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Allgemein

Zum Mars im Billigcharter

Die US-Sonden Climate Orbiter und Polar Lander zerschellten im vergangenen Jahr auf dem Mars. Hauptursache für das Scheitern sind die überzogenen Sparmaßnahmen der NASA. Der Wissenschaftsjournalist Dr. Thomas Bührke hat die Belege zusammengetragen.

Vor einigen Jahren verkündete der Chef der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, Dan Goldin, seine neue Philosophie „ schneller, billiger, besser“. Insbesondere mit der zweiten Forderung brachte er die Politiker schnell hinter sich. Gleichzeitig mahnte er an, man müsse damit rechnen, daß drei von zehn Missionen scheitern. Immer noch besser, als eine teure Raumsonde zu verlieren und gar keine Daten zu haben, hieß es damals. Anfänglich schien das neue Konzept aufzugehen. Im Sommer 1997 eroberten Mars Pathfinder und das Gefährt Sojourner die Herzen der Öffentlichkeit. Der doppelte Rückschlag am Roten Planeten im vergangenen Jahr läßt nun allerdings Zweifel an der Goldin-Doktrin aufkommen. Allerdings: Weder die US-Politiker noch die amerikanische Öffentlichkeit wollen das Marsprogramm gänzlich kippen. Das sicherten Ende 1999 einige für das Weltraumprogramm zuständige Kongreßabgeordnete zu. Und in einer Umfrage der Tageszeitung „USA Today“ sprachen sich knapp dreiviertel der Befragten dafür aus, die Erforschung unseres Nachbarplaneten fortzusetzen. Was tatsächlich mit dem Polar Lander und den beiden Projektilen, die in den Marsboden eindringen und Bodenproben analysieren sollten, passiert ist, wird man möglicherweise nie herausfinden. Da aber alle drei Instrumente verschollen sind, halten die Experten eine gemeinsame Ursache für wahrscheinlich. Möglich erscheint es, daß sowohl die Landesonde als auch die Projektile nicht vom Mutterschiff abgetrennt wurden und den Mars gar nicht erreicht haben oder auf ihm zerschellt sind – so wie schon im September 1999 der Climate Orbiter. Diese Sonde, das ist unumstritten, wurde das Opfer einer peinlichen Konfusion von englischen und metrischen Maßeinheiten. Noch schlimmer wiegt freilich, daß die Techniker bereits acht Monate vor dem Absturz eine konstante Kursabweichung der Sonde registrierten – ebenfalls wegen der Einheitenverwirrung, wie man heute weiß. Anstatt die Ursache für dieses Fehlverhalten zu suchen, korrigierten die Techniker die Bahn lediglich nach. Das eigentliche Problem der Amerikaner liegt tiefer, wie ein im März vorgelegter Untersuchungsbericht bescheinigt. Eine optimale Software hätte die widersprüchlichen Meßwerte erkennen müssen, stellte der Kommissionsvorsitzende, Arthur Stephenson vom Marshall Space Flight Center, fest. Er machte darüber hinaus mehrere Mängel für das Scheitern der Mission verantwortlich. Dazu zählen ungenügende Kommunikation zwischen verschiedenen Gruppen des Missionsteams, nicht ausreichende Schulung einiger Mitarbeiter und Unterbesetzung – alles deutliche Anzeichen eines strikten Sparkurses. Vor allem die Personalkosten wurden gnadenlos heruntergefahren: Die Teams sind bis an ihre Grenzen belastet, ständig werden Mitglieder ausgetauscht, viele von ihnen sind für mehrere Missionen gleichzeitig zuständig. Ursache ist die Schneller-Besser-Billiger-Doktrin. Sie hat zur Folge, daß heute in kürzester Zeit mehr Raumfahrtprojekte durchgezogen werden als früher. Das heißt auch: Man braucht mehr Projektmanager. Doch die alten Hasen sind längst entlassen. Deshalb muß die NASA oft auf unerfahrene Leute zurückgreifen, die der Aufgabe nicht immer gewachsen sind. In der Raumfahrt ist es aber nicht anders als sonstwo: Erfahrung ist Gold wert. Trotz der Fehlschläge will in den USA niemand ernsthaft von der beabsichtigten Kostendegression abrükken. Es sieht aber so aus, daß die NASA in dem eingeschlagenen und auch für die Zukunft vorgesehenen Tempo nicht weitermachen kann. Der Plan, alle zwei Jahre eine Doppelmission mit immer wieder neuen Techniken, aber knappem Budget durchzuziehen, ist gescheitert. Denn vor wenigen Tagen hat die NASA die für 2001 geplante Mission gekippt. Der nächste Flug zum Roten Planeten wird damit – aufgrund der Konstellation Erde-Mars – frühestens 2003 möglich sein. Weiter wurde entschieden, bei der nächsten Mission einen Bordsender zu installieren, der ähnlich wie eine Black Box im Flugzeug unablässig alle technischen Daten zur Erde funkt – bis zur Landung. Hierauf hatte man beim Polar Lander aus Kosten- und Gewichtsgründen verzichtet. Die Erforschung des Mars wird also in gemäßigterem Tempo weitergehen. Somit werden auch nicht 2008 die ersten Bodenproben des Nachbarplaneten auf der Erde eintreffen, wie geplant. Ob innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahrzehnte Menschen dort landen werden, will im Augenblick niemand mehr beschwören. Die Euphorie ist fürs erste hin: Noch vor wenigen Jahren hatten Weltraumexperten gehofft, daß Menschen im Jahr 2016 erstmals einen anderen Planeten betreten werden.

Thomas Bührke

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