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Allgemein

Wünschelrute für Altlasten

Ein tragbares Meßgerät ortet Altlasten auf den Zentimeter genau – mit Hilfe von Navigations-Satelliten.

Fliegerbomben oder Metallfässer können mit Hilfe eines mobilen Meßsystems schneller als bisher aufgespürt werden. Entwickelt haben es Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum zusammen mit der Firma DMT aus Essen. Altlasten kommen damit nicht erst ans Licht, wenn ein Grundstück saniert oder bebaut wird.

Die Methode: Die Wissenschaftler schreiten ein Gelände beliebig ab und messen dabei dessen Magnetfeld. Dementsprechend nennen sie ihr System „Random Walk“ – zufälliges Abschreiten. „Mit Random Walk können Bohrungen und traditionelle Bodenprüfungen auf ein Minimum reduziert werden“, sagt Geophysik-Professor Lothar Dresen, Leiter des Bochumer Entwickler-Teams. Das Meßsystem reagiert auf Metallcontainer oder auf altes Kriegsgerät im Boden, weil dort das Magnetfeld von dem des übrigen Geländes abweicht.

Das Magnetfeld verrät die Altlast (blau und orange) unter einem Grundstück: Mit einem neuen, transportablen Gerät haben Wissenschaftler an den Schnittpunkten der schwarzen Linien gemessen – ein Computer setzt die Meßwerte dann in Farben um.

Der Clou: Das System verknüpft die erhaltenen Meßdaten mit der jeweils exakten geographischen Position. Dazu arbeitet Random Walk mit den 24 Satelliten des Global Positioning Systems (GPS). Mit ihrer Hilfe läßt sich zunächst nur auf 50 bis 100 Meter genau bestimmen, wo sich die Wissenschaftler mit ihrem Meßgerät gerade befinden. Für die genauere Ortsbestimmung wird auf dem Erdboden ein stationärer GPS-Empfänger mit exakt bekannter Position als Bezugspunkt aufgestellt. Der Forscher schreitet dann mit GPS-Antenne und Magnetfeld-Meßgerät das Gelände ab und bestimmt so zentimetergenau den Abstand zum Referenzempfänger.

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Weil das Bochumer System Magnet- und Positionsmessung koppeln kann, werden Altlasten schnell gefunden. Herkömmlich muß ein Gelände aufwendig in Planquadrate eingeteilt und die Meßpunkte mit Pflöcken gekennzeichnet werden – besonders in schwer zugänglichen Gebieten ein mühsames Geschäft. „Wir sparen bis zu Zweidrittel Zeit ein“, sagt Geophysiker Dresen.

Weil der Untergrund bislang nur stichprobenartig untersucht werden konnte – beispielsweise durch Bohrungen -, ließen sich die Flächen dazwischen nicht erfassen. Die Folge: Manche Altlasten blieben verborgen. Mit Random Walk können Gebiete, die nach ersten Stichproben auffällig wurden, nochmals abgeschritten und genauer vermessen werden. Ein Statistik-Programm integriert die neuen Meßwerte problemlos in die alten – die Altlast wird eingekreist.

Mit Random Walk läßt sich auch der elektrische Widerstand des Bodens bestimmen – um beispielsweise ausgelaufene Flüssigkeit zu orten. Künftig sollen die Meßergebnisse direkt vor Ort mit Computerhilfe ausgewertet und graphisch aufgearbeitet werden. Außerdem wollen die Geophysiker erreichen, daß die Messungen genaue Auskunft über die Art der Altlast oder der Bodenverunreinigung geben.

Thomas Byczkowski

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