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Wenn ein prostatakrebs entdeckt

Wenn ein prostatakrebs entdeckt wurde, haben Männer die Wahl zwischen zwei Optionen: Sie können den Tumor durch Operation oder Bestrahlung behandeln lassen – oder erst einmal abwarten und ihn regelmäßig kontrollieren. Im Sommer dieses Jahres haben schwedische Ärzte einen Vergleich der beiden Strategien veröffentlicht. Das Ergebnis löste bei Operateuren Erleichterung aus. „Wir wissen jetzt, dass die Prostataentfernung grundsätzlich eine sinnvolle Alternative ist“, sagt der Urologe Lothar Weißbach von der Euromed Klinik in Fürth.

Um festzustellen, wie sinnvoll eine radikale Prostataentfernung ist, haben die Ärzte um Lars Holmberg von der Universität Uppsala seit 1989 fast 700 Männer mit einer Tumor-Diagnose per Los in zwei Gruppen aufgeteilt: Der einen Hälfte der im Durchschnitt etwa 65 Jahre alten Freiwilligen wurde die Vorsteherdrüse entfernt. Die andere Hälfte wurde lediglich alle sechs bis zwölf Monate untersucht. Erst wenn der Tumor erkennbar gewachsen war, wurden weitere Therapien begonnen. Nach zehn Jahren stellte sich die Operation als leicht überlegen heraus: In dem Zeitraum waren von 100 operierten Männern insgesamt 27 gestorben, davon 10 an Prostatakrebs. Von 100 Männern, die sich nicht hatten operieren lassen, waren 32 gestorben, davon 15 an Prostatakrebs. „Die Verringerung des Sterberisikos fällt absolut gesehen klein aus“, folgern die Autoren. Bei der Bilanz müsse aber berücksichtigt werden, dass die Operation zusätzlich einem von zehn Männern das spätere Wachstum von Metastasen erspart habe, die erhebliche Leiden bedeuten können. Und zwei von zehn Männern erübrigte sie spätere Behandlungen wegen einer krebsbedingten Vergrößerung der Prostata.

Allerdings müssen operierte Männer dafür andere Komplikationen in Kauf nehmen. Eine vorläufige Auswertung der Studie vor drei Jahren hatte ergeben, dass etwa die Hälfte der operierten Männer durch den Eingriff impotent geworden war und unter Blasenschwäche bis hin zur Inkontinenz litt. Gleichzeitig bestätigt die skandinavische Studie, dass Abwarten für viele Männer eine vernünftige Strategie sein kann. Ein überraschender Befund ist nämlich, dass die Operation offenbar nur bei Männern unter 65 das Risiko verringert hatte, an Prostatakrebs zu sterben. Bei Männern über 65 lag das Risiko, an dem Krebs zu sterben, ohnehin nur halb so hoch wie bei jüngeren Männern und ließ sich durch die Operation nicht weiter absenken. „Das ist ein Hinweis, vor allem bei älteren Männern die Entscheidung zur Operation sehr sorgfältig abzuwägen“, sagt Weißbach. Er empfiehlt als Alternative „aktives Beobachten“ mit einer regelmäßigen Kontrolle des PSA-Wertes. Wenn der Wert ansteige, sei immer noch Zeit für weitere Therapien.

Noch ein paar Fakten: Prostatakrebs steht zwar bei den Todesursachen auf Platz 2, aber bei den geraubten Lebensjahren erst auf Platz 21. Prostatakrebs-Kranke starben 1999 in Deutschland mit durchschnittlich 77,6 Jahren an ihrem Tumor – und wurden damit knapp 7 Jahre älter als der Durchschnitt aller Männer.

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