiten bleibt, kutschiert uns ein Heli zu den Messstationen am Berg, die kontinuierlich Daten erheben und an den Uni-Server in Zürich senden, aber trotzdem ab und an gewartet oder neu ausgerichtet werden müssen.

d2klein.JPGDer Heli landet so knapp neben uns, dass wir die Ski und Rucksäcke am Boden kniend festhalten müssen. Kaum drei Minuten und einen kurzen Blick aufs Matterhorn später, steigen wir schon wieder aus – und versinken erstmal brusttief im Schnee. Gut, dass wir die Ski dabei haben, sonst bestünde kaum eine Chance, die Koffer mit den Ersatzbatterien, Werkzeugen und GPS-Systemen von einer Messstation zur nächsten zu transportieren. Während die Forscher auf dem Matterhorn vor allem mittels Sensoren und Mikrofonen die Veränderungen der Felsspalten analysieren, überwachen die Sensoren hier die Bewegungen ganzer Materialmassen.

Der Witz daran: Das System ist an die rauhen Bedingungen auf dem Berg angepasst und über W-Lan verbunden, die Forscher spinnen ihr Datennnetz also über eine riesige Fläche. 24 Stunden, 7 Tage die Woche fließen Messwerte ins System. Terrabytes. Früher legte man ein Mikro in den Dorfbach, um frühestens kurz vor dem Felssturz festzustellen, dass es gleich rumpeln wird.

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„Zwei Täler weiter könne man sich mit dem Liegestuhl hinlegen und kaum hätte man die dritte Seite eines Romans umgeblättert, würde man es krachen hören“, sagt Beutel. Die 230 Meter lange Hängebrücke, die Touristiker für den Europa-Wanderweg im Grabengufer installiert haben, sehe aus  „wie von den Taliban beschossen“. Im Frühjahr 2010 eröffnet, musste sie schon im September desselben Jahres wegen massiven Steinschlags wieder geschlossen werden. „Die rutschende Masse, könne man sich wie einen Marmorkuchenteig vorstellen, der zäh über einen Tisch fließt“, sagt Beutel: Erde, Geröll, Eisklumpen …

Wir haben Glück. Auf fast 3000 Metern empfängt uns zwar erst ein frischer Wind. Im Laufe des Tages wird es aber immer sonniger und so genießen wir einen irren Ausblick auf das pyramidenförmige Weißhorn (4500m) gegenüber und die Wolkendecke direkt unter uns…

Eine Reportage über die bergsteigenden Permafrostforscher gibt es in einer der nächsten Ausgaben von natur.

Fotos: Agnes Fazekas

© natur.de – Agnes Fazekas
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