Bermuda-Dreieck in der Nordsee? Möglicherweise verschluckte ein Methanausbruch ein Dampfschiff - wissenschaft.de
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Bermuda-Dreieck in der Nordsee? Möglicherweise verschluckte ein Methanausbruch ein Dampfschiff

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Eine plötzlich aufgestiegene, riesige Methanblase könnte ein kürzlich entdecktes Schiff auf den Grund der Nordsee gesetzt haben. Diese Vermutung äußern Wissenschaftler jetzt im New Scientist.

Der Meeresgrund, 150 Kilometer nordöstlich von Aberdeen, in dem mit Namen „Whitch’s Hole“ bekannten Gebiet ist von muldenartigen Einsenkungen übersäht, wie sie von gewaltigen, austretenden Gasblasen verursacht werden. In einer solchen Senke mit einem Durchmesser von etwa 100 Metern wurde das 25 Meter lange Wrack entdeckt.

Alan Judd, Experte für marine Geologie an der University of Sunderland meint, dass das Schiff zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sein könnte. Falls das Schiff genau zum Zeitpunkt eines Gasaustritts über der Blase war, müsse es wie ein Stein zum Meeresboden gefallen sein. Selbst Passagiere in Schwimmwesten hätten keine Chance gehabt – auch sie wären einfach zu Boden gestürzt.

Das Methan im Meeresboden wird durch Umwandlung darin enthaltener organischer Substanz gebildet. Über Tausende von Jahren bahnt es sich dann den Weg zur Sedimentoberfläche. Kann das Methan durch die darüber liegenden Schichten und die Last der Wassersäule nicht mehr gehalten werden, kommt es zu – mitunter spontanen – Gasausbrüchen. Ähnliche Theorien gibt es auch in Bezug auf das berüchtigte „Bermuda-Dreieck“.

Sicher ist die spektakuläre Hypothese vom Untergang des Schiffes jedoch nicht. Weitere Hinweise könnten ausperlendes Gas oder Matten von Mikroben sein, die sich von Methan ernähren. Im vorliegenden Fall konnte beides jedoch nicht beobachtet werden. Auch der gute Zustand des Schiffes ist in diesem Zusammenhang merkwürdig. Dennoch, das Schiff muss völlig aufrecht auf dem Meeresboden zu liegen gekommen sein, nicht etwa in steilem Winkel wie bei „normal“ sinkenden Schiffen.

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Momentan wird versucht, das Wrack mit ferngesteuerten Unterwasserrobotern zu identifizieren und die Unglücksursache weiter zu ergründen. Bislang steht lediglich fest, dass es sich bei dem kaum beschädigten Wrack um ein stählernes Dampfschiff aus dem frühen 20. Jahrhundert handelt, sagt Robert Prescott, Direktor des Scottish Institute of Maritime Studies der St. Andrews University. Zu Beginn nächsten Jahres sollen die Ereignisse der Entdeckung und Erforschung des Wracks in einer TV-Dokumentation gezeigt werden.

Olaf Elicki
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