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Astronomie+Physik

Auslese: Was Forscher diese Woche sonst noch entdeckt haben

Diese Woche: Warum Gürteltiere nicht die optimalen Haustiere sind, wie Chilis beim Abnehmen helfen können, wann man keinen Herzinfarkt haben sollte sowie beschleunigte Bakterien und ein Exoplanet mit der Dichte von Blei.

Sie sind putzig, aber nicht ganz ungefährlich: Bei Gürteltieren kann man sich mit Lepra anstecken, hat eine US-Forschergruppe jetzt erstmals nachgewiesen. In einigen südlichen Staaten der USA tragen demnach bis zu 20 Prozent der Tiere eine ungewöhnliche Variante des Lepra-Erregers Mycobacterium leprae in sich. Die gleiche Form fanden die Wissenschaftler auch bei 33 von 39 Lepra-Patienten, bei denen bis dahin unklar war, wie und wo sie sich angesteckt haben könnten. Die Übertragung von Tier auf Mensch ist für Lepra äußerst ungewöhnlich ? sonst wird die Krankheit nur von Mensch zu Mensch weitergegeben, sagen die Forscher. Sie empfehlen daher, kein Gürteltierfleisch zu essen und möglichst nicht mit den Fäkalien der Tiere in Kontakt zu kommen. Dramatisch ist die Lage allerdings nicht: Lepra ist in den Industriestaaten äußerst selten und kann zudem gut mit Antibiotika behandelt werden. (Richard Truman, Louisiana State University, et al.: New England Journal of Medicine, Bd. 364, S. 1626)

Im Gegensatz zu Gürteltierfleisch sind Chilis auf dem Speiseplan absolut zu empfehlen, zeigt eine weitere US-Studie: Die scharfen Schoten helfen nämlich gleich doppelt beim Abnehmen. Streut man etwa einen halben Teelöffel Cayenne-Pfeffer über seine Mahlzeit, erhöht sich zum einen die Körpertemperatur und damit der Energieverbrauch nach dem Essen. Zum anderen verringert sich die Lust auf Süßes, Fettiges und Salziges. Letzteres gilt allerdings hauptsächlich für Menschen, die sonst kaum oder gar keine Chilis zu sich nehmen, konnten die Wissenschaftler nachweisen. Den Scharfmacher Capsaicin als Kapsel einzunehmen, ist keine Alternative: Offenbar ist das brennende Gefühl im Mund nach dem Verzehr von Chilis entscheidend für den Effekt. (Mary-Jon Ludy und Richard Mattes, Purdue University in West-Lafayette: Physiology & Behavior, Bd. 102, S. 251)

Neues zum Thema Herzinfarkt gab es diese Woche von Wissenschaftlern aus Spanien: Sie haben entdeckt, dass die Attacken nicht nur gehäuft in den frühen Morgenstunden auftreten, sondern dann auch den meisten Schaden anrichten. Bis zu zwanzig Prozent mehr Herzmuskelgewebe stirbt nämlich ab, wenn der Infarkt zwischen 6 Uhr morgens und 12 Uhr mittags auftritt, konnten die Forscher bei einer Untersuchung von 811 Herzinfarktpatienten nachweisen. Verantwortlich dafür sind vermutlich Schwankungen von Aktivität und Menge verschiedener Enzyme, Schutzstoffe und Hormone, die typischerweise im Lauf des Tagesrhythmus entstehen, so dass die Zellen morgens offenbar am wenigsten vor Schäden durch Mangeldurchblutung und fehlenden Sauerstoff geschützt sind. (Aida Suárez-Barrientos, Hospital Clínico San Carlos in Madrid, et al.: Heart, Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1136/hrt.2010.212621)

Vom Herzen geht es weiter ins All: Dort könnte es durchaus auch auf solchen Himmelskörpern Leben geben, auf denen extreme Schwerkraftverhältnisse herrschen. Denn zumindest einige Bakterienarten können problemlos Beschleunigungen überleben und sich dabei sogar noch vermehren, die viele Tausend Mal größer sind als die Erdbeschleunigung. Gezeigt haben das japanische Forscher, die verschiedene Mikroorganismen in eine Ultrazentrifuge gesteckt haben ? ein Gerät, das extrem starke Beschleunigungen simuliert. Werte bis 20.000 g, also bis zum 20.000-Fachen der Erdbeschleunigung, steckten alle getesteten Mikroben locker weg. Zwei von ihnen ? Paracoccus denitrificans, das im Boden und im Abwasser vorkommt, und E. coli, der bekannteste Darmkeim ? schafften es sogar, sich noch bei 403.627 g zu teilen. Möglicherweise können diese Bakterien sogar noch größere Beschleunigungen wegstecken, sagen die Forscher. Nachweisen konnten sie das jedoch nicht ? die Ultrazentrifuge musste leider passen. (Shigeru Deguchi, Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology, Yokosuka, et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1073/pnas.1018027108)

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Nicht gerade 400.000 Mal, aber immerhin deutlich größer als auf der Erde ist die Schwerkraft auf 55 Cancri e, einem etwa 40 Lichtjahre entfernten Exoplaneten, der laut kanadischen Astronomen über einige erstaunliche Eigenschaften verfügt: Obwohl nur 60 Prozent größer als die Erde, hat er dank einer doppelt so hohen Dichte insgesamt etwa die achtfache Masse des blauen Planeten. Seine Schwerkraft ist so stark, dass man dreimal so viel wiegen würde wie zu Hause. Zudem umkreist der Planet, den die Forscher als bisher dichtesten bekannten Gesteinsplaneten bezeichnen, seinen Mutterstern extrem schnell – ein Jahr dauert daher weniger als 18 Stunden. Ein Kandidat für außerirdisches Leben ist er allerdings eher nicht: Seine Oberflächentemperatur von gut 2.700 Grad Celsius lässt es sogar unwahrscheinlich erscheinen, dass der Planet überhaupt über eine Atmosphäre verfügt. Sehen kann man 55 Cancri e übrigens nicht einmal mit guten Teleskopen: Die Forscher um Jaymie Matthews von der University of British Columbia haben ihn nur entdeckt, weil er beim Vorbeiziehen in schöner Regelmäßigkeit das Licht seines Muttersterns kurzfristig um einen Bruchteil eines Prozentes verringert. ( Mitteilung der University of British Columbia)

wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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Ge|hirn|quet|schung  〈f. 20; Med.〉 Folge stumpfer Gewalteinwirkung auf den Schädel, führt meist zu blutiger Erweichung von Gehirnpartien u. entsprechenden Ausfallserscheinungen: Contusio cerebri

es|sig|sau|er  〈Adj.; Chem.〉 chem. gebundene Essigsäure enthaltend, daraus entstanden ● essigsaure Tonerde in verdünnter Form als schwach desinfizierendes, zusammenziehendes Mittel angewendetes, basisches Aluminiumazetat: Liquor aluminii subacetii ... mehr

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