Zwischen Euphorie und Psychostreß - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Allgemein

Zwischen Euphorie und Psychostreß

Gemischte Gefühle. Unsicherheiten darüber, ob die Sonne bei der Finsternis stirbt, mögen bei Naturvölkern auftreten. Doch auch Mitteleuropäer reagieren auf das unkontrollierbare Ereignis vielfältig: Die Spanne reicht von Furcht bis Euphorie.

Unsicherheiten darüber, ob die Sonne bei der Finsternis stirbt, mögen bei Naturvölkern auftreten. Doch auch Mitteleuropäer reagieren auf das unkontrollierbare Ereignis vielfältig: Die Spanne reicht von Furcht bis Euphorie.

Die Sonnenfinsternis ist ein beeindruckendes Naturereignis – keine Naturkatastrophe mit der zerstörerischen Macht von Wirbelstürmen oder Erdbeben. Das Ereignis ist genau datierbar, doch es liegt außerhalb unserer Kontrolle. Im Vergleich zu anderen Naturphänomenen wie den Tages- oder Jahreszeiten hat die Sonnenfinsternis etwas Außergewöhnliches an sich und kann unsere Neugier oder Begeisterung wecken. Aber sie hat auch etwas Fremdes: Nur wenige von uns wissen, was da tatsächlich passiert. Negative Konsequenzen sind nicht zu erwarten – aber ist das wirklich sicher?

Wenn sich in unserem Umfeld etwas ereignet, das sich unserer Kontrolle entzieht und Unsicherheit hervorrufen kann, ist dies für manche Menschen belastend oder sogar bedrohlich und kann Streß auslösen. Psychologen geben Streß zwei Bedeutungen: So wird als Streß sowohl der Auslöser (Stressor) bezeichnet als auch das, was durch einen Stressor ausgelöst wird (Streßreaktion).

Stressoren sind Ereignisse, die aufregen, ängstigen, psychisch und körperlich belasten – dies können kritische Lebensereignisse sein wie die Trennung vom Partner, der Tod eines nahestehenden Menschen, der Verlust des Arbeitsplatzes. Stressig aber sind auch die alltäglichen Ärgernisse oder die vielen kleinen Arbeiten, die für sich genommen leicht zu bewältigen sind, in der Summe aber das Faß zum Überlaufen bringen.

Anzeige

Die Streßreaktion ist das, was Stressoren bei uns bewirken – Streß kann zwar positiv erlebt werden, aber im allgemeinen ist die negative Form der psychischen und körperlichen Beanspruchung gemeint, wenn von Streß gesprochen wird. Sowohl die Einschätzung eines Ereignisses als Stressor als auch die Reaktionen darauf sind individuell sehr unterschiedlich.

l Wie ein Mensch in verunsichernden Situationen reagiert, hängt zum einen ab von Persönlichkeitsmerkmalen wie Optimismus, Ängstlichkeit oder Selbstwertgefühl, aber auch von seinen Erwartungen und Bewertungen. Der Optimist, für den die fast geleerte Flasche noch halb voll ist, wird eher etwas Schönes an der Sonnenfinsternis finden als der Pessimist, für den die gerade angebrochene Flasche schon halb leer ist.

Auch Lebenserfahrungen beeinflussen den Umgang mit Streß. Wer schon eine Sonnenfinsternis erlebt hat, für den mag das Wunderbare im Vordergrund stehen. Angst vor Dunkelheit aufgrund eines Kindheitsereignisses kann aber den Genuß einer Sonnenfinsternis verderben.

In der Umwelt sind die Rahmenbedingungen in zentralen Lebensbereichen zu berücksichtigen – ein Mensch, der erfolgreich im Beruf, glücklich in der Partnerschaft und zufrieden mit seiner Freizeit ist, wird eher offen für Neues sein und Ungewöhnlichem mit Neugier begegnen. Extrem negative Reaktionen auf ein objektiv unbedrohliches Ereignis können demgegenüber ein Zeichen dafür sein, daß in wichtigen Lebensbereichen belastende Bedingungen vorliegen: Ärger im Büro, Probleme mit dem Partner, Streit mit den Kindern. Nicht zu vernachlässigen ist das soziale Umfeld: Sind Freunde und Bekannte von der Sonnenfinsternis begeistert, hat das sicher einen positiven Einfluß. Nicht zuletzt spielt eine entscheidende Rolle, von wem wir unsere Informationen bekommen – von Experten oder vom Nachbar nebenan? Ist die Quelle zuverlässig oder nur an Sensationen interessiert? Wenn Ihnen der Gedanke an eine Sonnenfinsternis Unwohlsein bereitet, zu panischen Ängsten, Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden führt, ist eine professionelle psychologische Hilfe zu empfehlen.

Extrem positive Reaktionen – der Sonnenfinsternis entgegenfiebern, freudige Aufregung und Nervosität – sind zwar vielleicht nervend, aber in der Regel nicht schädlich. Ganz im Gegenteil: Gesundheitspsychologischen Erkenntnissen zufolge sind positive Gefühle der körperlichen Gesundheit sehr zuträglich.

Gabriele Dlugosch

Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Dossiers

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Fo|to|me|trie  auch:  Fo|to|met|rie  〈f. 19; unz.〉 Lehre vom Messen von Lichtstärke, Leuchtdichte u. Beleuchtungsstärke, Lichtstrom; ... mehr

Kot|kä|fer  〈m. 3; Zool.〉 Angehöriger einer Unterfamilie der Skarabäen, der Exkremente, bes. von Huftieren, frisst: Coprinae

Broad|way  〈[brdw] m. 6; unz.〉 Hauptverkehrsstraße von New York, Sitz zahlreicher Theater, bes. für Musicals [<engl. broad way ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige