Wie sich eine POSTTRAUMATISCHE - wissenschaft.de
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Wie sich eine POSTTRAUMATISCHE

Wie sich eine POSTTRAUMATISCHE BELASTUNGSSTÖRUNG im Gehirn festsetzt:

(1) Bilder von Ereignissen laufen über die Augen zunächst ins Sehzentrum im hinteren Okzipitallappen ein.

(2) Im vorderen Frontallappen nimmt das Bewusstsein anschließend eine Bewertung des Gesehenen vor.

(3) Das interpretierte Ereignis wandert zum „Gedächtnismanager“ Hippocampus, der es im Langzeitgedächtnis festschreibt.

(4) Wenn das Erlebnis intensive Gefühle, vor allem Angst, erregt, klinkt sich die Amygdala in den Speicherprozess ein. Sie gibt erregende Botenstoffe ab, insbesondere Noradrenalin. Das veranlasst den Hippocampus, das Geschehen besonders nachhaltig im Gedächtnis festzuschreiben. Das Ereignis brennt sich regelrecht ein – es entsteht eine Posttraumatische Belastungsstörung.

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(5) Die traumatische Erinnerung ist nun über die gesamte Großhirnrinde verstreut. Der Mensch ist in seiner Vergangenheit gefangen.

THERAPIE MIT PILLE A: In den ersten Tagen nach dem Ereignis wird prophylaktisch der Betablocker Propranolol verabreicht. Der fängt das erregende Noradrenalin ab und verhindert so das „ Einbrennen“ des Erlebten als quälendes, immer wiederkehrendes Trauma. EXPERIMENTE MIT PILLE B: Das eingebrannte Trauma lässt sich – nach neuesten Versuchen – vermutlich auch noch Jahre nach dem Erlebnis „löschen“:

Der Patient versetzt sich wieder in das – in der Großhirnrinde (5) gespeicherte – traumatische Geschehen von einst hinein. Dazu wird ihm zum Beispiel sein Protokoll des Geschehens vorgelesen. Die Erinnerung wird dadurch generell „aufgelockert“ und ist für eine Neubewertung durch das Bewusstsein im Frontallappen (2) zugänglich. Hier setzen auch psychotherapeutische Methoden zum Abbau des Posttraumatischen Stress-Syndroms ein.

Normalerweise würde das erinnerte Erlebnis nun vom Bewusstsein neu kodiert und über den Hippocampus – in veränderter Form – wieder ins Langzeitgedächtnis übergeben. Bekommt der Trauma-Patient jedoch vor dieser erneuten Abspeicherung den Proteinblocker Anisomycin oder eine haschischähnliche Droge, werden die körpereigenen Botenstoffe wie Noradrenalin abgeblockt, die emotionale Verstärkung durch die Amygdala (4) bleibt aus: Der Hippocampus (3) speichert ein neu bewertetes, „normales“ Geschehen ab, das nicht mehr emotionsgeladen ist: Die traumatische Erinnerung an das quälende Erlebnis in der Großhirnrinde ist dadurch gelöscht. Dieser Mechanismus wurde bislang allerdings nur im Tierversuch nachgewiesen.

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