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Astronomie+Physik

Amanda spürt hochenergetische Neutrinos auf

Erstmals haben Wissenschaftler hochenergetische Neutrinos aus dem Weltall aufgespürt. Fündig geworden ist die aus 119 Physikern und Astronomen bestehende internationale Forschergruppe mit dem Spezial-Teleskop Amanda, keine zwei Kilometer vom Südpol entfernt. Über ihre Messungen berichten sie nun im Wissenschaftsmagazin Nature.

Das Teleskop Amanda („Antartic Myon and Neutrino Detector Array“) gehört zu den außergewöhnlichsten Messinstrumenten, die je gebaut wurden. Es besteht aus 677 bis zum 2.000 Meter tief ins Südpolareis eingelassene Messkugeln, sogenannten Photomultipliern. Diese Messgeräte registrieren nicht die Neutrinos selbst, sondern von sogenannten Myonen ausgelöste Lichtblitze. Myonen entstehen beim Zusammentreffen von Neutrinos und der Nukleonen im Eis oder im darunter liegenden Grundgestein.

Bei ihren Messungen verwenden die Physiker die Erde als Filter: Sie messen nur jene Myonen, die sich aufwärts bewegen und daher von Neutrinos stammen, die auf der Nordhalbkugel in die Erde eingedrungen sind und den ganzen Erdball durchquert haben. Auf diese Weise können „unerwünschte“ Myonen, die beispielsweise in der Erdatmosphäre enstanden sind, herausgefiltert werden.

Aus den Bahnen der Myonen können die Wissenschaftler nun mit hoher Genauigkeit auf die Flugbahn der Neutrinos schließen. Astrophysiker erhoffen sich davon nun einen neuen Blick ins All. Hochenergetische Neutrinos entstehen bei zahlreichen Ereignissen im Universum, beispielsweise bei der Explosion von Sternen. Da sie weder durch Materie nennenswert aufgehalten, noch durch elektrische oder magnetische Felder abgelenkt werden, können ihre Flugbahnen die Astrophysiker zurück an den Ort des Geschehens führen.

Trotz der bisherigen Erfolge der Astrophysiker zeichnet sich jetzt schon ab, dass für präzisere Messungen ein noch größerer Detektor nötig ist. Pläne für „IceCube“, einem Detektor mit 4.800 Photomultipliern mit einer effektiven Fläche von einem Quadratkilometer, liegen bereits vor.

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Ulrich Dewald
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Kur|tscha|to|vi|um  auch:  Kurt|scha|to|vi|um  〈[–vi–] n.; –s; unz.; chem. Zeichen: Ku; früher〉 = Rutherfordium ... mehr

Stan|num  〈n.; –s; unz.; chem. Zeichen: Sn〉 Zinn [lat.]

epi|gram|ma|tisch  〈Adj.; Lit.〉 in der Art eines Epigramms, treffend, geistreich, witzig

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